Pro Sieben Sat 1: Erstmals über 4 Mrd Euro Jahresumsatz

30.03.2018 • Die Pro Sieben Sat 1 Media SE hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 erstmals einen Umsatz von mehr als 4 Mrd Euro erzielt. Das gab der börsennotierte Medienkonzern am 22. Februar bekannt. An diesem Tag präsentierte das Unternehmen seine Wirtschaftszahlen für das vergangene Geschäftsjahr. Der Umsatz stieg demnach im Vergleich zu 2016 um sieben Prozent auf 4,078 Mrd Euro. Der wichtigste Wachstumstreiber war nach Unternehmensangaben auch 2017 das Segment ‘Digital Ventures & Commerce’. Unter dem Strich wies die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe für das vorige Jahr einen bereinigten Konzernüberschuss von 550 Mio Euro aus – drei Prozent mehr als im Jahr 2016. Pro Sieben Sat 1 habe damit „ein weiteres Rekordjahr“ erzielt, vermeldete der Konzern. Von dem Überschuss sollen 80,3 Prozent – das sind insgesamt 442 Mio Euro – an die Aktionäre ausgeschüttet werden (pro Aktie soll die Dividende 1,93 Euro betragen).

Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen im Jahr 2017 nach eigenen Angaben 51 Prozent seines Umsatzes außerhalb des Fernsehwerbegeschäfts (2016: 47 Prozent). Die TV-Werbeeinnahmen der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe beliefen sich bei den Sendern in Deutschland, Österreich und der Schweiz im vorigen Jahr auf insgesamt 2,014 Mrd Euro und entsprachen damit den Erlösen des Vorjahres (2,017 Mrd Euro). Nachdem in der Spanne von Januar bis September 2017 die Werbeeinnahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um immerhin drei Prozent gesunken waren, gab es im vierten Quartal 2017 ein Plus von sechs Prozent. Somit gelang es dem Konzern noch, die Werbeerlöse im Gesamtjahr 2017 auf die Höhe des Vorjahres zu bringen und einen Rückgang zu vermeiden.

TV-Werbeerlöse bleiben stabil

Auf das wirtschaftlich besonders erfolgreiche vierte Quartal 2017 verwies am 22. Februar anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Wirtschaftszahlen auch der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling: „So konnten wir auf Jahressicht weiter profitabel wachsen und haben erstmals die Umsatzmarke von 4 Mrd Euro übertroffen. Im Vergleich zu 2009 ist das eine Steigerung von knapp 50 Prozent. Im selben Zeitraum haben wir den Nettogewinn verdreifacht und die Nettofinanzverschuldung etwa halbiert.“ Am Tag der Präsentation der Bilanzzahlen endete die Amtszeit von Ebeling als Vorstandschef der Pro Sieben Sat 1 Media SE. Dass er den Konzern am 22. Februar 2018 verlassen würde, hatte die Unternehmensgruppe bereits im November 2017 bekannt gegeben (vgl. MK-Meldung).

Im März 2009 hatte Ebeling die Leitung des Konzerns mit Sitz in Unterföhring bei München übernommen. Bis zum Amtsantritt von Max Conze als neuer Vorstandschef leitet nun Conrad Albert, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, übergangsweise die Geschäfte von Pro Sieben Sat 1 (vgl. MK-Meldung). Ebeling hatte vor neun Jahren den Chefposten von Pro Sieben Sat 1 übernommen, als sich die Firmengruppe – die damals im Besitz der beiden Finanzinvestoren Permira und KKR war – in wirtschaftlich schlechter Lage befand.

Dem Konzern, dessen Aktie zu Ebelings Amtsantritt nur noch 1,33 Euro wert war, stand ein deutlicher Personalabbau bevor. Hinzu kam eine hohe Verschuldung von rund 3,8 Mrd Euro, nachdem die beiden Konzerneigner die Milliardenübernahme der europäischen TV-Gruppe SBS Broadcasting über Kredite finanziert hatten. In den folgenden Jahren gelang es Ebeling, die Schuldenlast deutlich zu verringern, nicht zuletzt durch Verkäufe etwa der TV-Unternehmen in Belgien und den Niederlanden sowie in Nordeuropa. Außerdem richtete Ebeling die Mediengruppe auf Wachstumsfelder aus (Online, Entertainment, E-Commerce), was Umsatz und Profitabilität deutlich ansteigen ließ. Der Aktienkurs vervielfachte sich in der Folge und erreichte im November 2015 den Höchststand von 50,70 Euro.

Im Zeichen der Neuausrichtung

Den hohen Anstieg des Aktienkurses nutzten ab Sommer 2013 KKR und Permira, um schrittweise bei der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe auszusteigen. Ab Ende 2015 ging dann der Aktienkurs des Konzerns auf Talfahrt. Später musste Ebeling Prognosen zum Umsatzwachstum nach unten korrigieren, vor allem wegen des schwächelnden TV-Werbegeschäfts. Der Manager geriet verstärkt unter Druck und kündigte dann einen Umbau der Firmengruppe an, durch den es dort seit Januar 2018 nur noch die drei Bereiche ‘Entertainment’, ‘Content Production’ und ‘Commerce’ gibt („Drei-Säulen-Strategie“). Durch diese strukturellen Änderungen sollen bis 2019/20 netto insgesamt 50 Mio Euro eingespart werden.

Dass sich Ebeling im November 2017 despektierlich über die Zuschauer seiner Sendergruppe geäußert hatte, führte dazu, dass Pro Sieben Sat 1 kurz darauf den vorzeitigen Abgang des Vorstandschefs bekannt gab. Nach dieser Ankündigung stieg der Kurs der Pro-Sieben-Sat-1-Aktie, der im November 2017 auf 25 Euro gefallen war, auf knapp 33 Euro. Inzwischen ist der Kurs wieder gesunken. Der Grund: Die Pro-Sieben-Sat-1-Aktie wird ab dem 19. März nicht mehr im DAX, dem Leitindex der deutschen Börse, gelistet sein. Den Platz im DAX, in den Pro Sieben Sat 1 im März 2016 aufgenommen wurde, verliert der Konzern wegen des Kursrückgangs der Aktie. Künftig ist Pro Sieben Sat 1 wieder im MDax gelistet, dem Segment für mittelgroße Firmen.

Für Conrad Albert, den nun kommissarischen Vorstandschef, steht das Jahr 2018 „bei Pro Sieben Sat 1 im Zeichen der Neuausrichtung“. Der Konzern erwartet ein Umsatzwachstum, das im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich liegt. Der Gewinn im operativen Geschäft soll weiter zulegen. Abzuwarten bleibt, wie sich die TV-Werbeerlöse entwickeln; hierzu gab es seitens des Unternehmens keine Prognose. Große Bedeutung misst Pro Sieben Sat 1 den Geschäften seiner ‘Commerce’-Sparte bei, die seit Anfang 2018 den Namen Nucom Group (NCG) hat. Unter dem Dach von NCG sind beispielsweise die Firmen Verivox, Parship, Mydays, billiger-mietwagen.de und moebel.de zusammengefasst. Eine Beteiligung von 25,1 Prozent an NCG hat Pro Sieben Sat 1 nun dem US-Finanzinvestor General Atlantic verkauft. Dafür erhielt Pro Sieben Sat 1 Presseberichten zufolge rund 300 Mio Euro.

30.03.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 13/2018

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