Direktorenposten beim WDR: Schönenborn und Weber

22.11.2013 •

22.11.2013 •WDR-Intendant Tom Buhrow hat seine Kandidaten für die künftige Leitung der beiden Programmdirektionen benannt. Er nominierte WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn, 49, als neuen Fernsehdirektor. Hörfunkdirektorin soll Valerie Weber, 47, werden, die bisher Geschäftsführerin und Programmdirektorin des privaten Hörfunksenders Antenne Bayern ist. Von 1998 bis 2003 war sie Programmdirektorin bei Hitradio Antenne 1 in Stuttgart, von 1995 bis 1997 Programmchefin der Ostseewelle in Rostock. Die Vorschläge des Intendanten gab der WDR am 14. November in einer Pressemitteilung bekannt. Dabei sorgte die Nominierung der Privatfunkfrau Valerie Weber im Sender für enormen Unmut.

Jörg Schönenborn, der Mitte der 1980er Jahre beim WDR ein Volontariat absolvierte und seither durchgehend für den Sender gearbeitet hat, wurde schon seit längerem als Favorit für den Posten des WDR-Fernsehdirektors gehandelt. Seit 2002 ist Schönenborn WDR-Chefredakteur Fernsehen und Leiter des Programmbereichs ‘Politik und Zeitgeschehen’. Die Nominierung von Valerie Weber, die bisher eine reine Privatradiokarriere vorweist, für die Position der WDR-Hörfunkdirektorin konnte man hingegen als große Überraschung bezeichnen. 

Wahl der Kandidaten gilt als sicher

Der Rundfunkrat des WDR wird am 22. November auf seiner Sitzung in Köln über die beiden Personalien entscheiden. Die Verträge der amtierenden Programmdirektoren Wolfgang Schmitz (Hörfunk) und Verena Kulenkampff (Fernsehen) laufen zum 30. April 2014 aus. Die Wahl von Jörg Schönenborn und Valerie Weber gilt eigentlich als sicher. Denn es wird nicht damit gerechnet, dass der WDR-Rundfunkrat, der Tom Buhrow erst am 29. Mai dieses Jahres als Nachfolger von Monika Piel zum Intendanten gewählt hat, gleich die ersten beiden Personalvorschläge Buhrows ablehnt. Das Intendantenamt hatte der frühere „Tagesthemen“-Moderator Buhrow am 1. Juli übernommen.

Mit der Personalie Weber hat sich Tom Buhrow aber ein großes Problem eingehandelt. So berichtete der „Kölner Stadt-Anzeiger“ in seiner Ausgabe vom 15. November, die geplante Berufung Weber sorge „bei den Mitarbeitern der Hörfunkwellen des WDR für Aufregung“. Manche im Sender hätten die Ankündigung Buhrows, eine Frau aus dem auf Quote fixierten Privatfunk an die Spitze der WDR-Radioabteilung holen zu wollen, als „Negativ-Überraschung“ bezeichnet, andere hätten diesbezüglich von einer „Katastrophe“ gesprochen. Diese Äußerungen erklären sich insbesondere mit Blick auf die anspruchsvollen Programme WDR 3 und WDR 5. Weiter schreibt der „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass nun im Sender die Frage kursiere, was für ein Signal in die Belegschaft es sei, wenn Buhrow „ein Privatradiogewächs, das noch nie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gearbeitet hat“, zur Hörfunkdirektorin mache. Es gebe aber auch Stimmen, die besagten, „jemanden von außen zu holen, könne für frischen Wind sorgen“.

Schmitz, Piel, Pleitgen, Jenke, Brühl

Im Wikipedia-Eintrag zu Valerie Weber ist über ihre Hörfunkarbeit unter anderem zu lesen: „Bei Antenne Bayern gelang ihr eine deutliche Steigerung der Hörerzahlen. Webers Erfolg geht auf eine strenge Kommerzialisierung ihrer Sender zurück: Große Marketingaktionen reichten vom Abwerfen von Duftstoffen aus einem Flugzeug über dem Stuttgarter Sendegebiet bis zum Ausbau von eng mit der Werbeindustrie verknüpften Telefon-Gewinnspielen in allen Live-Sendungen.“ Als neue Hörfunkdirektorin des WDR übernähme Valerie Weber eine Position, die in den zurückliegenden Jahrzehnten Wolfgang Schmitz (seit 2007, Ausscheiden Ende April 2014), Monika Piel (1998 bis 2007), Fritz Pleitgen (1994 bis 1998), Manfred Jenke (1974 bis 1993) und Fritz Brühl (1960 bis 1974) innehatten.

Am 15. November erhielt Intendant Buhrow einen Brief von WDR-Redakteuren, in dem sie ihre Skepsis ausdrücken, ob Valerie Weber die geeignete Kandidatin für die Hörfunkdirektion sei. In dem Schreiben wird unter anderem gefragt, ob eine Radiomacherin wie Weber, „die ihre Erfolge ausschließlich im Privatfunk erzielt“ habe, „plötzlich überzeugte Anhängerin des öffentlich-rechtlichen Systems sein und es in diesen schwierigen Zeiten mit Leidenschaft führen und nach außen verteidigen“ könne. Der Brief soll von rund 150 Redakteuren unterschrieben worden sein. Tom Buhrow suchte daraufhin das direkte Gespräch mit den WDR-Mitarbeitern. Am 19. November traf er sich mit der Redakteursversammlung des Senders. Dabei verteidigte er Webers Nominierung und sagte, sie sei mit der WDR-Geschäftsführung abgestimmt.

Die Redakteursversammlung lud zudem alle betroffenen Kollegen und Mitarbeiter am 20. November zu einer außerordentlichen Redakteursversammlung ins Kölner WDR-Funkhaus am Wallrafplatz ein. In der Einladung zu der Versammlung hieß es mit Blick auf die Personalie Weber unter anderem: „Gegen die Berufung einer Vertreterin des kommerziellen Privatradios bestehen im Kreis der Redakteurinnen und Redakteure im WDR allerdings große Bedenken. […] Wir befürchten eine Kommerzialisierung und Verflachung aller WDR-Hörfunkprogramme, die einen Akzeptanzverlust bei unseren Hörerinnen und Hörern für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erwarten lassen.“ Die Versammlung beschloss eine Resolution, in der sie den Intendanten aufforderte, die Wahl zu verschieben.

Am 22. November (Freitag) tagt in Köln der Rundfunkrat des WDR, um über Buhrows Personalvorschläge zu entscheiden. Dies wird im nicht öffentlichen Teil der Sitzung geschehen. Anschließend wird die Rundfunkratssitzung mit einem öffentlichen Teil fortgesetzt.

• Text aus Heft Nr. 47/2013 der Funkkorrespondenz (heute:Medienkorrespondenz)

22.11.2013 – da/FK