USA: TV-Patriotismus in der Ära von Donald Trump

18.07.2017 •

„Make America Great Again!“ Seit den Tagen des Präsidentschaftswahlkampfs beherrscht dieser Slogan die Konversation über die Zukunft der Vereinigten Staaten von Amerika. Donald Trump ließ ihn auf seine Wahlplakate, auf Fahnen, Hüte und T-Shirts drucken. Er benutzt ihn auch heute noch, längst Präsident geworden, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Die Massen jubeln ihm zu, wann immer er ihn ausspricht. Seinen Anhängern ist das Versprechen amerikanischer Größe Ausdruck einer Hoffnung, die sie konkret an nichts festmachen können, die aber immer wieder rechtfertigt, warum sie dem Immobilientycoon Donald Trump ihre Stimme gegeben haben und auch weiterhin an ihm als dem großen Hoffnungsträger festhalten. Trumps Widersachern hingegen dient der Slogan längst als ironischer Verweis auf eine Devise, die vom Chaos des Weißen Hauses Tag für Tag ad absurdum geführt wird.

„Make America Great Again!“ Niemand wagt ernsthaft etwas dagegen zu sagen, dass einem der Ausruf nun immer und überall begegnet. Keiner will einer Nation, deren Existenz auf der unverbrüchlichen Überzeugung von der eigenen Größe beruht, die Hoffnung nehmen – auch wenn die Zustimmungswerte für Präsident Trump inzwischen nicht mehr über 39 Prozent hinauskommen. Patriotismus ist den Amerikanern von der Wiege an mitgegeben. Deshalb ist für sie der 4. Juli, der Nationalfeiertag, auch ein Feiertag der eigenen Selbstbestätigung.

„Make America Great Again!“

Es grenzte fast an eine Schändung dieses allgemeinen patriotischen Gefühls, als die „Los Angeles Times“ letztens zum 4. Juli eine von Sarkasmus durchwobene Glosse veröffentlichte, die sich darauf stürzte, wie auch das Fernsehen es nicht lassen könne, aus dem amerikanischen Patriotismus Kapital zu schlagen. „Was ist so amerikanisch wie Baseball, Mutter und Apple Pie?“, fragte die Zeitung ihre Leserschaft. Die Antwort: „Fernsehsendungen mit dem Wort ‘amerikanisch’ im Titel.“ Dabei komme es gar nicht darauf an, reflektierte der Autor, worauf sich das Wort eigentlich beziehe und was mit ihm zum Ausdruck gebracht werden solle: „Es ist ein Wort, das im Fernsehen eine Menge Dinge meinen kann – oder auch gar nichts.“

18 Formate listete die „Los Angeles Times“ auf, die derzeit im US-Fernsehen ausgestrahlt werden und das Wort „amerikanisch“ oder auch „Amerika“ bzw. „Amerikaner“ im Titel tragen. Und das seien nicht einmal alle Sendungen, so der Autor. Die Liste reicht von „The Americans“, der nun schon seit fünf Jahren vom FX-Network ausgestrahlten Serie über zwei als unauffälliges amerikanisches Paar getarnte sowjetische Spione, bis zur „Great American Baking Show“ (ABC), in der Amateurbäcker miteinander konkurrieren. Dazwischen tummeln sich „American Gods“ (Starz), „American Housewife“ (ABC), „American Dad“ (TBS), „American Greed“ (CNBC), „American Ninja Warrior“ (NBC), „The People v. O.J. Simpson: American Crime Story“ (FX) und noch so einige andere. Wer seine patriotischen Gefühle in den arbeitsfreien Stunden des 4. Juli vor dem Bildschirm füttern wollte, kam allenthalben auf seine Kosten. Wenn es Donald Trump bisher nicht gelungen ist, die Größe Amerikas ins rechte Licht zu rücken, so bemüht sich wenigstens das amerikanische Fernsehen auf allen Kanälen darum, die vom derzeitigen Präsidenten geschürte Hoffnung nicht untergehen zu lassen: „Make America Great Again!“

18.07.2017 – Ev/MK

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