Die Europa-Wahl prägt im ersten Halbjahr 2019 das Programm von Arte

08.03.2019 •

Die vom 23. bis 26. Mai stattfindende Europa-Wahl prägt im ersten Halbjahr 2019 das Programm von Arte. Das machten die Verantwortlichen des deutsch-französischen Senders am 16. Februar bei der Arte-Jahrespressekonferenz in der Kunsthalle Hamburg deutlich. Ein wesentlicher Teil des Wahlschwerpunkts ist das bei der Redaktion der Nachrichtensendung „Arte Journal“ angedockte Online-Magazin „Europa 2019“. Hier werden diverse Beiträge zum Thema aus dem linearen Fernsehen versammelt – etwa Reportagen aus der Reihe „Re:“ oder „Themenabend“-Dokumentationen mit Europa-Bezug. Hinzu kämen web-affine Formate, die eigens für das neue Online-Angebot produziert werden, sagte Carolin Ollivier, die Redaktionsleiterin des „Arte Journals“, in Hamburg. Das Online-Magazin „Europa 2019“ solle ein „jüngeres Publikum erreichen“, ergänzte sie.

Teil von „Europa 2019“ ist auch das tägliche Format „Europa to go“, das bereits am 4. Februar startete. Die „fünf wichtigsten Nachrichten des Tages“ würden hier in einem „lockeren Ton“ präsentiert, so Ollivier. Die etwas weniger als vier Minuten langen „To-go“-Beiträge arbeiten mit Grafik- und Soundeffekten und erinnern an das ARD-Format „#kurzerklärt“, das etwa im „Morgenmagazin“ und „Nachtmagazin“ zu sehen ist. Die „To-go“-Moderatorinnen Anja Maiwald und Loreline Merelle seien „zwei neue junge Gesichter, die aus der Generation YouTube und Facebook kommen“, sagte Ollivier. Maiwald beendete eine Meldung zu den von der ungarischen Regierung geplanten Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit kürzlich mit den Worten: „Aus die Maus für die unabhängige Forschung.“

Programm-Event „24h Europe“

Für den Wahlmonat Mai plant Arte mehrere Themenabende mit europäischem Bezug. Zu den angekündigten Filmen gehört die vom MDR zugelieferte Produktion „Die Macht des Geldes. Wer bezahlt Europa?“. Außerdem sendet das Magazin „Re:“ ab dem 26. April an fünf Freitagen jeweils wahlbezogene Reportagen. Und die von Arte France verantworteten Magazine „Square“ und „Vox Pop“ planen drei bzw. fünf Sonderausgaben zur Wahl.

Das aufmerksamkeitsökonomisch stärkste Programmprojekt mit Wahlbezug ist „24h Europe – The next Generation“, das am 4. Mai um 6.00 Uhr startet und tags darauf um ebenfalls 6.00 Uhr endet. Es ist nach „24h Berlin – Ein Tag im Leben“ (Arte/RBB 2009), „24h Jerusalem“ (Arte/BR 2014) und „24h Bayern – Ein Tag Heimat“ (BR Fernsehen 2017) das vierte Projekt dieser Art, das die Berliner Produktionsfirma Zero One entwickelt hat (vgl. hierzu FK-Hefte Nr. 38-39/09 und 16/14). Für die neue Produktion waren 45 Teams in 26 Ländern im Einsatz. Die Protagonisten der Echtzeit-Dokumentation sind zwischen 18 und 30 Jahren alt. „Erschreckend viele“ stünden der europäischen Idee gleichgültig gegenüber“, sagte Produzent Thomas Kufus in Hamburg. Im Unterschied zu den Vorgängerprojekten habe Zero One dieses Mal die Zahl der Protagonisten reduziert, ergänzte Kufus gegenüber der MK. Bisher habe man auf 80 bis 100 Protagonisten zurückgegriffen, diesmal auf 60. Die Produzenten hätten die Gefahr reduzieren wollen, dass der Film einen „Potpourri-Charakter“ bekomme, sagte Kufus: „Wir haben mehr Wert darauf gelegt, einen Kosmos um die Protagonisten herumzubauen.“

Task Force für Innovationen

Generell müsse sich das Fernsehen heute mit „Event-Programmierungen“ dieser Art „deutlicher bemerkbar machen, um nicht unterzugehen“, so Kufus weiter. „24h Europe“ wird zwei Monate lang in sechs verschiedenen Sprachen in der Arte-Mediathek abrufbar sein. Neben Arte sind an der internationalen Koproduktion unter anderem der BR, der RBB und der SWR beteiligt. Die redaktionelle Projektleitung liegt bei Martina Zöllner, der Leiterin des Programmbereichs ‘Doku und Fiktion’ beim RBB, die Projektregie hat Britt Beyer.

Im vergangenen Jahr blieb der Marktanteil von Arte in Deutschland auf dem Niveau des Vorjahres: Der Sender kam auf 1,1 Prozent. Der Arte-Vorsitzende Peter Boudgoust (SWR-Intendant) betonte in diesem Zusammenhang in Hamburg, dass die Konkurrenz 2018 wegen internationaler Sportereignisse (Olympische Winterspiele, Fußball-WM) groß gewesen sei. Erfreulicher fiel für den Sender die Bilanz bei den Online-Abrufen aus: 55,3 Mio Videoabrufe pro Monat verzeichnete Arte im Schnitt – ein Zuwachs von knapp 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als einen der Höhepunkte bei der Online-Verbreitung erwähnte Boudgoust den von Arte France zugelieferten Dokumentarfilm „Starbucks ungefiltert“, der auf 2 Mio Aufrufe im Netz kam. Der 95-minütige Film über den US-amerikanischen Kaffeekonzern lief am 28. August 2018 um 22.15 Uhr im linearen Arte-Programm (inzwischen ist er nicht mehr in der Mediathek abrufbar). Arte wolle seine „Verbreitungswege weiter verbessern“, sagte Boudgoust. Unter anderem deshalb habe man eine „Task Force für Innovationen“ gegründet.

08.03.2019 – René Martens/MK