Freenet TV: Kundenzahlen für DVB‑T2 und Satellit stagnieren

06.09.2019 •

Im Frühjahr 2017 wurde beim digital-terrestrischen Fernsehen in Deutschland ein neuer Übertragungsstandard eingeführt. Über die Techniknorm DVB-T2 HD sind seitdem rund 40 öffentlich-rechtliche und private TV-Programme in hochauflösender Bildqualität zu empfangen. Die kommerziellen Angebote waren aber nur in der Anfangsphase kostenfrei zu sehen. Seit Juli 2017 sind Privatsender wie RTL, Sat 1 und Pro Sieben nur noch gegen eine Gebühr von monatlich 5,75 Euro über den neuen Technikstandard zu empfangen (69 Euro pro Jahr). Unter dem Namen ‘Freenet TV’ vermarktet das Unternehmen Media Broadcast den digital-terrestrischen Empfang kommerzieller Programme (vgl. MK-Meldung). Doch die Anzahl der Abonnenten von Freenet TV wächst seit 2018 kaum noch, sondern sie stagniert eher, wie aus aktuellen Geschäftszahlen des Mobilfunkkonzerns Freenet hervorgeht, zu dem Media Broadcast gehört.

Das in Köln ansässige Unternehmen Media Broadcast betreibt auch das DVB-T2-Netz, das aus mehr als 60 Sendeanlagen im Bundesgebiet besteht. Dadurch könnten hierzulande theoretisch 21,2 Mio Haushalte das digitale Antennenfernsehen nutzen, wie es im „Digitalisierungsbericht Video 2018“ der Landesmedienanstalten heißt. In Deutschland gibt es nur rund 2,5 Mio Haushalte, die Fernsehen digital-terrestrisch empfangen (Marktanteil: 6,4 Prozent). Vorne liegen die Verbreitungswege Kabel und Satellit (jeweils rund 17,5 Mio Haushalte). Media Broadcast startete Ende März 2018 zusätzlich die Vermarktung von ‘Freenet TV via Satellit’. Seitdem können Haushalte mit Astra-Satellitenempfang auch über Media Broadcast private TV-Programme in HD-Qualität sehen – wenn sie dafür eine Gebühr bezahlen, die sich ebenfalls auf monatlich 5,75 Euro beläuft (69 Euro pro Jahr).

Insgesamt eine Million Abonnenten

Mit dem Eintritt in die HD-Vermarktung kommerzieller Fernsehprogramme, die via Astra verbreitet werden, machte Media Broadcast der HD plus GmbH Konkurrenz. Dieses Unternehmen ist eine Astra-Tochterfirma und betreibt seit Ende 2009 die kostenpflichtige TV-Plattform HD plus, über die seither private Programme in hochauflösender Qualität zu empfangen sind. Dafür fällt eine Gebühr von monatlich 8,50 Euro an. In diesem Geschäftsfeld ist neben Media Broadcast und dem Marktführer HD plus seit Februar 2018 auch die M7 Group aus Luxemburg vertreten, die das Produkt „Diveo“ anbietet (monatlich ab 8,70 Euro). Die M7 Group wiederum gehört seit Frühjahr 2019 zur französischen Canal-plus-Gruppe.

Media Broadcast hat nun zum 30. Juni 2019 insgesamt 1,037 Mio zahlende Freenet-TV-Abonnenten, wie aus dem Halbjahresbericht 2019 des Freenet-Konzerns hervorgeht. In dieser Zahl enthalten sind sowohl die Kunden, die Freenet TV digital-terrestrisch nutzen, als auch die Kunden mit Satellitennutzung. Die Abonnentenzahl wird im aktuellen Geschäftsbericht nicht nach den Empfangswegen DVB-T2 und Satellit unterteilt. Auch auf Nachfrage wollte Media Broadcast hier keine aufgeschlüsselten Zahlen nennen: Die Nutzerzahlen würden nicht getrennt ausgewiesen, „da hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit kein Unterschied zwischen Sat- und Terrestrik-Nutzern besteht“, teilte das Unternehmen dazu der MK in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Media Broadcast veröffentlicht inzwischen nur noch die Freenet-TV-Kunden, die ein aktives Abonnement haben und Umsatz generieren. Zuvor hatte das Unternehmen dies anders gehandhabt, wodurch sich eine höhere Abonnentenzahl ergab. Das Unternehmen hatte, wie es im November 2018 mitteilte, „die Anzahl der verkauften Kundenkarten mit der Anzahl der Freenet-TV-Abo-Kunden gleichgesetzt“. Ein Teil dieser Kunden habe aber „regelmäßig seine Guthabenkarten auf Vorrat gekauft, ohne diese unmittelbar zu aktivieren beziehungsweise den entsprechenden Umsatz zu generieren“. Das heißt, kaufte ein Freenet-TV-Kunde beispielsweise drei Guthabenkarten, dann wurden daraus in der Bilanz des Unternehmens drei (verschiedene) Kunden. Die Zählung wurde rückwirkend geändert. Die tatsächliche Abonnentenzahl mit Stand von Ende September 2018 lag um 100.000 Kunden niedriger als nach der früheren Berechnungsmethode.

Was nicht veröffentlicht wird

Die Zahl von 1,037 Mio Freenet-TV-Kunden am 30. Juni 2019 liegt nur um 37.000 über der Abonnentenzahl von Ende Juni 2018. Binnen zwölf Monaten wuchs die Kundenzahl also lediglich um 3,7 Prozent. Bis zum Jahresende 2019 erwartet Media Broadcast für Freenet TV insgesamt eine Abonnentenzahl von mehr als einer Million, wie das Unternehmen der MK mitteilte. Offensichtlich sieht Media Broadcast, zumindest derzeit, kein allzu großes Wachstumspotenzial und rechnet mit stagnierenden Zahlen.

Was das Segment ‘Freenet TV via Satellit’ angeht, könnte es hier in der näheren Zukunft noch Probleme geben. Im Freenet-Halbjahresbericht 2019 heißt es dazu: Bei der Media Broadcast GmbH gebe es „ein Projektrisiko, dass vereinbarte Mindestkundenzahlen für das Produkt ‘Freenet TV via Satellit’ nicht im Vertragszeitraum erreicht werden könnten“. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit geht der Freenet-Konzern davon aus, dass dies auch eintritt. In diesem Fall sei die Schadenshöhe allerdings gering, hieß es. Fragen dazu, etwa welche Mindestkundenzahlen mit welchem Unternehmen vereinbart wurden, wollte Media Broadcast nicht beantworten: „Wir veröffentlichen grundsätzlich keine Verhandlungen oder vertragliche Details mit unseren Kunden/Lieferanten.“

Ob Media Broadcast an ‘Freenet TV via Satellit’ weiter festhält, bleibt abzuwarten. Eine Entscheidung, die Vermarktung zu beenden, gebe es nicht, erklärte das Unternehmen. Aktuell würden 15 Mio Zuschauer über Satellit die privaten Programme noch in der digitalen Standardauflösung (SD) schauen. Die Nachfrage dieser Zuschauer, für den Empfang auf HD umzusteigen, sei aktuell noch gering. Das betreffe alle Anbieter auf dem Markt gleichermaßen, so Media Broadcast.

Bis 2022 müssen die großen Privatsender ihre Programme noch in SD über Satellit verbreiten. Dazu hatten sich Ende 2012 die RTL-Gruppe und der Pro-Sieben-Sat-1-Konzern gegenüber dem Bundeskartellamt verpflichtet (vgl. FK-Heft 3/13). Ob beide Medienkonzerne nach dem Jahr 2022 die SD-Verbreitung ihrer Programme via Satellit beenden, ist offen. Käme es dazu, bliebe abzuwarten, wie viele Zuschauer dann umsteigen und zusätzliches Geld dafür ausgeben würden, um die kommerziellen Programme über Satellit in HD zu empfangen.

06.09.2019 – Volker Nünning/MK