Grimme forscht oder: Selbstverordnete Relevanzerhöhung

10.11.2016 •

«Hat da jemand tatsächlich geglaubt, es existierten noch nicht genug universitäre Einrichtungen, die irgendwas mit Medien erforschen? Allein an der Universität zu Köln gab und gibt es eine ganze Reihe entsprechender Institute, Verbünde und Sonderforschungsbereiche, die massenhaft unlesbare Sammelbände mit Titeln wie „Die Adresse des Mediums“ produziert haben. Nun kommt also ein weiteres An-Institut hinzu, finanziert vom Land NRW und getragen von gleich vier Kölner Universitätsfakultäten sowie dem anstoßgebenden Grimme-Institut in Marl. Letzteres war bislang eher dem Volkshochschulgedanken verpflichtet, will nun aber bei den Großen mitspielen. Wie kurios eine solche selbstverordnete Relevanzerhöhung aussehen kann, zeigte die erste öffentliche Veranstaltung des zwar schon seit zwei Jahren geisterhaft existierenden, aber jetzt „gegründeten“ Grimme-Forschungskollegs. Mit dem grußwortenden Kanzler der Universität zu Köln lässt sich in der Tat fragen: „Ist das nicht ein wenig spät?“ Der branchenprominent besuchte Festakt mit anschließender Konferenz fand erstaunlicherweise nicht an der Universität statt, sondern in einem Flur des Kölner Stadions, „Business Lounge“ genannt.»

Der Beginn einen längeren Artikels von Oliver Jungen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Ausgabe vom 9.11.16) über den Festakt zur Gründung des Grimme-Forschungskollegs an der Universität Köln. Der Artikel trägt die Überschrift „Forschung und Leere“.

10.11.2016 – MK