Grimme und die Trüffel

14.04.2018 •

14.04.2018 • «Dem Grimme-Preis „Unterhaltung“ ist – wie übrigens auch dem Grimme-Preis insgesamt – schon häufiger vorgehalten worden, dass bevorzugt Produktionen ausgezeichnet werden, die kaum ein Mensch kennt. Der Vorwurf ist zwar nicht vollkommen unberechtigt, für diesen Umstand gibt es aber gute Gründe. Wenn man das Selbstverständnis des Grimme-Preises in einem Wort auf den Punkt bringen will, dann möchte er das Trüffelschwein unter den Fernsehpreisen sein – und diese Spezies hat es im Bereich der Unterhaltung derzeit schwer.

Die Hauptsendezeit fast aller großen Sender wird von schon lange laufenden Reihen, minimalen Variationen derselben sowie Hochglanzproduktionen eingekaufter Formate beherrscht. Nicht zu vergessen sind vermeintlich einzigartige Eventproduktionen (vor allem Spielshows), die in der Regel eine unübersehbare Ähnlichkeit mit der vorigen vermeintlich einzigartigen Eventproduktion (ebenfalls einer Spielshow) aufweisen. Wer Originelleres sucht, landet zwangsläufig an den Programmrändern – bei kleinen Sendern und Sendezeiten jenseits der Primetime. Und selbst dort sind die Trüffel rar.»

Gerd Hallenberger, Jury-Mitglied beim Grimme-Wettbewerb 2018, in „epd medien“ Nr. 15 vom 13. April 2018 in seinem Bericht über die Sitzung der Grimme-Jury „Unterhaltung“

14.04.2018 – MK