Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga: Kartellamt billigt DFL-Vergabeverfahren

30.03.2020 •

Das Bundeskartellamt hat das von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geplante Verfahren zur Vergabe der Bundesliga-Übertragungsrechte für die neue Rechteperiode gebilligt. Die DFL habe sich dazu verpflichtet, bei der Vergabe der Rechte für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 „umfangreiche Kriterien“ zu beachten, teilte das Kartellamt am 20. März mit. Diese Kriterien bzw. Selbstverpflichtungen der DFL seien nun für rechtsverbindlich erklärt worden. Unter anderem habe die DFL zugesichert, dass die Live-Übertragungsrechte nicht exklusiv an einen Anbieter vergeben werden.

Wie bereits bei der letzten Vergabe der Bundesliga-Rechte hat das Kartellamt nun erneut darauf gedrungen, dass die Spiele nicht ausschließlich von einem Unternehmen live übertragen werden dürfen („No-Single-Buyer“-Regelung). Auf diese Weise will die in Bonn ansässige Behörde bei der Vergabe Wettbewerb zwischen verschiedenen Fernseh- und Streaming-Anbietern ermöglichen. Aktuell überträgt der Pay-TV-Sender Sky Deutschland pro Saison 266 Erstliga- und alle 306 Zweitligaspiele. Der Sport-Streaming-Anbieter DAZN zeigt die übrigen 40 Erstligabegegnungen und die vier Relegationsspiele zur ersten und zweiten Bundesliga (jeweils mit Hin- und Rückspiel) sowie das Supercup-Spiel, also die Begegnung zwischen dem Deutschen Meister und dem DFB-Pokalsieger.

Live-Rechte müssen aufgeteilt werden

Die DFL hatte am 3. März mitgeteilt, sie wolle im Mai die Übertragungsrechte an der ersten und zweiten Bundesliga für den neuen vierjährigen Zeitraum vergeben. Angesichts der fortschreitenden Corona-Pandemie verschob die DFL am 24. März die Vergabe auf die Zeit ab Juni. Pro Spielzeit geht es um Live-Übertragungen von jeweils 612 Begegnungen der ersten und zweiten Liga. Hinzu kommen noch vier Relegationsspiele und die Supercup-Partie. Alle insgesamt 617 Spielübertragungen pro Saison werden auch künftig nur gegen Abo-Gebühren im Fernsehen bzw. über Streaming-Anbieter zu sehen sein. Neun Begegnungen werden künftig auch im Free-TV übertragen (drei mehr als bislang). Außerdem vergibt die DFL noch Rechte für zusammenfassende Berichterstattung im Fernsehen und übers Internet.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte, dass es für seine Behörde wichtig gewesen sei, „dass nicht ein Bieter allein alle Live-Rechte exklusiv erwerben kann, der dann als Monopolist dem Zuschauer gegenübersteht“. Ein einziger mit exklusiven Rechten ausgestatteter Anbieter hätte kaum Anreize, „die Qualität der Berichterstattung zu verbessern, die Preise stabil zu halten und das Innovationspotenzial insbesondere des Internets auszuschöpfen“. Bereits in der laufenden Rechteperiode – die noch bis zum Ende der nächsten Saison 2020/21 läuft – habe der zunehmende Wettbewerb zu neuen Produktangeboten sowohl von neuen als auch von etablierten Anbietern geführt, so Mundt.

Sky Deutschland war nach dem letzten Vergabeverfahren der DFL im Jahr 2016 vor das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf gezogen. Beim OLG legte der Pay-TV-Sender eine Beschwerde gegen die Vorgabe des Bundeskartellamts ein, dass die Rechte für die Live-Übertragungen der Bundesliga-Spiele auf mindestens zwei Anbieter verteilt werden müssen. Sky stufte die Ausgestaltung der „No-Single-Buyer“-Regelung als rechtswidrig ein und wollte erreichen, dass sie aufgehoben wird. Doch das OLG Düsseldorf wies im Mai 2017 die Beschwerde von Sky als unzulässig zurück.

Im Jahr 2016 hat das Bundeskartellamt damit begonnen, das Verfahren der DFL zur Vergabe der Bundesliga-Übertragungsrechte genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Grund dafür ist, dass aus Sicht der Behörde die zentrale Vermarktung der Bundesliga-Rechte durch die DFL grundsätzlich eine wettbewerbsbeschränkende Vereinbarung ist. Laut dem deutschen und europäischen Wettbewerbsrecht kann eine solche Vereinbarung vom Kartellverbot ausgenommen werden, wenn damit Vorteile für den Verbraucher entstehen, so dass die Zentralvermarktung dann unter bestimmten Voraussetzungen kartellrechtlich akzeptiert werden kann. Die Vorteile für den Verbraucher liegen bei einer Zentralvermarktung durch die DFL dem Kartellamt zufolge darin, dass beispielsweise die Organisation des Spielbetriebs der Ligen einfacher ist und eine zeitnahe Highlight-Berichterstattung ermöglicht wird.

Mehr Übertragungen im Free-TV

Die Deutsche Fußball-Liga will laut ihrem Vermarktungsmodell für die neue Rechteperiode die Live-Übertragungen in vier Paketen (Samstagnachmittag, Samstagabend, Freitag/Sonntag sowie Samstagskonferenz) über eine Auktion vergeben. Diese Pakete umfassen jeweils alle Übertragungswege (Satellit, Kabel, Web-TV, Mobile-TV). Dabei ist es nicht möglich, dass ein Unternehmen alle vier Rechtepakete exklusiv kaufen kann. Die DFL kann die vier Rechtepakete an verschiedene Anbieter vergeben. Sollte sie alle Pakete einem Anbieter zuteilen, würde die DFL in einem zweiten Schritt, wie das Kartellamt erklärte, „zwei der vier Pakete co-exklusiv für ein reines Internet-Angebot an einen Zweiterwerber vergeben“.

In der neuen Rechteperiode wird es keine Erstliga-Spiele mehr am Montagabend geben. Bislang gibt es fünf Begegnungen an diesem Termin, dessen Abschaffung von den Fans immer wieder gefordert wurde. Eingeführt wird ab der Saison 2021/22 der Sonntagabend als neuer Spieltermin (19.30 Uhr). Insgesamt zehn Partien sollen hier stattfinden; auf diesen Termin werden die fünf bisherigen Montags- und die bisherigen fünf Sonntagmittagsspiele gelegt.

Außerdem erweitert die DFL das Rechtepaket fürs Free-TV, das künftig die Live-Übertragung von neun Bundesliga-Spielen umfasst. Enthalten sind aus der ersten Liga das Saisoneröffnungsspiel (am Freitag im August), die Freitagspartie am letzten Hinrunden-Spieltag, das Rückrunden-Auftaktspiel (am Freitag) sowie die beiden Relegationsspiele zur ersten Liga und die Supercup-Begegnung. Hinzu kommen aus der zweiten Liga das Saisoneröffnungsspiel (am Freitag Ende Juli bzw. Anfang August) und die beiden Relegationsspiele zur zweiten Liga.

Große Konkurrenz der Bieter erwartet

Highlight-Formate, die derzeit wie die ARD-„Sportschau“ oder das „Aktuelle Sportstudio“ (ZDF) über die Bundesliga-Spiele berichten, können künftig von den Sendern nach der linearen Ausstrahlung auch noch über das Internet zugänglich gemacht werden. Bisher ist der nachträgliche Abruf etwa der „Sportschau“ am Samstag mit den Bundesliga-Spielen über die ARD-Mediathek nicht möglich. Ob die DFL durch die neue Rechtevergabe die Erlöse nochmals deutlich steigern kann, bleibt abzuwarten.

In der aktuellen Rechteperiode nehmen die DFL und damit die 36 Profi-Vereine der beiden Bundesligen pro Saison im Schnitt 1,159 Mrd Euro ein – 85 Prozent mehr als in der Vor­periode. Aktuell zahlt Sky Deutschland pro Saison im Schnitt 878 Mio Euro für die Übertragungsrechte an die DFL. Damit stammen drei Viertel der DFL-Rechteerlöse von Sky. Die Konkurrenz um die Live-Rechte für den neuen Zeitraum wird vermutlich groß sein; neben Sky Deutschland und DAZN dürfte diesmal ebenfalls der US-Internetkonzern Amazon mitbieten, eventuell auch Telekommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom oder Vodafone.

30.03.2020 – vn/MK

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