ARD und ZDF haben die Rechte – und dann das…

07.08.2018 •

07.08.2018 • «Der DLV setzt sie deswegen in diesen Tagen gern auf Podien und in Pressekonferenzen. Gina Lückenkemper soll das neue Gesicht der deutschen Leichtathletik werden. Die Athletin, die von der LG Olympia Dortmund zu Bayer Leverkusen gewechselt ist, macht bei dieser Kampagne gerne mit, denn sie möchte ihre Sportart pushen, endlich wieder nach vorne bringen. Und dazu gehört nun einmal kluge Medienarbeit: „Wir müssen die Sportart transparent machen, zeigen, was sie für tolle Typen und Persönlichkeiten hat“, wirbt sie fast schon flehentlich, auch für sich selbst.

Aber da spielen nicht alle mit. Zum Beispiel das Fernsehen. Genauer: ARD und ZDF. Der Vorwurf: Sie huldigten nur dem König Fußball. Lückenkemper kann bei diesem Thema richtig fuchsig werden. Als neulich in Nürnberg die Deutschen Meisterschaften ausgetragen wurden, da hatte die ARD einen Livestream im Netz angekündigt. Aber schlussendlich lief nur Radsport, Tour de France. „Leute, das geht so nicht“, hat sie die Fernsehmenschen ermahnt. „Warum ist es nicht möglich, das Angebot breiter zu fächern?“ Die Situation in Nürnberg habe sie nachgerade „schockiert“, denn „die haben die Rechte, die Produktionsmöglichkeiten – und dann das…“ ARD und ZDF hätten letztlich „scheiße übertragen, ein Großteil von uns fühlt sich schlichtweg verarscht in so einer Situation“.

Lückenkemper versteht sich als eine Art Sportbotschafterin und da muss sie eben auch mal Klartext reden; mit verdrucksten Ansagen erreicht man als Vertreterin einer Außenseitersportart nicht viel. Die Leichtathletik, trotz ihrer deplorablen Lage immer noch olympische Kernsportart, verschwindet ja mehr und mehr in einer Nische. So kann es nicht weitergehen – oder wie Lückenkemper sagt: „Die Leichtathletik hat in den vergangenen Jahren genug einstecken müssen.“ Selbst die traditionellen Sportfeste in Zürich, Lausanne oder Oslo sind nur noch auf Spezial- und Spartenkanälen zu sehen. Zeit also, mobil zu machen und die Öffentlichkeit aufzurütteln, findet Lückenkemper.»

Aus einem größeren Artikel von Markus Völler in der „taz“ (Ausgabe vom 6.8.2018) über die Lage der deutschen Leichtathletik im Allgemeinen und die Sprinterin Gina Lückenkemper im Besonderen

07.08.2018 – MK

Print-Ausgabe 23/2019

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