USA: 14 Emmy-Nominierungen für Streaming-Anbieter Netflix

26.07.2013 •

Bei den Nominierungen für die 65. Primetime Emmy Awards setzte sich erneut der Pay-TV-Sender HBO an die Spitze. Mit insgesamt 108 Nominierungen liegt der Kabelsender sogar um 27 Nennungen über dem Ergebnis des Vorjahres. Die am besten platzierten Broadcast-Networks sind CBS und NBC. Beide schnitten mit jeweils 53 Nominierungen relativ gut ab. ABC folgt mit 45, PBS mit 25 und Fox mit 19 Emmy-Vorschlägen. Doch was für Aufregung sorgte und in den amerikanischen Medien die Kommentare beherrschte, war der Umstand, dass der Videostreaming-Anbieter Netflix 14 Nominierungen erhielt.

Damit ist in dem Wettbewerb um die begehrtesten Fernsehpreise der USA zum ersten Mal ein Unternehmen vertreten, dessen Programm nur online verbreitet wird. Die Neuerung kommt genau 20 Jahre nach einem anderen, damals ähnlich relevanten Einschnitt, nämlich der ersten Nominierung einer Kabel-Serie, der „Larry Sanders Show“ von HBO im Jahr 1993. Die erstmalige Präsenz und das gute Abschneiden von Netflix bei den Emmy-Nominierungen lässt erwarten, dass sich auch andere Streaming-Anbieter künftig verstärkt für die Produktion eigener Serien interessieren werden.

Netflix hat die Emmy-Nominierungen vorwiegend der Serie „House of Cards“ (vgl. FK 11/13) zu verdanken, die neun Preisvorschläge auf sich vereinte, darunter Nominierungen für die Darsteller Kevin Spacey und Robin Wright sowie für David Fincher, den Regisseur der ersten Episode, und in der Kategorie „Beste dramatische Serie“. Hätte in dieser Kategorie „House of Cards“ nicht den langjährigen Spitzenreiter „Boardwalk Empire“ ersetzt, so gäbe es dort nichts Neues. Es waren wieder „Breaking Bad“ (AMC), „Downton Abbey“ (PBS), „Game of Thrones“ (HBO), „Homeland“ (Showtime) und „Mad Men“ (AMC), die hier die Spitzengruppe bildeten.

Eine „anti-katholische“ Serie

Auch bei den nominierten Komödien-Serien gab es gegenüber dem Vorjahr kaum Veränderungen: „The Big Bang Theory“ (CBS), „Girls“ (HBO), „30 Rock“ (NBC) und „Modern Family“ (ABC) gehörten wieder dazu. Neu hinzu kam nur „Louie“ (FX). Bei den Nennungen in der Kategorie „Miniserie und Fernsehfilme“ gingen erwartungsgemäß alle Broadcast-Networks, die früher auf diesem Sektor einmal führend waren, leer aus. Nominiert wurden stattdessen Produktionen der Kabelsender: „American Horror Story: Asylum“ (FX), „Behind the Candelabra“ (HBO), „The Bible“ (History), „Phil Spector“ (HBO), „Political Animals“ (USA) und „Top of the Lake“ (Sundance).

Eine negative Stimme zu den diesjährigen Emmy-Nominierungen kam von Bill Donohue, dem Präsidenten der Catholic League for Religious and Civil Rights, der führenden katholischen Interessengruppe in den USA. Er beklagte sich darüber, dass eine ausgesprochen „anti-katholische“ Serie wie „American Horror Story“ mit einer Nominierung bedacht wurde. Die Serie spiele in einem Heim für geisteskranke Kriminelle, das von sadistischen und lüsternen Nonnen betrieben werde, so Donohue: „American Horror Story“ sei ein Beispiel dafür, dass ganz allgemein „Hollywoods Hass auf den Katholizismus nahezu pathologisch“ sei.

• Text aus Heft Nr. 30/2013 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

26.07.2013 – Ev/MK