Ob die ARD diesen Auftrag noch erfüllt?

04.09.2019 •

Matthias Dell am 2. September 2019 bei „Zeit Online“ über die Wahlberichterstattung der ARD am 1. September zu den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg:

«Im Gespräch mit dem sächsischen AfD-Vorsitzenden Jörg Urban führte die diskursive „Ich-sehe-das-anders“-Markierung dann zu dem prekärsten Satz des Abends. [Wiebke] Binder wollte dessen Falschbehauptung von der „medialen Kampagne“ gegen die AfD offenbar entkräften und verwies auf die vielen eigenen Berichte, die es gegeben habe. Dabei geriet die MDR-Moderatorin verbal ins Straucheln, als sie die Qualitäten dieser Beiträge näher benennen wollte: „Da war schon viel zu erzählen, auch…Unterschiedliches.“ Daraufhin soufflierte Urban ihr die alternative Qualifizierung „Positives“ für die Berichterstattung über die AfD. Die ARD-Frau übernahm das Wort umgehend: „Positives, auf jeden Fall.“

So etwas nennt man dann wohl nicht journalistische Distanz. Was – und das könnte in der ARD doch auch langsam jemandem auffallen – gerade daher kommt, dass sich die öffentlich-rechtlichen Mitarbeiter scheinbar neutral zu allem verhalten. Eine solche Ignoranz ist nicht nur aktuell katastrophal, sie ist es erst recht mit Blick auf die Geschichte.

Der dezentralisierte Verbund der ARD ist einst nach der Erfahrung der NS-Diktatur von den West-Alliierten gegründet worden mit dem erklärten Ziel der „reeducation“, der journalistischen Mithilfe bei der Demokratisierung des nazistischen Deutschlands. Faschistische Propaganda sollte für die Zukunft verhindert werden. Ob die ARD diesen Auftrag heute noch lückenlos und kompetent erfüllt, dessen kann man sich nach einer Wahlberichterstattung wie der am Sonntag nicht mehr völlig sicher sein. Und das ist erst recht traurig.»

04.09.2019 – MK