USA: Netflix überholt HBO bei der Abonnentenzahl

24.05.2013 •

Wie rasch sich Vorlieben und Gewohnheiten der Fernsehzuschauer in jüngster Zeit verändern, hat sich gerade erneut am Beispiel des Videostreaming-Anbieters Netflix gezeigt. Noch vor wenigen Jahren versandte das Unternehmen DVDs per Post, bevor es dann massiv auf das Videostreaming setzte. Dadurch ist Netflix zuletzt der Sprung in die Herzen und auch die Geldbeutel amerikanischer Fernsehfans gelungen, was sowohl die Branche als auch die New Yorker Börse hat aufhorchen lassen: Netflix weist jetzt mehr Abonnenten für seinen Streaming-Dienst aus als der Pay-TV-Sender HBO.

Es ist kaum zwei Jahre her, da fiel das Vertrauen der Investoren in Netflix auf einen Tiefpunkt, als das börsennotierte Unternehmen durch eine fatale Preispolitik negativ ins Gerede kam. Die Netflix-Aktie sackte damals von knapp 300 auf 53 Dollar ab. Die bösen Worte von einst sind längst in Vergessenheit geraten. Reed Hastings, der unbeirrte Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, hat in der Zwischenzeit alles auf eine Karte gesetzt: das Videostreaming. Zusätzlich ließ er mit „House of Cards“ die erste eigenproduzierte Serie eines Streaming-Anbieters produzieren. Und das Kartenhaus, das viele Skeptiker bald wieder in sich zusammenfallen sahen, hat nun das gehalten, was sich Hastings von ihm versprochen hatte.

Netflix-Aktienkurs deutlich gestiegen

In den USA konnte Netflix seine Abonnentenzahl für seinen Streaming-Dienst nun auf 29,2 Mio steigern, HBO kommt derzeit auf 28,7 Mio Kunden. Das Geschäft mit Eigenproduktionen hat Netflix ausgeweitet: Nach „House of Cards“ (vgl. FK-Heft Nr. 11/13) ist mit der Thriller-Serie „Hemlock Grove“ seit dem 19. April eine zweite originäre Produktion bei Netflix abrufbar. Ab dem 26. Mai kommen 15 neue Episoden der Kult-Sitcom „Arrested Development“ hinzu (die ersten drei Staffeln dieser Serie liefen noch beim Broadcast-Network Fox).

Wer Befürchtungen gehegt hatte, das Publikum werde bei Netflix vom Angebot eines kostenlosen Probeabonnements Gebrauch machen und nach dessen Ablauf den Streaming-Service gleich wieder kündigen, sah sich nun getäuscht. Obwohl das Unternehmen keine konkreten Zahlen bekannt gab, ist durchgedrungen, dass es nicht mehr als 8000 Kündigungen gegeben hat. Der Aktienkurs von Netflix ist aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung nun wieder auf mehr als 230 Dollar gestiegen. Blickt man auf die internationale Ebene, dann ist Netflix allerdings noch deutlich kleiner als HBO. Während der Pay-TV-Sender weltweit 114 Mio Abonnenten hat, muss sich Netflix außerhalb der USA vorerst noch mit 7,1 Mio Kunden begnügen. Der Unterschied zum vorigen Jahr besteht allerdings darin, dass man Reed Hastings nun zutraut, das Blatt auch hier zu wenden.

• Text aus Heft Nr. 21/2013 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

24.05.2013 – Ev/MK