Wird HR 2 Kultur seiner Identität beraubt?

21.08.2019 •

Der Hessische Rundfunk (HR) zeichnet sich innerhalb der ARD durch zweierlei ganz besonders aus. Zum einen kommen im Fernsehbereich vom HR für den Mittwochsendeplatz („Der Film-Mittwoch im Ersten“) und für die „Tatort“-Reihe der ARD mit großer Regelmäßigkeit hervorragende Filme, hergestellt von der eigenen (!) Produktionsabteilung des Senders. Zum anderen betreibt der Hessische Rundfunk im Hörfunkbereich mit dem Programm HR 2 Kultur eine qualitativ hochwertige und von der Hörerschaft sehr geschätzte Kulturwelle, die auf genuine Weise für das steht, was öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausmacht. Doch nun ist für HR 2 Kultur Gefahr in Verzug.

Wie mehrere Medien berichten, plant die Führung des HR einen fundamentalen Umbau des Kulturprogramms. So schrieb am 16. Juli die „FAZ“, es gebe Pläne, „denen zufolge aus HR 2 Kultur eine reine Hörfunkwelle für klassische Musik, also HR-Klassik, werden soll, während die Kulturberichterstattung aus Hessen und deren kritische Einordnung vor allem zum Nachrichtenkanal HR-Info und auf hessenschau.de, die Internetplattform des Senders, abwandert“. Der Grund für die avisierten Änderungen sei, dass das Programm zu wenig Hörer habe. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AGMA) erreicht HR 2 Kultur täglich rund 100.000 Hörer. Das entspreche „knapp eineinhalb Prozent der hessischen Bevölkerung“, erläutert die FAZ.

Im Kern geht es offenbar darum, den Wortanteil von HR 2 Kultur zu reduzieren. Das Programm soll, so der Zeitplan, von April 2020 an als Klassikprogramm fortgeführt werden und dann insbesondere auch mit Musik des HR-Sinfonieorchesters und der HR-Bigband bestückt werden. Mit weniger Wortanteil, also weniger Sendungen, die recherchierte Beiträge und Hintergrundberichte erfordern, die kostenintensiver sind, würde der Sender also Geld einsparen. Dies scheint das Hauptmotiv für die geplante, identitätsberaubende Umwälzung von HR 2 Kultur zu sein. HR-Intendant Manfred Krupp hatte die finanzielle Situation der Rundfunkanstalt jüngst als „dramatisch“ bezeichnet, als der HR Ende Juni seinen Jahresabschluss 2018 vorlegte: Das Geschäftsjahr schloss der Sender, wie er mitteilte, mit einem Gesamtfehlbetrag in Höhe von 76,5 Mio Euro ab. Dabei sei allerdings das Ergebnis um 16,2 Mio Euro besser ausgefallen als geplant.

Außerdem sagte Krupp anlässlich der Veröffentlichung des Jahresabschlusses, der HR müsse künftig „die veränderten Nutzungsbedürfnisse der Menschen aufgreifen. Die Menschen fragen unsere Angebote immer stärker im Netz ab – der Erfolg von hessenschau.de zeigt dies eindrucksvoll. Wir stehen vor der großen Herausforderung, Innovationen in dieser sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage zu priorisieren.“ Daraus lässt sich schließen, dass hier der Grund liegt, Wortbeiträge ins Internet zu verlagern, andere sagen: abzuschieben. Am 23. August (Freitag) kommt der HR-Rundfunkrat in Frankfurt zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Dann wird das Thema HR 2 Kultur auf der Tagesordnung stehen. Noch ist nichts entschieden. Fest steht: Der Rundfunkrat wird sich in den nächsten Wochen und Monaten Gedanken machen müssen, ob der HR sich ab Frühjahr 2020 vielleicht nur noch durch eine Besonderheit innerhalb der ARD auszeichnen wird.

21.08.2019 – da/MK