Hubert Wiedfelds Stück „Der Sprung vom Trottoir“ ist Hörspiel des Monats Dezember 

05.01.2018 • Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das von Hubert Wiedfeld stammende Stück „Der Sprung vom Trottoir“ zum Hörspiel des Monats Dezember gewählt. Es handelt sich um ein zweiteiliges Hörspiel, unter der Regie von Alexander Schuhmacher produziert vom Hessischen Rundfunk (Dramaturgie und Redaktion: Peter Liermann). Der erste Teil mit dem Untertitel „Metropolitan Express Train/Leporello“ wurde am 27. Dezember 2017 im Programm HR 2 Kultur erstausgestrahlt, der zweite Teil mit dem Untertitel „Military Express Train/Leporello“ war dort am 3. Januar 2018 zu hören (jeweils ab 21.00 Uhr). Das Hörspiel hat eine Gesamtlänge von 158 Minuten (Teil 1: 73 Minuten, Teil 2: 85 Minuten). Mitwirkende Akteure in dem Stück sind unter anderem Sebastian Rudolph, Gerd Wameling, Thomas Thieme, Bettina Engelhardt und Sandra Borgmann.

Hubert Wiedfeld (1937 bis 2013) schrieb in seinem Leben über 30 Radiostücke, von denen mehrere mit Preisen ausgezeichnet wurden. Im Jahr 2011 war Wiedfeld, der auch einen Roman, zwei Theaterstücke und ein Drehbuch verfasste, für sein Lebenswerk mit dem Günter-Eich-Preis ausgezeichnet worden (vgl. FK 4/11). „Der Sprung vom Trottoir“ ist Wiedfelds letztes Hörspiel, er vollendete es noch zu seinen Lebzeiten komplett. Das außergewöhnliche und komplexe Stück zu produzieren, erforderte laut Auskunft von der HR-Hörspielabteilung eine besondere Anstrengung, die einige Zeit brauchte und wofür auch finanzielle Zusatzmittel nötig waren, die der Sender schließlich zur Verfügung stellen konnte. So führten die Umstände bei der Realisierung und Terminierung des Hörspiels dazu, dass es erst jetzt ausgestrahlt werden konnte. Zur Begründung ihrer Entscheidung, das Stück „Der Sprung vom Trottoir“ als Hörspiel des Monats auszuzeichnen, schreibt die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:

«Der „Sprung vom Trottoir“ ist Storyboard, ist Film im Film, denkt Visuelles aber akustisch und ist also ein Hörspiel, das einen vom ersten Moment an in seinen Bann zieht. Manchmal taumelnd und schlingernd treibt es dabei ein höchst ungewisses, changierendes Spiel. In 34 Bildern aufgegleist in die Spur eines Leporellos – der selbst eine wichtige Requisite des Stückes ist – rollt es fort und fort. Zahllos sind die Bezüge und Querverweise, die Spielereien mit Namen und Rollen, Begriffen, Zeit, Ort und Genres. Science Fiction, polit-ökonomische Staatsdystopie, Krimi, Kunstabhandlung, Love Story..? Ein „Rumgespinne“, heißt es, aus dem Ernst geworden sei.

Das literarische Verfahren des 2013 verstorbenen Hubert Wiedfeld erinnert an Robbe-Grillet, Magritte und den nouveau roman. Dabei bezieht sich Wiedfeld auf die erratisch-melancholischen Low-cut-Zeichnungen des Niederländers Marcel van Eeden, dessen Begeisterung für Eisenbahnen er teilt. Angetrieben wird dieser hardboiled railroad trip von einem in Klangfarbe und Rhythmus minutiös ausgearbeiteten Soundtrack, sensibel und eng am Text, gewoben aus einer großen Bandbreite musikalischer Stile. Regisseur Alexander Schuhmacher greift dabei auf seine ganz eigene Weise das Collageverfahren Wiedfelds auf und setzt auf einen abstrahierenden Raumklang.

Eines wird bei all dem schnell klar: Hier gibt es keinen roten Faden – aber eine Frau in einem roten Mantel. Diese Erkenntnis ist möglicherweise beruhigend. Durchaus im Sinne des Stückes wäre es auch, in Unsicherheit, in Angst, vielleicht in Wut, zumindest aber in Bewegung zu geraten. Und sollte am Ende doch jemand nicht verstehen, um was es hier geht, so wird er doch selten die Zeit so gerne mit Zuhören verbracht haben.»

05.01.2018 – da/MK

Print-Ausgabe 25-26/2017

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