DAB-plus-Pilotversuch in Nordrhein-Westfalen mit Domradio wird fortgesetzt

31.12.2015 •

In Nordrhein-Westfalen ist der DAB-plus-Pilotversuch zur Verbreitung von kommerziellen Programmen verlängert worden. Die Medienkommission der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) beschloss in ihrer Sitzung am 11. Dezember in Düsseldorf, den Test auf ein weiteres Jahr bis zum 31. Dezember 2016 auszudehnen. Das bedeutet, dass das Domradio, das vom Bildungswerk der Erzdiözese Köln veranstaltet wird, weiter über DAB plus auf Sendung bleiben kann. Das Domradio ist das einzige Programm, das im Rahmen des von der LfM im Jahr 2012 gestarteten Pilotversuchs derzeit digital-terrestrisch ausgestrahlt wird. Die Medienanstalt hatte den Test im Jahr 2014 zum ersten Mal verlängert, und zwar bis Ende 2015.

Die LfM hatte den Pilotversuch im Frühjahr 2012 auf den Weg gebracht, nachdem sie auf dem DAB-plus-Multiplex, der vom WDR technisch betrieben wird, fünf Übertragungskanäle zur Vergabe erhalten hatte. Über diesen landesweiten Multiplex verbreitet auch der WDR seine Programme digital-terrestrisch. Im November 2012 hatten von der LfM das Domradio und Radio Impala je einen eigenen Übertragungskanal erhalten. Eine gemeinsame Sendefrequenz war an Mega Radio und das geplante Programm Kulturschocker gegangen. Zwei Kanäle waren damals bereits frei geblieben.

Das Domradio, das im Jahr 2000 an Pfingsten seinen Sendebetrieb aufnahm, ist seit April 2013 in Nordrhein-Westfalen auch über DAB plus zu hören. Von Frühjahr 2013 bis Ende 2014 wurde in dem Bundesland Radio Impala ebenfalls digital-terrestrisch verbreitet. Das in Berlin ansässige Programm – das zu einem großen Teil auch deutschsprachige Wortsendungen des vom russischen Staat finanzierten früheren Auslandssenders „Stimme Russlands“ übernahm – stellte vor einem Jahr seinen Betrieb ein. Grund für das Aus war, dass der Sender „Stimme Russlands“ – der entscheidende Kooperationspartner von Radio Impala – umgebaut wurde.

Mega Radio und Kulturschocker sind bis heute nicht auf Sendung gegangen. Im Januar dieses Jahres wurde Mega Radio von der LfM ein eigenständiger DAB-plus-Übertragungskanal zugewiesen. Von der Medienanstalt erhielt Mega Radio damals ferner die Genehmigung, in seinem Programm für Nordrhein-Westfalen auch deutschsprachige Inhalte des russischen Auslandssenders Radio SNA auszustrahlen. Betrieben wird Radio SNA (Sputnik News Agency) von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Rossija Segodnja. Radio SNA ist unter anderem aus dem Sender „Stimme Russlands“ hervorgegangen.

Keine Entscheidung über Regelbetrieb

Im August und September 2015 hatte die LfM abgefragt, inwieweit es Interesse von kommerziellen Radiosendern und Unternehmen gebe, DAB plus in Nordrhein-Westfalen im Regelbetrieb zu nutzen (vgl. MK-Meldung). Hörfunkstationen, die die Verbreitung eines landesweiten, regionalen oder lokalen Programms auf DAB plus in Betracht zogen, konnten sich bei der Medienanstalt in Düsseldorf melden. Laut LfM haben sich insgesamt 22 Radioveranstalter, Verbände und Firmen an einer Programmverbreitung via DAB plus interessiert gezeigt. Die meisten Interessenten bevorzugen demnach die landesweite bzw. regionale Programmverbreitung; die lokale Verbreitung ist kaum nachgefragt worden.

Ob es künftig einen Regelbetrieb von DAB plus für private Radioprogramme in Nordrhein-Westfalen geben wird, bleibt nun dadurch zunächst weiter offen, dass die LfM den Pilotversuch erneut verlängert hat. Ein Regelbetrieb von DAB plus ließe sich – Option 1 – über einen eigenständigen Multiplex abwickeln, der dann ausschließlich eine landesweite Programmverbreitung ermöglicht. Dann blieben Unternehmen mit Interesse an regionalen Programmen außen vor, genauso wie der NRW-Lokalfunk, der bisher kein Konzept für eine DAB-plus-Programmverbreitung ausgearbeitet hat.

Die digital-terrestrische Ausstrahlung von privaten Programmen könnte indes auch – Option 2 – über mehrere regionale Multiplexe innerhalb von Nordrhein-Westfalen abgewickelt werden. So ließen sich Interessenten für regionale Programmangebote einbinden. Eine landesweite Verbreitung ließe sich dadurch ermöglichen, dass ein Sender dann über alle regionale Multiplexe verbreitet würde. Eine Ausstrahlung sämtlicher heute über UKW sendenden 44 Lokalradiostationen über DAB plus dürfte sich dabei aber wahrscheinlich kaum realisieren lassen. Für welche der beiden Optionen die LfM plädieren wird, wird im Lauf des Jahres 2016 feststehen. Für ihre Entscheidung habe die nordrhein-westfälische Landesmedienanstalt nun noch einmal, wie ein Sprecher gegenüber der MK erklärte, Kontakt mit den an DAB plus interessierten Sendern und Unternehmen aufgenommen.

31.12.2015 – MK

` `