Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis: Auszeichnungen für Anja Reschke und für „Kulturzeit“

11.05.2018 • Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus geht in diesem Jahr an Anja Reschke. Die 45-jährige Journalistin leitet die Abteilung Innenpolitik beim Fernsehen des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Sie moderiert das im Ersten gesendete Politmagazin „Panorama“ (ARD/NDR) und das Medienmagazin „Zapp“, das im Dritten Programm NDR Fernsehen ausgestrahlt wird. Anja Reschke werde, so die Jury, für ihre Überzeugungskraft und investigative Berichterstattung ausgezeichnet. Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Den mit 2500 Euro dotierten Sonderpreis vergab die Jury an die Redaktion des Magazins „Kulturzeit“ (3sat). Die diesjährigen Preisträger des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises wurden am 7. Mai bekannt gegeben.

Anja Reschke zeige als Moderatorin von „Panorama“ und Zapp“ „Haltung ohne Arroganz, Toleranz ohne Beliebigkeit und Stehvermögen ohne Sturheit“, so die Jury in ihrer Begründung zur Preisverleihung weiter. Reschke spricht auch Kommentare in den ARD-„Tagesthemen“. Diese Kommentare seien „klar, unmissverständlich und nicht belehrend“. Reschke mute den Zuschauern Meinung zu „und sie begründet sie auch“, schreibt die Jury. Und weiter: „Anja Reschke misstraut dem Mainstream. Sie vertraut der Überzeugungskraft und der aufklärenden Wirkung investigativer Berichterstattung. In Zeiten, in denen Journalismus unter generellen Lügenverdacht gestellt wird, stärkt sie als Innenpolitikchefin denjenigen Redaktionen den Rücken, die auch bei schwierigen Themen und trotz Gegenwind der Wahrheit auf der Spur bleiben.“

Zur Begründung der Vergabe des Sonderpreises an die Sendereihe „Kulturzeit“ schreibt die Jury unter anderem: „Mit ihrem Programm zeigen die Redaktionen der werktäglich ausgestrahlten ‘Kulturzeit’ ihren Zuschauerinnen und Zuschauern, dass es jenseits von politischen und wirtschaftlichen Interessen eine trag- und zukunftsfähige Dimension menschlichen Zusammenlebens gibt. Zwischen den hochaktuellen Nachrichtensendungen ‘Heute’ und ‘Tagesschau’ gelegen, trägt die Sendung „Kulturzeit“ (19.20 bis 20.00 Uhr) mit ihren weit über den Tag reichenden Themen wesentlich zum besseren Verständnis dieser tagesaktuellen Sendungen bei.“ Mit der grenzüberschreitenden Kooperation schweizerischer, österreichischer und deutscher Redaktionen nehme die „Kulturzeit“ dabei „eine besondere Stellung unter den Kultursendungen ein“. Die Jury hob in diesem Zusammenhang hervor, sie verstehe die Auszeichnung der „Kulturzeit“ von 3sat auch „als Ermunterung für ARD und ZDF, Kultursendungen stärker in den Mittelpunkt ihrer Fernsehprogramme zu stellen – gerade in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Unsicherheiten.“

„Fritz Pleitgen Lecture für unabhängigen Journalismus“

Mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis werden jedes Jahr Fernsehjournalisten für ihre kreative, kritische und unabhängige Arbeit geehrt. Die diesjährigen Auszeichnungen werden am 28. November beim NDR in Hamburg im Rahmen einer festlichen Veranstaltung den Preisträgern überreicht. Verliehen wird der Preis seit 1995 in Erinnerung an den früheren „Tagesthemen“-Moderator Hanns Joachim Friedrichs, der im März 1995 gestorben war. Der Verein zur Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus wurde damals von einem 16-köpfigen Freundeskreis gegründet. Heute hat der Verein rund 35 Mitglieder, die zugleich alle die Jury bilden. Vereinsmitglieder sind größtenteils aktive und ehemalige Fernsehjournalisten von öffentlich-rechtlichen Sendern. Vorsitzender des Vereins ist Claus Richter, 69, der früher für den WDR und das ZDF arbeitete.

Der Freundeskreis des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises teilte am 7. Mai außerdem mit, dass im Rahmen der Preisverleihung am 28. November eine „Fritz Pleitgen Lecture für unabhängigen Journalismus“ gehalten werde. Dies habe ebenfalls die Jury des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises entschieden. Der frühere Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR) solle mit dieser Lecture nicht nur für „seine große journalistische Leistung als Reporter und Korrespondent“ in Moskau, Ost-Berlin, Washington und New York und als Moderator des ARD-„Presseclubs“ geehrt werden. Die Jury sehe in Fritz Pleitgen auch „ein Vorbild für junge Journalisten und einen herausragenden Repräsentanten des öffentlich-rechtlichen Systems, der wie kaum ein anderer die wesentliche Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als Public Service nach innen wie nach außen beschrieben, betrieben, gefördert und verteidigt hat“. Bis heute, so die Jury, verkörpere Pleitgen ganz im Sinne von Hanns Joachim Friedrichs, die Idee von Unabhängigkeit und Verlässlichkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Pleitgen war am 21. März dieses Jahres 80 Jahre alt geworden.

11.05.2018 – da/MK

Print-Ausgabe 16/2018

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