Eine innige Verbindung zum Fernsehen: Mit „Jauch“-Wein eine Jauch-Sendung schauen

04.04.2018 • Wenn es ein schöner Fernsehabend werden soll, darf eine Flasche guten Weines nicht fehlen. Umgekehrt ist es seltener der Fall: dass man eine Flasche Wein im Keller hat, die auf ein bestimmtes Fernsehereignis wartet. Nun kann man dank eines großen Lebensmittelsortimenters endlich beides derart miteinander kombinieren, brachte das Unternehmen doch am 10. März zwei Sorten Wein auf den Markt, die sich innig mit einer Fernsehsendung verbinden. Gemeint ist selbstverständlich kein blutroter „Tatort“-Lambrusco und auch nicht ein fast farbloser „Lanz“-Silvaner, sondern es geht natürlich um zwei Weinsorten, die den Namen des Mannes tragen, der in Deutschland wie kein zweiter TV-Prominenz und Weinkeller miteinander kombiniert hat: Günther Jauch.

Er gilt seit dem Moment als Weinkenner, als er im Jahr 2010 mit seiner Frau Thea das Weingut von Othegraven an der Saar übernahm, das zuvor Verwandten des Quizmasters gehörte. Die dort erzeugten trockenen Rieslingweine gehören zum Besten der Region und sind deshalb auch nicht gerade preiswert. Damit war klar, dass die Jauch-Weine des Sortimenters auf keinen Fall vom Jauchschen Weingut stammen, zumal ja eine der beiden angebotenen Sorten für 5,99 Euro ein Rotwein ist, den man an der Saar gar nicht herstellt.

Was nun in den Flaschen steckt, verrät auch das Etikett nicht, das auf jede Angabe zu Rebsorte und Lage verzichtet. Stattdessen wird auf der Flaschenrückseite angegeben, dass der Wein den Qualitätsansprüchen von Günther Jauch genüge. Des Weiteren finden sich dort Hinweise auf die empfohlene Trinktemperatur, möglich Speisen, zu denen sich der jeweilige Wein eignet, und auf den (geringen) Alkoholgehalt von 11 Prozent beim Weißwein und 11,5 Prozent beim Rotwein. Die Weine eingekauft und abgefüllt hat ein Großbetrieb der Branche.

Die Sendung, die es zu diesen beiden Weinen anzuschauen galt, war selbstverständlich „Wer wird Millionär?“ (RTL), und zwar die Ausgabe vom 26. März (Montag). Noch ehe Günther Jauch seine Gäste begrüßt hatte, war die Weißweinflasche dank des Schraubverschlusses ratzfatz geöffnet. Im Glas erschien eine hellgelbe Flüssigkeit, die nicht unangenehm roch, aber auch keine Fruchtassoziationen aufkommen ließ, wie sie Weinkritikern gerne von den Lippen perlen. Auch der erste Geschmackseindruck auf der Zunge war nicht unangenehm. Hier reizte nichts noch pelzte etwas. Stattdessen wirkte der Weißwein erfrischend leicht. Ein Wein für den Hochsommer, aber weniger für einen späten Märztag, der noch nicht an Frühling erinnerte.

Zur Sendung passte das aber, denn Jauch war an dem Tag, als sie aufgezeichnet wurde, gut drauf. Seine Verzweiflung über einen jungen Kandidaten, der ein einfaches Wortspiel um Smartphone-Technik nicht verstand, spielte er ebenso souverän wie sein Mitgefühl mit einer etwas älteren Kandidatin, die zwei Begriffe eher in der Medizin als – wie es richtig gewesen wäre – in der Gartenbautechnik verortet hatte. Dass Jauch zu Beginn verriet, dass er „Vertigo“, den wohl wichtigsten Film von Alfred Hitchcock, nicht kennt, war ein bildungsbürgerlicher Lapsus, der ihm auf dem Feld der Önologie nicht unterlaufen wäre.

Als das Quiz dann so eher vor sich hinplätscherte, zudem die zweite Werbepause überlang erschien, war das Anlass genug, die Sorte zu wechseln. Im neuen Glas atmete jetzt der Rotwein namens „Günther Jauch“. Auch er roch nicht unangenehm, was vielleicht daran lag, dass er fast gar kein Geruchsaroma freisetzte. Auf der Zunge war er mild, fast lieblich, als wollte der Mann, der ihn zusammenmischte, jeden Anklang an robuste Rotweine, wie man sie aus Deutschland kennt, vermeiden. So aber verlor der Jauchsche Rote deutlich an Substanz, er schmeckte nicht fade, aber uninteressant. In der Sendung wurde es jetzt spannend, weil im Kampf um die Million eine junge Frau antrat, die im Internet einen Modeblog betreibt. Als sie den Namen dieses Blogs ein zweites Mal nannte, kritisierte das der Moderator sanft mit dem Hinweis, billiger als sie gerade hier komme man ja nicht an eine Fernsehwerbung für die eigene Sache. Das löste automatisch den Griff zum Rotweinglas aus, in dem nun der fast liebliche „Jauch“ durch den Sauerstoff etwas an Bukett gewonnen hatte.

Doch damit nicht genug: Günther Jauch befragte jetzt die Kandidatin kritisch, ob sie sich für die Produkte, die sie da in ihrem Blog empfehle, von den Herstellern auch bezahlen lasse? Das ließ einen den Schluck Rotwein, der gerade im Mundraum hin- und herwiegte, vor Schreck glatt herunterstürzen, wie man es doch mit einem Riesling von von Othegraven nie täte. Wollte Jauch damit andeuten, dass er die Namensgebung für die beiden Weinsorten, die hier gerade parallel zu seiner Sendung verkostet wurden und zuvor an der Sortimenter-Kasse ordentlich bezahlt worden waren, gleichsam ohne Bezahlung hatte vonstatten gehen lassen, dass er es nur der Ehre und des Ruhmes für eine deutsche Cuvée halber getan hatte? Denn leisten könnte sich das Günther Jauch ohne Zweifel, ist er doch der einzige, der die Frage seiner Sendung stante pede beantworten könnte, indem er nur an seinen Vertrag mit dem Hause Bertelsmann dächte, dem das Unternehmen RTL gehört.

Nach dem Hustenanfall, den der fast liebliche Rotwein beim Herunterschlucken verursachte, löste sich die nun wirklich anmaßende Vorstellung, dass irgendjemand, und sei es Günther Jauch, ausgerechnet diesem Sortimenter, der mit dem Cent heute so feilscht wie einst mit dem Pfennig, etwas für umsonst überließe und sei es der Name, in Luft auf. Günther Jauch gab sich dann in der Quizsendung zufrieden, als die Kandidatin erklärte, dass sie nur Produkte in ihrem Blog empfehle, die sie selbst wirklich gut finde. Denn das wird Jauch sicher auch über die beiden neuen „Jauch“-Weine sagen, auch wenn er vermutlich lieber ein Großes Gewächs aus dem Hause von Othegraven tränke. Na denn: Prost!

04.04.2018 – Dietrich Leder/MK

Print-Ausgabe 16/2018

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