Wenn eine Frau im Fernsehen Fußball kommentiert

«Nun sind alle Sportkommentatoren Zielscheiben des Hasses und des Frusts. Zu Hause auf der Couch wissen es immer alle besser als die Experten. Aber Claudia Neumann wird eben nicht „nur“ genauso schlecht behandelt wie ihre männlichen Kollegen. Klar, wenn Béla Réthy kommentiert, dann heißt es bei Twitter, er solle in Rente gehen, er sei unqualifiziert und überhaupt der größte Dummschwätzer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Aber es geht doch meist um die Sache, um eine spezielle Situation. Niemand spricht ihm aufgrund seines Geschlechts die Fähigkeit ab, 90 Minuten lang zu beschreiben und zu analysieren, was auf dem Feld vor ihm passiert. Claudia Neumann hingegen „soll beim ZDF den Flur wischen“, statt Fußball zu kommentieren, um einen der weniger expliziten Tweets zu zitieren. Das ist keine Kritik an der Arbeit einer Kommentatorin. Das ist Sexismus. 2018 ist tatsächlich eine irre Zeit. Frauen dürfen wählen, Auto fahren und Fußballspiele kommentieren. Sie dürfen das gut oder schlecht machen. Und ob sie das gut oder schlecht machen, hat nichts mit ihrem Geschlecht zu tun. Wahnsinn, dass man das immer noch sagen muss.»

Aus einem Kommentar von Julian Dörr am 20. Juni 2018 bei süddeutsche.de

20.06.2018 – MK

Print-Ausgabe 24/2018

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