Demut, Anstand, Menschlichkeit: Dankesrede von ZDF-Moderatorin Dunja Hayali bei der Verleihung der Goldenen Kamera 2016

10.02.2016 •

«Ich möchte mich wirklich sehr bei der Jury bedanken. Ich freue mich tierisch über diesen Preis und werde ihn als das sehen, was mir kürzlich ein Zuschauer geschrieben hat: als Anerkennung für Geleistetes, aber vor allen Dingen auch als Verpflichtung für Kommendes. Ich würde den Preis allerdings tatsächlich auch sofort zurückgeben, wenn die Situation dafür in Deutschland und vor allen Dingen anderswo eine andere ist. Aber die Situation ist, wie sie ist, und genau diesen Ist-Zustand aufzuzeigen, das ist unser Job als Journalist. Und den machen wir im „Morgenmagazin“, aber auch im „Donnerstalk“ ziemlich gut. Und deswegen geht mein zweiter Dank an meine gesamte Redaktion, an das ganze geile Team vom „Morgenmagazin“ vor und hinter der Kamera und vor allen Dingen auch – und das will ich auch deutlich sagen – an meinen Chef, Thomas Fuhrmann, der mich oft einfach machen lässt – das ist, glaube ich, nicht so einfach – und der mir vertraut. Und das ist irrsinnig wichtig in unserem Job.

Und dann möchte ich mich bedanken bei fünf Freunden und meinem Hund: bei Liz Miebach, bei Susanne Matthiessen, bei Mitri Sirin, bei Axel und Inoka Gutschmied, einfach weil ihr immer für mich da seid, weil ihr mir vor allem in den letzten Wochen und Monaten so viel Rückhalt gegeben habt und mich be- und gestärkt habt. Und auch ihr habt mich immer wieder gefragt: „Warum tust du dir das mit dem Hass in den sozialen Medien, aber auch in den Leserbriefen an?“ Erstens gibt’s auch schöne Dinge da zu lesen. Aber ich setze einfach wirklich immer noch auf den – naiverweise vielleicht –, auf den Dialog. Mich interessieren andere Meinungen, andere Argumente, auch zur Selbstreflexion. Aber was da gerade abgeht, ist wirklich mit Verrohung von Sprache überhaupt nicht mehr zu beschreiben. Bedrohung, Beschimpfung, Beleidigung, Vergewaltigungswünsche. Keiner hört keinem mehr zu, Worte werden einem im Mund verdreht, aus dem Zusammenhang gerissen, und wenn man nicht die Meinung des Gegenübers widerspiegelt, dann ist man ein Idiot, eine Schlampe, ein Lügner oder total ferngesteuert. Und ich weiß, dass diese Erfahrung auch andere Menschen machen. Und das Schlimme daran ist, dass dieser Hass sich jetzt auch auf der Straße widerspiegelt. Journalisten werden angegriffen. Mir hat letztens nach dem Einkaufen jemand ins Gesicht geschrien: „Du Lügenpresse, du Lügenfresse!“ Das sind ... das macht keinen Spaß. Leute, glaubt eigentlich irgendjemand, dass das irgendwas bringt, dieser ganze Hass? Beim Suchen nach Lösung, bei dem Ringen um Kompromisse, bei der Art der Berichterstattung über Flüchtlinge?

Legen Sie doch gerne den Finger in die Wunde und streiten Sie mit uns, diskutieren Sie mit uns, weisen Sie uns auf Fehler hin! Wir sind Journalisten, wir sind keine Übermenschen, wir machen Fehler. Deswegen sind wir aber noch lange keine Lügner. [...] In einem Land, in dem die Meinungsfreiheit so ein hohes Gut ist, darf und muss jeder seine Sorgen und seine Ängste äußern, ohne gleich in die rechte Nazi-Ecke gestellt zu werden. Aber: Wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie, verdammt nochmal, ein Rassist! Fertig! Und das müssen Sie auch ertragen können. Ich hätte eigentlich nur eine Bitte: Seien Sie offen, bleiben Sie fair, Differenzieren Sie! Wahrheit braucht einfach Zeit. Das sind Dinge, die meine Eltern mir auf den Weg gegeben haben: andere und Andersdenkende zu respektieren. Menschen in Not unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion zu helfen. Demut, Anstand, Menschlichkeit, Dankbarkeit.»

Dankesrede von Dunja Hayali bei der Verleihung der Goldenen Kamera am 6. Februar in Hamburg. Die 41-jährige ZDF-Moderatorin erhielt den Preis in der Kategorie „Beste Information“.

10.02.2016 – MK

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