Abschied in drei Akten: Servus TV sagt Deutschland ade

05.08.2016 •

Nun also doch. Servus TV wird zum Jahresende 2016 seine Ausstrahlung in Deutschland beenden und sich auf den heimatlichen österreichischen Markt konzentrieren. Der Privatsender, der zum Imperiums des Brauseherstellers Dietrich Mateschitz („Red Bull“) gehört, ist seit etwas mehr als sechs Jahren auch in deutschen Kabelhaushalten präsent und wurde in Berlin zeitweise sogar terrestrisch via DVB-T verbreitet.

Als einer der wenigen Privatsender mit einem umfassenden Programm, zu dem Spielfilme, Serien, Sport und Dokumentationen gehören, wird Servus TV in den Kabelnetzen auch gratis in HD-Qualität verbreitet. Die anderen Privatsender wie etwa die der RTL-Gruppe oder des Pro-Sieben-Sat-1-Konzerns verlangen für diese Bildqualität eine Monatszahlung, die in diesem Fall überraschenderweise vom Feuilleton der „FAZ“ nicht als Zwangsgebühr gegeißelt wird. Für den HD-Kabelempfang war man als Zuschauer, der Servus TV einschaltete, insofern dankbar, als das Programm dann doch eine besondere Qualität besaß und man dafür keine Extragebühr zahlen musste. Hier konnte man tatsächlich gute Spielfilme wie in dieser Woche etwa „Moonrise Kingdom“ von Wes Anderson zu einer annehmbaren Zeit in HD sehen, was sonst nur bei den öffentlich-rechtlichen Kultursendern 3sat und Arte möglich ist.

Der Abschied von Servus TV hatte sich schon in diesem Frühjahr angedeutet, als der Sender auf die Übertragungsrechte an der deutschen Eishockey-Bundesliga verzichtete, die für viele Zuschauer hierzulande die größte Attraktion des Programms darstellte. Mit dem wöchentlich gezeigten Live-Spiel erreichte Servus TV denn auch stets mehr als den Durchschnittswert von 0,25 Prozent aller Zuschauer. Die Werbewirtschaft, die den Sender lange Zeit ignoriert hatte, so dass man in den Werbepausen nur Autopromotion-Spots und Reklame für das Ferienland Österreich sah, hatte in den letzten Monaten verstärkt die Werbeinseln genutzt. Aber das reichte angesichts der weiterhin niedrigen Zuschauerzahlen in Deutschland nicht, die hohen Defizite abzubauen. Es ist halt sehr teuer, einen Fernsehsender zu betreiben, wenn man nicht auf einer Halde von Programm sitzt, die man abbauen und versenden kann. So erklären sich ja die vielen neuen Sender, die in letzter Zeit als Beiboote von RTL, Sat 1, Pro Sieben oder Kabel 1 gegründet wurden und die Rechte beispielsweise an alten Serien ohne große Kosten weiterverwerten.

Der Abschied von Servus TV geschah absurderweise in drei Akten. Zunächst hatte Besitzer Mateschitz Anfang Mai im ersten Akt verkündet, er werde den Sender ganz einstellen. Offiziell gab er die hohen Verluste als Grund dafür an. Kurz darauf erfuhr man, dass sich der Brausemagnat über das Ansinnen seiner Mitarbeiter geärgert hatte, im Sender eine Art Betriebsrat gründen zu wollen. Sein Ansinnen war also nichts als eine autokratische Geste, mit der ein demokratisches Recht außer Kraft gesetzt werden sollte. Das bestätigte sich kurz darauf, als Mateschitz im zweiten Akt seine Ankündigung zurücknahm, nachdem die Mitarbeiter devot auf ihr Recht verzichtet hatten. Man schien sich wieder zu vertragen. Doch nun erfolgt im dritten Akt der Rückzug aus Deutschland. Und übrigens auch aus der Schweiz. Ade, Servus TV! In Österreich, wo der Sender einen Marktanteil von 1,7 Prozent erreicht, soll er fortbestehen. Sagt Mateschitz. Den vierten Akt werden wir in Deutschland nicht mehr erleben... Um das Programm von Servus TV ist es schade, an seine Stelle im deutschen Kabel wird vermutlich ein weiterer Teleshoppingsender treten.

05.08.2016 – Dietrich Leder/MK

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