Journalismus, Glaubwürdigkeit und Vertrauen

01.10.2018 • Am 27. September gab Doris Leuthard, Schweizer Ministerin für Medien, Umwelt, Verkehr und Energie, ihren Rücktritt zum Jahresende 2018 bekannt: Nach über 12 Jahren in dieser Regierungsposition sollten ihr nun „neue, unverbrauchte Kräfte“ nachfolgen, meinte sie. Auf einer Pressekonferenz in Bern stellte sich die 55-jährige Juristin auch Fragen von Journalisten, von denen sich eine auf die Bewertung journalistischer Berichterstattung bezog. Leuthard antwortete:

«Ich weiß ja auch, unter welchem Druck Sie alle [als Journalisten] stehen. Man ärgert sich im Moment immer, vor allem mit Thesenjournalismus habe ich bis heute Mühe. Aber das ist die Qualität, die Sie verantworten müssen. Und die Behauptungen, das gehört offenbar auch dazu. Damit lebt man ein Stück weit. […] Das regt mich schon lange nicht mehr auf. Aber man nimmt es zur Kenntnis. Und ich glaube nicht am Schluss, dass das das Vertrauen in die Medien schützt. Ich bin überzeugt, die Menschen wollen wissen oder wollen darauf vertrauen können, dass das, was Sie sagen und schreiben, Hand und Fuß hat. Sie haben einen großen Einfluss. Und ich glaube, wenn sich die Medien hier, wenn Sie als Journalistinnen und Journalisten die nötige Zeit haben für ihre Recherche, egal, ob links, rechts, mittig, das spielt ja keine Rolle – Sie müssen alles kritisch begleiten, aber bitte faktenorientiert und bitte so, dass Sie das Vertrauen der Bevölkerung genießen. Da haben Sie dieselbe Aufgabe wie der Bundesrat [die Schweizer Bundesregierung]. Glaubwürdigkeit und Vertrauen – das ist das Zentrale. Wenn Sie das verlieren, dann haben Sie eigentlich auch Ihren Job nicht so gut gemacht. Im Moment haben wir das ja in der Schweiz, aus meiner Sicht ist das sogar ein Vorteil gegenüber anderen Medienanbietenden, die hier vielleicht nicht die gleich hohe Qualität aufweisen wie die Schweizer Medien. Und daran würde ich arbeiten. Wenn ich Ihr Chef wäre, würde ich investieren in diese Elemente, weil ich überzeugt bin: Das ist ein Bedürfnis der Menschen und das zahlt sich aus – nicht kurzfristig, aber mittel- bis langfristig.»

01.10.2018 – MK

Print-Ausgabe 25-26/2018

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