Oliver Maria Schmitt/Hans Zippert: The winner is… Das Sonderpreisdebakel (SWR 2)

Eine Zumutung

16.11.2018 • Dieser Tage fanden in Karlsruhe im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) und in der Staatlichen Hochschule für Gestaltung (HfG) die 15. ARD-Hörspieltage statt (7. bis 11. November), das „bedeutendste Publikums- und Branchentreffen in Sachen öffentlich-rechtliches Hörspiel und Radiokunst“, wie es offiziell dazu heißt.

Man stelle sich dabei für einen Augenblick vor, der Satiriker Hans Zippert, bekannt für gelegentlich hellsichtige Glossen in der „Welt“ und „Welt am Sonntag“, und Co-Satiriker Oliver Maria Schmitt, studierter Tübinger Rhetoriker, Stifter des Literaturmagazins „Unser Huhn“ und zeitweilig Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ (für das auch Zippert mal schrieb) hätten ihre Autorenproduktion „The winner is… Das Sonderpreisdebakel“ zunächst (und natürlich anonymisiert) für den im Rahmen der Karlsruher Hörspieltage ausgerichteten Wettbewerb „ARD PiNball“ eingereicht, bei dem traditionell das beste Kurzhörspiel prämiert wird, das „unabhängig produziert“ wurde. Die öffentlich-rechtlichen Auslober des „PiNball“-Preises erläutern hierzu: „‘Unabhängig’ meint in diesem Zusammenhang, dass die Einreichung außerhalb einer Rundfunkanstalt produziert worden ist. Die Einreichungen dürfen zudem noch nicht vor einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt gesendet worden sein.“

Die traditionell hochkarätig besetzte Jury mit Dramaturgen und Redakteuren von ARD, Deutschlandradio, Österreichischem Rundfunk (ORF) und des Schweizer Rundfunks SRF sowie Mitarbeitern des Zentrums für Kunst und Medien und der Hochschule für Gestaltung hätte demnach im anonymisierten ‘Blindhören’ zu entscheiden gehabt, ob die Produktion unserer beiden Spaßvögel eine Runde weiter kommt oder gar für die Endrunde hätte nominiert werden können. Zur Ehrenrettung des freien und ungebundenen Hörspiels – aber auch der Radiosatire ganz allgemein – steht (dankend) zu vermuten, dass eine solche Einreichung im Vorfeld der ARD-Hörspieltage krachend gescheitert wäre. Denn der vorgestellte Medienulk der Herren Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert spottet mit seinen äußerst schwachen und linkischen Dialogen und in der akustischen Durchführung wohl am privaten Mischpult jeder Beschreibung. Was da aus den Lautsprechern gurgelte, entbehrte jeder Komik, weil offensichtlich keinerlei qualitative Selbstverpflichtung in Sachen Witz und Charme auszumachen war. Es wurde geblödelt und das auf einem erschreckend flachen Niveau.

Aber was wurde dem Hörer in den 44 Hörminuten zugemutet, um was ging es? Schmitt und Zippert sitzen in der Jury des Kulturvereins Sondermann (der vergibt tatsächlich oder angeblich den „Oscar der Komischen Kunst“). Beide wissen um die Vergabekriterien von Preisen und Modalitäten im allgemeinen Kunstbetrieb des Hörspiels, sie wissen, welche Summen fließen müssen, damit das eigene Witzprodukt dann final wie gewünscht prämiert wird. Und wenn man bedenkt, dass die reale Radiokunst rund 40 Hörspielpreise zu vergeben hat, dann wird deutlich dass es da im Sinne einer (auch satirisch angelegten) Kulturkritik allerhand zu berichten und zu kritteln gäbe, ja, sogar über den renommierten Hörspielpreis der Kriegsblinden und seine Vergabemechanismen. Aber solches ficht die beiden Radiokomiker Schmitt und Zippert nicht an: Sie blödeln auf der gesamten dreiviertelstündigen Hörspielstrecke um die Wette, wobei auch Bernd Eilert (Autor für Otto Waalkes) etwas ulken darf. Wenn es in dem Stück so etwas wie einen bescheidenen akustischen Lichtblick überhaupt gab, dann war dies der musikalische Einschub von Hans Well mit seinem Titel „Well und seine Wellbappn“. Der Rest war eine Zumutung.

Dass dieses „Hörspiel“ nun ausgerechnet während der 15. ARD-Hörspieltage bei SWR 2 ausgestrahlt wurde, das gehört zu den ganz großen und unergründlichen Geheimnissen des Senders.

16.11.2018 – Christian Hörburger/MK

Print-Ausgabe 24/2018

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