Medienjournalismus in den Massenmedien wird zunehmend unmöglich

08.10.2020 •

«Ich möchte jetzt, kurz nach meinem Austritt, nicht über interne Differenzen sprechen. Ich kann jedoch grundsätzlich sagen, dass meine Arbeit schwieriger wurde. Ich denke, dass Medienjournalismus in den Massenmedien zunehmend unmöglich wird. Vor allem in der Schweiz, denn hier haben wir in den letzten Jahren eine sehr starke Medienkonzentration erlebt. Es gibt faktisch nur noch vier Unternehmen: CH Media, TX Group, Ringier und die NZZ. Sie beherrschen den Schweizer Medienmarkt und ihre Plattformen prägen – nebst der SRG – den öffentlichen Diskurs. Wenn man wie ich über Medien schreibt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man über Bereiche schreibt, die in irgendeiner Form das eigene Unternehmen betreffen. Interessenskonflikte gab es zwar auch früher, doch das Ausmass hat stark zugenommen. Und die derzeitige wirtschaftliche Krise verschärft das Problem, denn den Medien geht es schlecht. Ihre Existenz steht auf dem Spiel. In solchen Zeiten sinkt die Toleranzgrenze gegenüber „Hofnarren“.»

Rainer Stadler in einem längeren Interview mit dem Schweizer Online-Portal persoenlich.com. Stadler, 61, arbeitete 31 Jahre lang bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ), davon die meisten Jahre als Medienredakteur. Ende September 2020 hat er auf eigenen Wunsch die NZZ verlassen. Das am 4. Oktober online gestellte Interview für persoenlich.com führte Edith Hollenstein. In dem Gespräch geht es um die schwieriger gewordene Situation für Stadler als Medienredakteur der NZZ wie auch für den Medienjournalismus im Allgemeinen.

08.10.2020 – MK

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