Kritik an ZDF-Moderatorin Dunja Hayali wegen Nebentätigkeiten

07.09.2018 • Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die seit Ende August auch das „Aktuelle Sportstudio“ moderiert, will ihre Engagements außerhalb des Senders künftig noch kritischer überprüfen als bisher. Hayali, die beim ZDF nicht festangestellt ist, sondern als freie Mitarbeiterin für das „Morgenmagazin“ arbeitet und seit Juli 2018 auch eine nach ihr benannte Polit-Talkshow moderiert, reagierte damit auf Kritik an ihren nebenberuflichen Auftritten bei Veranstaltungen von Unternehmen und Verbänden.

Das Medienmagazin „Zapp“, das im Dritten Programm NDR Fernsehen ausgestrahlt wird, hatte in seiner Ausgabe vom 15. August über verschiedene Moderationsauftritte von Hayali unter anderem beim Deutschen Beamtenbund, bei der Amazon Academy, der Stahlindustrie und beim Automobilkonzern BMW berichtet. Besonderes Augenmerk richtete „Zapp“ dabei auf die Moderation eines Fachkongresses des Verbands der Deutschen Automatenwirtschaft und hob das schlechte Image der staatlich konzessionierten Branche hervor. Hayali selbst betonte in einem Statement gegenüber „Zapp“, sie sehe in einem solchen Engagement kein Problem, „solange ich da das tue, was ich sonst auch immer tue auf der Bühne bei jedem Fachkongress, nämlich kritischen Journalismus, unabhängig, fair und respektvoll“.

Für den ebenfalls von „Zapp“ interviewten Journalistik-Professor Volker Lilienthal sind solche Auftritte dagegen „schlicht kein Journalismus“. Bei der Moderation eines Branchen-Events gehe es vielleicht um das gleiche Handwerkszeug, aber das Thema ist vorgegeben, die Gesprächspartner sind vorgegeben und das wird nicht für die allgemeine Öffentlichkeit publiziert“, so Lilienthal: „Ich sehe da ein großes Problem.“ Denn Hayali könne stets in die Situation kommen, über solche Unternehmen und Verbände als Journalistin berichten zu müssen. Da sie für ihre freiberufliche Tätigkeit honoriert werde, könne dies ihre Unabhängigkeit kompromittieren, sagte Lilienthal.

„Wirkung unterschätzt“

Dass sich die keinesfalls neue Debatte über gut dotierte Nebentätigkeiten journalistischer TV-Prominenz dieses Mal ausgerechnet an der vielfach für ihre journalistische Integrität und ihr gesellschaftspolitisches Engagement ausgezeichnete Dunja Hayali entzündete, wirkte dabei etwas seltsam: Hayali ist in so ziemlich allem das Gegenteil einer bezahlten Claqueurin, hat sich kritischen Fragen hierzu immer gestellt, tritt vielfach ehrenamtlich auf und spendet im Regelfall die bei solchen Auftritten anfallenden Honorare. Dies, so Hayali, sei auch beim von „Zapp“ thematisierten Auftritt beim „Gaming Summit“ der Spielautomatenbranche der Fall gewesen. Zudem zeige sie – wie vorgesehen – derartige Nebentätigkeiten beim ZDF an. Eine ausdrückliche Genehmigung ihres Senders brauchen freie Mitarbeiterinnen wie Hayali für solche Einsätze nicht. Dadurch, dass die Nebentätigkeiten beim Sender angezeigt werden, sollen aber Interessenkonflikte bereits im Vorfeld vermieden werden. Ähnliche Regelungen wie beim ZDF gelten auch bei den Redaktionen der ARD.

Zu ihrer Haltung, dass hier kein grundsätzlicher Interessenskonflikt vorliege, wohl aber eine sehr genau abzuwägende Entscheidung im Einzelfall nötig sei, passt daher auch der selbstkritische Ansatz, mit dem Hayali auf Facebook ihren Beitrag zu der Diskussion über ihre Nebentätigkeiten geleistet hat: „Die entstandene Diskussion hat mir deutlich vor Augen geführt, dass durch die Auftritte jenseits meiner Sendungen der Eindruck von Befangenheit oder Abhängigkeit entstehen kann“, schrieb Hayali: „Die Wirkung habe ich selbst unterschätzt. Das bedaure ich sehr.“ Selbstverständlich sei ihr „bewusst, dass es einen Unterschied gibt zwischen unabhängiger journalistischer Arbeit und einer Tätigkeit für einen anderen Auftraggeber“.

07.09.2018 – MK