Jörg Schönenborn und Valerie Weber als neue WDR‑Direktoren gewählt

29.11.2013 •

29.11.2013 •Neuer Fernsehdirektor des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln wird ab dem 1. Mai kommenden Jahres Jörg Schönenborn. Der 49-Jährige ist beim WDR bisher seit Januar 2002 Fernsehchefredakteur. Ebenfalls am 1. Mai 2014 übernimmt Valerie Weber die Leitung der Hörfunkdirektion der größten ARD-Landesrundfunkanstalt. Weber, 47, ist seit 2004 Programmdirektorin des Privatsenders Antenne Bayern und seit 2006 zusätzlich auch dessen Geschäftsführerin. 

Der WDR-Rundfunkrat wählte in seiner Sitzung am 22. November in Köln Schönenborn und Weber in die beiden Direktorenämter. Die derzeitige Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff verlässt den WDR Ende April 2014 im Alter von dann 62 Jahren. Der amtierende Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz tritt zum 1. Mai nächsten Jahres im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand. 

Der 49-köpfige Rundfunkrat stimmte mit der Wahl von Schönenborn und Weber den beiden Personalvorschlägen von Intendant Tom Buhrow zu. Im Vorfeld war die Personalie Weber im WDR selbst, vor allem im Hörfunkbereich, und in der Fachpresse auf deutliche Kritik gestoßen, weil künftig eine Privatfunkmanagerin die Leitung der WDR-Radioprogramme übernehmen sollte (vgl. FK-Artikel). Doch von dieser Kritik ließ sich der Rundfunkrat nicht beeindrucken. Von den bei der Wahl anwesenden 44 Rundfunkratsmitgliedern stimmten 40 für Valerie Weber. Sie erhielt lediglich drei Gegenstimmen. Zudem gab es eine Enthaltung. Damit erzielte Weber sogar ein besseres Wahlergebnis als Jörg Schönenborn, der von den 44 anwesenden Rundfunkratsmitgliedern 34 Ja-Stimmen bekommen hatte. Gegen ihn votierten sechs Mitglieder, vier weitere enthielten sich.

Der Rundfunkrat habe Intendant Buhrow für seine Strategie, den Sender „zukunftsfest zu machen und ihn für die Zukunft zu öffnen, nachdrückliche Unterstützung gegeben“, erklärte die Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi. Sie äußerte sich nach der Direktorenwahl auf einer Pressekonferenz mit Buhrow, Schönenborn und Weber, die im neuen Jugendstudio des Senders in den Kölner WDR-Arkaden stattfand. Tom Buhrow beschrieb das Votum des Rundfunkrats als „Rückdeckung“, die die künftigen Programmdirektoren erhalten hätten. Die deutliche Zustimmung des Gremiums sei „ein starkes Signal“ und zugleich auch „ein Signal des Aufbruchs“, so Buhrow. 

Die Vorwürfe, es stelle einen symbolhaften Bruch mit der öffentlich-rechtlichen Tradition dar, wenn mit Valerie Weber jemand aus dem Privatfunk zur Hörfunkdirektorin des WDR berufen werde (vgl. FK-Meldung), wies der Intendant als unfair zurück. Zuletzt sei Peter Limbourg von der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe auf den Intendantenposten bei der Deutschen Welle (DW) gewechselt. Diese Entscheidung sei von niemanden angezweifelt worden, nur weil Limbourg vom Privatfernsehen gekommen sei, sagte Buhrow: Warum solle es nun „als Bedrohung empfunden werden“, wenn es um verantwortliche Positionen im Hörfunk gehe? 

Erfahrungen im freien Markt

Buhrow lobte Webers Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit für das Radio. Er erhoffe sich, dass Valerie Weber genau diese Eigenschaften und ihre „Erfahrungen aus dem harten Wettbewerb“ als Radiomacherin künftig miteinbringe, „um uns zu schützen und zu wappnen“. Dem künftigen Fernsehdirektor Jörg Schönenborn bescheinigte Buhrow eine „hohe Fachkompetenz“. Schönenborn habe „sein uneingeschränktes Vertrauen“, so der WDR-Intendant. Er traue Schönenborn zu, den fiktionalen Bereich und den Unterhaltungsbereich voranzutreiben und außerdem mit neuen Formaten zu experimentieren. Schönenborn habe als Chefredakteur „schon etliche Formate verantwortet und mitentwickelt, die über den reinen Informationsbereich hinausgehen“. 

Valerie Weber zeigte sich „sehr, sehr erleichtert“ über das klare Abstimmungsergebnis des Rundfunkrats. Es sei „ein sehr mutiger Vorschlag des neuen Intendanten“ gewesen, sich im kompletten dualen System umzuschauen, um den Hörfunkdirektorenposten zu besetzen. Sie könne die Ängste verstehen, die es innerhalb des WDR gebe, sagte sie auf der Pressekonferenz, sie wolle nun die Menschen für sich gewinnen. Ihre Erfahrungen, die sie als im freien Markt agierende Radiomanagerin gesammelt habe, wolle sie nun miteinbringen, damit „der WDR auch künftig wettbewerbsfähig sein wird“. Es gehe darum, „spannendes Radio“ zu machen. Da sie „für frischen Wind“ sei, sagte Weber, könne sie damit umgehen, „wenn der Wind auch mal von vorne kommt“.

Der künftige WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn sagte auf der Pressekonferenz, er spüre, das auf ihn „eine große Aufgabe“ zukomme, „denn die Achsen verschieben sich ganz grundlegend“. Das lineare Fernsehen sei „nur noch ein Teil dessen, was wir als Fernsehwelt verstehen“. Das Internet boome. Man müsse daher „den Blinker in Richtung Videos im Netz setzen“. Ihn treibe an, so Schönenborn, was das Fernsehen publizistisch bewegen könne. Es könne Menschen miteinander ins Gespräch bringen und auch Debatten lostreten. Dies zu erreichen, das habe er auch als Zuschauer gelernt, könnten anspruchsvolle Filme besser „als noch so gut gemachte Dokumentationen“, sagte Schönenborn: „Die anspruchsvolle Fiktion, wo der WDR für eine große Tradition steht, wird gebraucht, um Debatten lebbar und spürbar zu machen.“

• Text aus Heft Nr. 48/2013 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

29.11.2013 – vn/MK