USA: Netflix konkurriert mit führenden Kabel‑TV‑Sendern

01.02.2013 •

An der New Yorker Börse herrschten Staunen und Begeisterung, als der Aktienpreis des Videoversand-Anbieters Netflix am 24. Januar um 44 Prozent in die Höhe schoss und der Marktwert des Unternehmens als Folge davon auf 7,8 Mrd Dollar anstieg. Wie stets in solchen Fällen gab es anschließend Korrekturen, doch die Tatsache bleibt bestehen, dass sich Netflix nunmehr ohne Zweifel als ernst zu nehmender Performer auf dem Medienmarkt etabliert hat. Der Image-Gewinn geht vornehmlich zurück auf einen unerwartet hohen Zuwachs an Abonnenten für das Videostreaming-Angebot von Netflix, der Konkurrenten wie Amazon, Redbox und Hulu, aber auch Kabelfernsehsender vom Schlage HBO und Starz mit Sorge erfüllt.

Netflix hatte bekannt gegeben, dass die Abonnentenzahl für seinen Streaming-Service im letzten Quartal vorigen Jahres in den USA um 2,05 Mio angestiegen war. Damit wurde zwar das angestrebte Ziel einer Erhöhung um 7 Mio neue US-Kunden im ganzen Jahr 2012 knapp verfehlt, aber die erreichte Gesamtzahl von 27 Mio Abonnenten erschien den Investoren offenbar eindrucksvoll genug. Daran änderte auch nichts, dass die Zahlen beim Postversand von DVDs im jüngsten Quartal weiter zurückgingen. 380.000 Kunden bestellten den Post-Service von Netflix während der letzten drei Monate ab, so dass sich jetzt nur noch 8,2 Mio Abonnenten dieser herkömmlichen Methode der Filmbestellung bedienen.

Ehrgeiz: Eigene Serien

Reed Hastings, der Chief Executive Officer (CEO) von Netflix, führt das rasche Wachstum der Abonnentenzahlen auf dem Streaming-Sektor hauptsächlich auf jüngste Akquisitionen der Rechte an neuen Kinofilmen und Fernsehserien zurück. Netflix hat entsprechende Verträge mit führenden Hollywood-Produzenten, nicht zuletzt mit der Walt Disney Company. Durch die Erweiterung des Angebots an Titeln, sagt Hastings, würden neue Kunden angelockt, was wiederum die Firma in die Lage versetze, ihren Katalog noch weiter zu vergrößern. Dies sei ein Zyklus ohne Ende. Hastings: „Wir wollen mehr Filme, mehr neue TV-Serien und mehr Originale.“ Dabei steht neuerdings der Ehrgeiz, eigene Serien zu produzieren, im Vordergrund. 

Wie schon die amerikanischen Kabel-TV-Sender ihre größten Erfolge in den vergangenen Jahren den selbst in Auftrag gegebenen Eigenproduktionen zu verdanken hatten, so sieht nun auch Netflix seine größte Chance, weitere Kundenkreise zu einem Abonnement bewegen zu können, im Angebot eigener Serien. Drei Originalproduktionen haben bereits grünes Licht bekommen, darunter eine Fortsetzung der mit sechs Emmy Awards ausgezeichneten früheren Fox-Serie „Arrested Development“, deren Ausstrahlung im Broadcast-Fernsehen schon im Jahr 2006 beendet wurde. Netflix hat für die neuen Folgen von „Arrested Development“ als Veröffentlichungsmonat den Mai dieses Jahres genannt. Es werden zur Zeit 14 neue Episoden produziert, die alle gleichzeitig im Katalog von Netflix erscheinen sollen.

Es ist nun kein Geheimnis mehr, dass Netflix in Zukunft dem Pay-TV ernsthaft Konkurrenz machen will. Vor allem die Sender HBO (Time Warner) und Starz (Liberty Media) dürften den neuen Wettbewerb bald zu spüren bekommen. An der Streaming-Front sieht sich Netflix unterdessen selbst heftiger Konkurrenz ausgesetzt. Amazon hegt für seinen Online-Service Amazon Prime ähnliche Pläne, und auch Hulu und Coinstars Redbox Instant sind nicht untätig. Dennoch scheint Netflix zumindest im Augenblick die Nase vorn zu haben. Erst kürzlich verglich das Unternehmen seine 200 populärsten Videostreaming-Titel mit dem Angebot der Konkurrenz und stellte fest, dass Amazon von diesen Filmen und Serien nur 73 in seinem Katalog hatte; noch wesentlich weniger waren es bei Hulu (27) und Redbox (12).

• Text aus Heft Nr. 5-6/2013 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

01.02.2013 – Ev/FK