Absolventen namens Gottschalk und Brinkbäumer: Kardinal Marx würdigt Arbeit der Journalistenschule ifp

11.02.2018 • Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, hat die Arbeit des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) gewürdigt. „Ich finde es wunderbar, dass wir als katholische Kirche hier eine profilierte und professionell gut aufgestellte Journalistenschule haben, die das gewisse Etwas – also die christliche Orientierung – mit einbringt“, erklärte Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, anlässlich des 50-jährigen Bestehen der Institution, das in diesem Jahr gefeiert wird. Das ifp in München wurde am 11. Oktober 1968 im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz gegründet. 1970 begann der erste Stipendiaten-Jahrgang seine Ausbildung an der Journalistenschule.

„Das ifp muss ein attraktiver Ausbildungsort für junge Menschen bleiben, die sich fragen, wie wir – auch als Kirche – Öffentlichkeit gestalten können. Wenn die Kommunikation und damit Öffentlichkeit in der Gesellschaft nicht mehr gelingt, ist das eine Gefährdung für unsere Demokratie“, sagte Marx am 29. Januar in München. Er äußerte sich im Rahmen eines ifp-Podiumsgesprächs mit dem TV-Entertainer Thomas Gottschalk, ifp-Absolvent des Jahrgangs 1974. Die Veranstaltung mit dem Titel „Reden wir über Gott?!“, die von der ZDF-Journalistin und ifp-Absolventin Anne Reidt moderiert wurde, fand in der Hochschule für Philosophie in München vor rund 300 Gästen statt. Das Podiumsgespräch bildete den Auftakt für die Jubiläumsfeierlichkeiten der Journalistenschule, deren Höhepunkt das ifp-Jahrestreffen im November in Rom sein wird.

„Neugierde und Interesse am Menschen“

Kardinal Marx verwies in München darauf, dass die Professionalität aber auch die Spiritualität, die im ifp vermittelt würden, die Journalistenschule auszeichneten. Dazu gehöre auch eine kritische Auseinandersetzung mit kirchlichen und politischen Themen. „Ich wünsche mir, dass es dem ifp und seinen Absolventen gelingt, eine mediale Öffentlichkeit herzustellen, in der ein – auch intellektueller – Diskurs möglich ist. Hierzu zählt für mich auch, die Frage nach Gott und seiner Beziehung zu den Menschen zu stellen“, so Marx. Gerade bei der Frage, wie die Welt gestaltet werden könne, damit sie den Menschen diene, spielten Medien eine wichtige Rolle. Für die Zukunft des ifp hoffe er auf Journalisten, die Neugierde und Interesse am Menschen hätten, um den Dingen auf den Grund zu gehen, wie sie sind, sagte der Kardinal: „Was ist die Wirklichkeit, wie ist etwas zu erklären, was ist die Wahrheit – um diese Fragen muss es gehen.“

Thomas Gottschalk erinnerte in dem Podiumsgespräch daran, dass Journalismus der Wahrhaftigkeit verpflichtet sein müsse. „Damals, als ich im ifp begann, spürte ich: Jetzt bist du in der dunklen Welt der Medien da draußen und musst lernen, mit ihnen umzugehen.“ Was er an Wertevermittlung durch das ifp erlebt habe, präge ihn bis heute, sagte Gottschalk. Es brauche heute mehr Mut, in der Öffentlichkeit über Gott zu reden. „An dieser Vermittlung von Gott in der Gesellschaft und den Medien trägt das ifp einen Anteil“, hob Gottschalk hervor, der seit einiger Zeit beim Bayerischen Rundfunk wieder als Hörfunkmoderator aktiv ist (im Programm Bayern 1 an jedem ersten Sonntag eines Monats).

Das ifp wurde aufgebaut, nachdem mit dem II. Vatikanischen Konzil (Oktober 1962 bis Dezember 1965) ein grundlegender Veränderungsprozess in der katholischen Kirche entstanden war, der sich auch auf die kirchliche Haltung zu den Medien auswirkte. Das führte dazu, dass die Kirche in Deutschland die institutionelle Förderung des publizistischen Nachwuchses in den Blick nahm. Im Jahr 1968 wurde dann das ifp durch die Bischofskonferenz gegründet, was auch maßgeblich auf die Vorarbeit des Jesuitenpaters Wolfgang Seibel zurückging, der von den Bischöfen zum ersten Institutsleiter berufen wurde. Diese Aufgabe hatte Seibel bis zum Jahr 1991 inne.

Bis heute rund 3000 Absolventen

Der 89-jährige Seibel, der an der Veranstaltung in München teilnahm, hob dort die Verbindung von Journalismus und Kirche hervor: Die Kirche müsse spätestens seit dem II. Vatikanischen Konzil immer um Selbstkritik und Reform bemüht sein. Wenn Journalisten Zustände in der Kirche kritisierten, dann sollten die Verantwortlichen dankbar dafür sein. Könne die Kirche dann doch zeigen, dass sie tatsächlich zu Selbstkritik und Reform fähig sei, sagte Seibel.

Bei der Veranstaltung am 29. Januar in München wurde auch der neue Geistliche Direktor des ifp, Helmut Rakowski, vorgestellt. Am 1. Januar trat der 55-Jährige das Amt an. Der Kapuzinerbruder, der zuvor im Vatikan Mitarbeiter im Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung war, war im April 2017 zum Geistlichen Direktor des ifp berufen worden (vgl. MK 9/17). Rakowski folgte hier auf Monsignore Wolfgang Sauer, der Ende 2017 beim ifp aus Altersgründen ausschied. Rakowski leitet nun das ifp gemeinsam mit dessen Journalistischem Direktor Bernhard Remmers.

Das jährliche Budget des ifp beträgt rund 2 Mio Euro, davon stammen, wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtete, etwa 1,6 Mio Euro aus Kirchensteuer-Einnahmen. Zirka 3000 Absolventen zählt das ifp bis heute. Neben Thomas Gottschalk gehören dazu beispielsweise „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, die ehemalige RBB-Intendantin Dagmar Reim, die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, Bettina Schausten, und Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung“.

11.02.2018 – MK