Valerie Weber // WDR

12.12.2021 •

Valerie Weber, beim WDR Programmdirektorin NRW, Wissen, Kultur, verlässt den Sender. Weber habe, wie der WDR am 1. Dezember mitteilte, um Aufhebung ihres Vertrages gebeten. „Mit der Übergabe des ARD-Vorsitzes vom WDR an den RBB zum Jahreswechsel geht für mich eine äußerst spannende Aufgabe als Mitglied der ARD-Geschäftsführung zu Ende“, wird die 55-Jährige in der Mitteilung zitiert. Weber weiter: „Außerdem ist WDR-intern mit der multimedialen Zusammenführung aller Fachredaktionen sowie der strukturellen und personellen Neuaufstellung der Hörfunkflotte ab 2022 auch ein wichtiger Meilenstein im digitalen Umbau des WDR erreicht.“ In seiner Mitteilung verweist der WDR auch darauf, dass WDR 2 inzwischen das meistgehörte Radioprogramm in Deutschland sei und dass WDR 4 und die Jugendwelle 1Live ebenso zu den zehn erfolgreichsten Radiosendern gehörten.

WDR-Intendant Tom Buhrow dankte Valerie Weber für „ihre wertvollen Impulse und kreativen Ideen“. Mit ihr verliere der WDR eine „Visionärin für den Public Value des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, eine Kämpferin für agile und neue Strukturen und eine empathische Programm-Managerin, die immer das Publikum im Blick hat“. Intendant Buhrow hatte Weber als Hörfunkdirektorin zum dem öffentlich-rechtlichen Sender geholt; sie arbeitete zuvor ausschließlich im Privatradio, zuletzt ab 2004 als Geschäftsführerin und Programmdirektorin des in München ansässigen Privatsenders Antenne Bayern.

Anfang Mai 2014 übernahm Weber dann die Leitung der WDR-Hörfunkdirektion. Buhrows Personalvorschlag hatte im November 2013 der WDR-Rundfunkrat zugestimmt. Seinerzeit stieß es in der Öffentlichkeit und in Teilen der Belegschaft auf deutliche Kritik, dass eine Privatradio-Vertreterin in ein solches Spitzenamt beim öffentlich-rechtlichen Hörfunk gewählt wurde (vgl. FK-Artikel). Im Jahr 2018 wurde Valerie Weber vom WDR-Rundfunkrat für eine zweite fünfjährige Amtsperiode wiedergewählt, die Anfang Mai 2019 begann und noch bis Ende April 2024 gelaufen wäre. Im Zuge eines strukturellen Umbaus der beiden WDR-Programmdirektionen (Fernsehen und Hörfunk) wurde Weber 2019 Programmdirektorin NRW, Wissen und Kultur.

Es wird vermutet, dass Weber den WDR nun verlässt, weil sie ein attraktives Angebot aus der Privatwirtschaft erhalten und angenommen hat. Möglicherweise zieht es sie in den Großraum München zurück, wo sie von 2004 bis 2010 bei Antenne Bayern gearbeitet hat. Weber, die in München geboren wurde, wie auch der WDR äußerten sich nicht zu den konkreten Gründen für ihren Abschied von der Rundfunkanstalt. Weber hatte auch Ambitionen, beim Bayerischen Rundfunk (BR) Intendantin zu werden (im Oktober 2020 wurde dann Katja Wildermuth vom Mitteldeutschen Rundfunk zur BR-Intendantin gewählt). Wen WDR-Intendant Buhrow zum neuen Programmdirektor NRW, Wissen und Kultur machen und somit zur Wahl durch den Rundfunkrat vorschlagen will, ist bisher noch nicht bekannt.

Valerie Weber, die ihren Wechsel vom Privatfunk zum WDR im Jahr 2014 nun im Rückblick als Wagnis, aber auch als „ein klares Aufbruchsignal angesichts der notwendigen internen Veränderungen“ beschreibt, setzte mehrere Reformen im Hörfunkbereich bei der Sendeanstalt um. Dabei seien, erklärte sie, „massiver Einspardruck“ und die „Herausforderungen des digitalen Wandels“ zu bewältigen gewesen. Eine ihrer Maximen war, wie sie im Mai 2021 sagte, „gerade im Bereich der Kultur pushy zu sein“, also im Digitalen die Push-Plattformen und Push-Inhalte zu nutzen, um mit kulturellen Angeboten die Menschen zu erreichen (vgl. diese MK-Dokumentation). Ihre Reformen – vor allem bei WDR 3 und WDR 5, durch die bestimmte Kultur- und Informationsformate gestrichen, gekürzt oder in Randzeiten verschoben wurden – lösten auch deutliche Proteste aus, etwa bei Schriftstellern, Literaturkritikern und Kulturinteressierten, die die Reformen als Programmverflachung kritisierten (vgl. diese MK-Dokumentation, diese MK-Meldung und diesen MK-Artikel).

12.12.2021 – MK

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