Klassenlose Unterhaltung

Interview mit Reinhold Beckmann, Sat‑1‑Programmdirektor Sport

Von Dieter Anschlag und Dietrich Leder
21.01.1994 •

In der FK-Interviewreihe zum Thema Programmplanung folgt auf Gespräche mit Vertretern von RTL, ZDF, West 3 und ARD (vgl. dieses Interview sowie FK-Hefte Nr. 13/93, 17/93 und 32/93) nun ein Gespräch mit dem Sat-1-Programmdirektor Sport, Reinhold Beckmann, geb. am 23.2.1956 in Twistringen bei Bremen. Beckmann ist gelernter Videotechniker. Er war während seines Studiums in Köln (Germanistik; Theater-, Film und Fernsehwissenschaften) als freier Mitarbeiter lange für das öffentlich-rechtliche Fernsehen tätig, vor allem für den WDR und für die ARD-„Sportschau“. Am 1. Dezember 1990 wurde er Sportchef beim Pay-TV-Sender Premiere. Zum 1. Februar 1992 wechselte Beckmann zum Privatsender Sat 1, bei dem er die Sportsendung „ran“ aufbaute, die seit der Saison 1992/93 die „Sportschau“ in der exklusiven Erstberichterstattung über die Fußball-Bundesliga abgelöst hat (vgl. FK-Heft Nr. 34/92) Seit Januar 1993 trägt Beckmann den Titel Sat-1-Programmdirektor Sport. Das Gespräch mit Reinhold Beckmann führten Dieter Anschlag und Dietrich Leder. • FK

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FK: Herr Beckmann, der Sender Sat 1 ist versprenkelt auf Mainz, Hamburg-Mexikoring, Hamburg-Jenfeld und Berlin, vielleicht sogar noch bis zur Betastraße in München, wo Leo Kirch residiert. Wie finden Sie bei diesem Standortchaos zu einer durchdachten Programmplanung?

Beckmann: Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Sat 1 bemüht ist, den komplizierten Föderalismus der ARD nachzuleben. Deshalb ist es wichtig, dass der Sender jetzt so schnell wie möglich zentralisiert wird. Es hat keinen Sinn, dass während der Arbeitswoche viele Kolleginnen und Kollegen mehr in der Luft als am Arbeitsplatz sind. Sat 1 wird dies aber im Rahmen des medienpolitisch Möglichen lösen: Die Zusammenlegung der einzelnen Programmbereiche in Berlin ist dafür der entscheidende Schritt.

FK: Welche Stellung hat der Programmplaner gegenüber den drei Programmdirektoren von Sat 1, also Heinz Klaus Mertes für Politik/Information, Knut Föckler für Unterhaltung/Eigenproduktion und Reinhold Beckmann für Sport? Diese drei Direktoren sind ja eigentlich autonom.

Der Sender muss zusammenfinden: Auf nach Berlin!

Beckmann: So ist es. Nun ist die Programmplanung der Sat-1-Programmdirektion Unterhaltung in Berlin zugeordnet. Der Programmplaner sitzt natürlich dort, wo das größte Programmvermögen geordnet werden muss. Und prozentual kommt das meiste nun einmal aus Berlin. Für den praktischen Arbeitsalltag wäre es jedoch schöner, wenn die drei Programmdirektoren in einem Haus säßen. Dann wäre eine tägliche Verständigung möglich. Speziell wenn es Probleme gibt, die schnell gelöst werden müssen. Das geht wirklich nur, wenn dieser Sender endlich zusammenfindet. Also: Auf nach Berlin!

FK: Wie läuft es denn bislang?

Beckmann: Man telefoniert sich manchmal schlicht wund. Aber wir sind diszipliniert genug, uns vernünftig abzustimmen.

FK: Wie läuft die Programmplanung bei Sat 1 angesichts der geschilderten Kommunikationsschwierigkeiten ab? Nehmen wir die Sportnachrichtensendung „täglich ran“, die immer nach den Hauptnachrichten, dem „Sat 1 Newsmagazin“, gesendet wird. Das „Newsmagazin“ wurde in den vergangenen Monaten kreuz und quer über die Sendeplätze geschoben. Und „täglich ran" musste das jedesmal mitmachen. Wie kann es zu so konfusen Sprüngen kommen?

Beckmann: Über den derzeitigen Programmplatz für „täglich ran“ – 19.19 bis 19.25 Uhr – bin ich sehr glücklich. Wir erreichen dort täglich, das heißt von montags bis freitags, 3 Millionen Zuschauer, manchmal sogar 3,5 Millionen. Wir leben natürlich auch davon, dass nach „täglich ran“ das „Glücksrad“ kommt und unsere Sportsendung dann beginnt, wenn die ZDF-Nachrichten „Heute“ gerade zu Ende sind. So gesehen ist dieser Sendeplatz für den täglichen Sport in Sat 1 großartig. Vorher war es wirklich ein heilloses Durcheinander. Drei Monate begann „täglich ran“ um 18.30 Uhr, dann drei oder vier Monate um 18.45 Uhr und zu Beginn gar um 19.00 Uhr zeitgleich gegen „Heute“. Das alles in nur 14 Monaten.

FK: Was wäre die ideale Platzierung für eine tägliche Sportsendung?

Beckmann: Ich halte den Ablauf zuerst News und dann Sportnachrichten immer für natürlich und gewachsen. Wir haben es umgekehrt versucht, doch davon bin ich nicht überzeugt. Das schafft eine falsche Wertigkeit, da bekommt der Sport auf einmal so etwas Besonderes und die Nachrichten verlieren ihren Stellenwert. Jetzt jedenfalls haben wir eine gute Aufteilung gefunden.

FK: Das viele Ausprobieren mit dem Platz für das „Newsmagazin“ und in dessen Gefolge für „täglich ran“ wirkte wie der hilflose Versuch, zwischen den betroffenen beiden Abteilungen, Information und Sport, Kompromisse zu finden.

Beckmann: Ich glaube eher, dass die Verantwortlichen damals nicht den Mut hatten, mit den News frühzeitig auf 19.00 Uhr zu gehen. Später haben wir es dann doch gemacht, und es läuft blendend. Aber es ist immer die Frage: Wie ist das Umfeld? Wir haben im vergangenen Jahr um 18.00 Uhr das Regionalprogramm gehabt, das jetzt auf 17.30 Uhr vorgerückt ist. Bis zu 3 Millionen Zuschauer haben sich dieses Regionalprogramm angeschaut. Von diesem guten Vorlauf profitierte natürlich auch das „Sat 1 Newsmagazin“. Die Ergebnisse der ersten Programmwoche 1994 sind vorzüglich. Die Entscheidung, das „Newsmagazin“ auf 19.00 Uhr zu legen, hat sich damit schon bewährt. Nur, für den Erfolg braucht man einen langen Atem. Quotenerfolge im Informationsbereich sind nicht in kürzester Zeit zu erwarten. Zur 19.00-Uhr-Platzierung kam es, weil wir der Meinung waren, dass um Sieben parallel zu „Heute“ unbedingt noch eine Gegenfarbe dazugehört.

FK: Was war der Fehler der alten Abfolge?

Das Revanchefoul der Frau für den Samstag

Beckmann: Der größte Fehler war, dass wir zwischen dem Regionalen und den News die tägliche Sitcom „Sugarbaker’s“ platziert haben. Hier wurde eine Zuschauerflucht möglich. Die Zuschauer der Regionalprogramme sind ausgestiegen, weil sie so ein junges amerikanisches Programm wie „Sugarbaker’s“ nicht sehen wollten. Und nach „Sugarbaker’s“ gab’s wieder einen kompletten Publikumsaustausch, weil die jüngeren Zuschauer anschließend nicht die News sehen wollten. Nebenbei hätten wir bei „Sugarbaker’s“ auch etwas genauer über den Titel nachdenken sollen. Einen amerikanischen Titel zu wählen, war sicher nicht gerade genial. Am besten funktionieren solche Schöpfungen wie „Eine verrückte, nette, schrecklich fiese Familie“.

FK: „Täglich ran“ fängt ungewöhnlicherweise zu einem ungeraden Minutentakt an…

Beckmann: …und ist erfolgreich. Vielleicht ist ein solcher ungerader Takt, weil es heutzutage keiner mehr macht, auch einfach eine ganz gute Irritation, die Aufmerksamkeit beim Zuschauer erzeugt. Die Anfangszeit von „täglich ran“ lautet seit Anfang 1994 verbindlich 19.19 Uhr. Diese Zahlenkombination sitzt besser als die vorherigen Anfangszeiten. Zum Glück haben wir in den ersten eineinhalb Jahren von „täglich ran“ keine besonderen Werbemaßnahmen entwickelt. Man stelle sich vor, wir hätten irgendwelche Aufkleber mit der Anfangszeit 18.30 Uhr oder 19.00 Uhr produzieren lassen und diese würden jetzt die deutschen Fußballstadien zieren. Wir hätten die Fußballrepublik wieder neu überkleben müssen.

FK: Gibt es überhaupt genügend Stoff für eine tägliche siebenminütige Sportsendung?

Beckmann: Wir haben eher große Probleme, weil es zu viel statt zu wenig Stoff gibt. Oft laufen die redaktionellen Diskussionen hauptsächlich darüber, was wir wirklich noch rausschmeißen müssen aus dem Programm. Eigentlich bräuchten wir eineinhalb bis zwei Minuten mehr Sendezeit für „täglich ran“. Wenn dienstags oder mittwochs im Fußball DFB-Pokal- oder Europapokalspiele stattfinden, hat man am nächsten Tag nicht genügend Zeit für eine umfangreiche Nachberichterstattung. Außerdem sollte in „täglich ran" auch Platz sein für ein Thema, das nicht unbedingt tagesaktuell ist.

FK: Die Sonntagsendung „ranissimo“ lief in der vorigen Saison in direkter Konkurrenz zur „Lindenstraße“ – und floppte. Ein Programmierungsfehler?

Beckmann: Inzwischen läuft „ranissimo“ sonntags nach der „Lindenstraße“, meistens um 19.15 Uhr. 19.10 Uhr wäre sicher noch besser, dann könnten die Zuschauer direkt nach dem Ende der „Lindenstraße“ von der ARD zu Sat 1 umschalten. Der Sonntag ist aber auch das Revanchefoul der Frau für den Samstag. Dort um 18.00 Uhr schaut der Kerl – und übrigens schauen inzwischen, wie wir wissen, auch immer mehr Frauen – die Fußball-Bundesliga bei Sat 1. Am Sonntag ist dann die Geduld der Frauen für die Fußballbegeisterung ihrer Männer aufgebraucht. Und die „Lindenstraße“ ist bekanntermaßen eine Sendung, die in erster Linie von Frauen gesehen wird. Dazu läuft im ZDF das Angebot „Mona Lisa“, ebenfalls eine Sendung für die Frau. Da hatte es „ranissimo“ zur alten Sendezeit natürlich schwer. Die „Lindenstraße“ erzielt Spitzenwerte von bis zu 11 Millionen Zuschauern. Das ist sensationell. Man kann dem WDR nur sagen: Glückwunsch und Gratulation, dass sie die Anfangskritik so gut ausgehalten haben! Das muss man dem Intendanten Friedrich Nowottny zugute halten.

FK: Der 19.15-Uhr-Termin für „ranissimo“ ist ja bisher noch nicht definitiv. Manchmal läuft die Sendung auch etwas früher. Das ist doch wieder halbherzig.

Geborgenheit im Ritual

Beckmann: Ja, wir sind mit „ranissimo“ erst versuchsweise auf 19.15 Uhr. Ich würde auch lieber grundsätzlich die Sendung um 19.15 Uhr beginnen lassen, zumal es viele Sonntagspiele in der Fußball-Bundesliga gibt, die wir dann immer auszugsweise in der Sendung präsentieren können. Allein aufgrund dieser Konstellation halte ich es für besser, mit „ranissimo“ um 19.15 Uhr zu beginnen. Außerdem ist „ranissimo“ eine Sat-1-Eigenproduktion, ein junges Produkt des Senders also, mit dem wir beweisen können, dass wir selber in der Lage sind, gutes Fernsehen zu machen. Der Zuschauer jedenfalls braucht ein verbindliches Programmschema. Wie sagt Knut Föckler, unser Programmdirektor Unterhaltung, an dieser Stelle immer gern: „Geborgenheit im Ritual.“ Deshalb lautet mein Vorschlag: 19.00 Uhr „Sat 1 Newsmagazin“ und danach „ranissimo“. Schließlich müssen wir auch im großen Wahljahr 1994 mit News am Sonntag präsent sein. Das „Glücksrad“ würde sich viel besser gegen die „Lindenstraße“ behaupten als „ranissimo“. Es ist überhaupt bemerkenswert, wie erfolgreich das „Glücksrad“ ist. Schon jetzt eine Kultsendung. Und besonders die Rolle der Maren Gilzer: einfach genial. Sie ist derart bekannt, ohne jemals ein einziges Wort gesprochen zu haben. Irgendwann wird Maren Gilzer 70 Jahre alt sein und sie wird immer noch die Buchstaben drehen – und wir werden sie alle lieben. Wenn ich allein an die Kultfigur der amerikanischen Version „Wheel of Fortune“ denke… Ich bin ganz sicher, dass wir noch viel Spaß am „Glücksrad“ haben werden. Darüber hinaus ist es eine Sendung, die Geld erwirtschaftet, das man wieder an anderer Stelle ins Programm investieren kann, um zum Beispiel neue Formate zu entwickeln.

FK: Das kulturelle Highlight „Glücksrad“ dürfte demnach nur schwer von seinem Sendeplatz zu verdrängen sein.

Beckmann: Vielleicht rutscht das „Glücksrad“ irgendwann in ein paar Jahren einmal ins Nachmittagsprogramm. Aber im Moment ist es bei über 6 Millionen Zuschauern eine Bank für Sat 1.

FK: Beim älteren Publikum kommt „ran“ nicht so gut an.

Die ideologische Auseinandersetzung im Wohnzimmer

Beckmann: Das hat sich inzwischen geändert. Das belegen die Quoten, die wir in den letzten Wochen vor der Winterpause erzielt haben. Mehrfach neue Rekordquoten, weit Über 8 Millionen Zuschauer. In der ersten Saison wurde auf dem Sofa daheim noch kräftig diskutiert über die Qualität von „ran“. Viele ältere Fußballfans haben uns zu Beginn abgelehnt, weil ihnen die Präsentation einfach zu modern, manchmal auch zu flippig war. Außerdem fehlte auf einmal das Ventil. Jahrelang haben sie über die ARD-„Sportschau“ geschimpft, ihren Frust ablassen können, jetzt war sie auf einmal nicht mehr da. Plötzlich war es schick, sich mit der alten, konservativen Berichterstattung der „Sportschau“ zu solidarisieren. Diese, ich will mal sagen, ideologische Auseinandersetzung im Wohnzimmer ist jetzt vorerst abgeschlossen. Die Söhne haben ihre Väter überzeugt. Außerdem haben wir nach anfänglichen Schwierigkeiten unseren Rhythmus gefunden und natürlich auch dazugelernt.

FK: Gibt es eine Zielvorgabe? Das heißt: Verlangen die Gesellschafter, um die Refinanzierung der teuren Bundesliga-Rechte zu schaffen, eine garantierte Zuschauerzahl für die Werbekunden?

Beckmann: Wir haben zunächst in der ersten Saison gesagt, wenn wir einen Durchschnittswert von 4 bis 4,5 Millionen Zuschauern erreichen, dann ist das in Ordnung. Nachdem wir dann fast 6 Millionen in der ersten Serie hatten, haben wir eigentlich nie wieder über dieses Thema gesprochen, weder im Aufsichtsrat noch in der Geschäftsleitung noch bei uns in der Redaktion. Der Quotendruck ist weg. Klar freut man sich immer wieder, wenn man einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt hat, und natürlich auch darüber, dass dann montags der Geschäftsführer anruft und gratuliert.

FK: Wie viel gibt der Markt her für „ran“?

Beckmann: Ich will mich hier nicht dazu verführen lassen, zweistellige Millionenzahlen zu versprechen. Für mich ist Kontinuität viel wichtiger, also dass wir häufig vor der Winterpause über 8 Millionen Zuschauer hatten. Uns fehlen aber immer noch rund 11 Prozent an technischer Reichweite. Sat 1 ist nicht überall in der Bundesrepublik zu sehen. Diese fehlenden 11 Prozent werden über die nächsten Jahre Stück für Stück abgebaut, und dann werden die Quoten sicher noch weiter wachsen.

FK: Das „Sportschau“-Niveau von 10 Millionen Zuschauern haben Sie noch nicht erreicht.

Beckmann: Das stimmt. Aber die „Sportschau“ hatte schließlich auch nicht immer 10 Millionen Zuschauer. Das war ein einmaliger Spitzenwert. Die „Sportschau“ hatte zum Beispiel in ihrer Topzeit manchmal auch 5 Millionen. Das Zuschauerpotenzial hängt sehr von der Jahreszeit ab. Jetzt in den Wintermonaten – Dezember, Januar, Februar – wird Fernsehen geguckt wie wild, zum Beispiel sonntags abends: Weit über 35 Millionen Menschen sind zu Hause und schauen fern – ein Riesenkuchen, von dem jeder natürlich etwas abhaben will.

FK: Wie erklären Sie sich den derzeitigen Fernsehboom?

Margarethe Schreinemakers als Bundeskanzlerin?

Beckmann: Das Fernsehen hat in einer Zeit der wirtschaftlichen Rezession und des Politikverdrusses eine neue Funktion. Den Politikern wird nicht mehr geglaubt, das Vertrauen ist nicht mehr vorhanden, also suchen die Zuschauer nach einer neuen Identität, nach neuen Vertrauenspersonen, wie zum Beispiel Margarethe Schreinemakers. Der unglaubliche Erfolg ihrer Sendung resultiert aus der guten Redaktionsarbeit und der beispiellosen Glaubwürdigkeit, die Margarethe beim Publikum hat. Wenn Margarethe sich morgen für das Amt der Bundespräsidentin zur Verfügung stellen würde, würde sie bei den Bürgern mehr Zustimmung erhalten als jede andere Politikerin oder jeder andere Politiker.

FK: Malen Sie den Teufel nicht an die Wand! Apropos Teufel: Wäre „ran“ beim privaten Marktführer RTL erfolgreicher als bei Sat 1?

Beckmann: Komisch, diese Frage ist mir in den letzten Monaten schon des öfteren gestellt worden. Klar, eigentlich würde auch „ran“ gut zu RTL passen. Aber RTL hat in all den Jahren, als der Sender die Fußballrechte hatte, keine große Liebe und Nähe für die Bundesliga bewiesen. Der Sport wird bei RTL noch heute nicht gut behandelt. Wir profitieren davon.

FK: Was wäre mit „ran“ bei einem kleineren Privatsender wie Pro Sieben? Würde es dort funktionieren? Wenn Leo Kirch es wollte.

Beckmann: Unsere jugendliche Umsetzung des Fußballs würde sicher auch zu Pro Sieben passen. Aber eine Verpflanzung macht überhaupt keinen Sinn. Inzwischen ist „ran“ ein gewachsenes Sat-1-Produkt. Und das wird in den nächsten Jahren auch so bleiben.

FK: Sat 1 hat sich doch mit der Fußball-Bundesliga einen Quotengaranten erkauft. Was wird denn sein, wenn eines Tages ein Pay-TV-Sender mehr bietet?

Fußball-Bundesliga exklusiv im Pay‑TV? Unmöglich!

Beckmann: Wenn der Deutsche Fußball-Bund sich morgen dazu entschließen sollte, die Bundesliga in der aktuellsten Form, also der exklusiven Erstverwertung, einem Pay-TV-Sender zu geben, dann würden einen Tag später 20 Prozent der DFB-Mitglieder ihren Austritt bekunden. Und weitere 24 Stunden später würde dann die erste Demonstration in Frankfurt in der Otto-Fleck-Schneise beim DFB stattfinden. Fußball-Bundesliga unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem Pay-TV-Kanal? Unmöglich!

FK: Mit der Refinanzierung der teuren Ware Fußball ist es aber nicht einfach. Als Werner Klatten in der „Süddeutschen Zeitung“ sinngemäß gesagt hat, die Fußball-Bundesliga hat Sat 1 in Schwierigkeiten gebracht, brachte das Klatten um seinen Posten als Geschäftsführer.

Beckmann: Es ging nicht nur um die Refinanzierung. Sicher hat das Interview mit zu Klattens Abgang beigetragen. Wobei nicht alles der Wahrheit entsprach, was er dort erzählt hatte. Fakt jedenfalls ist, dass wir eine ganz klare Haushaltsplanung darüber haben, was die Fußball-Bundesliga kostet, Lizenz plus Produktion. Das stand von vornherein fest.

FK: Und das ist auch nicht später in Höhen gestiegen, die vorher nicht kalkuliert waren?

Beckmann: Es ist keine Mark zu viel ausgegeben worden, im Gegenteil. Wir waren und sind sogar in der Lage, bestimmte Kosten noch weiter zu reduzieren. Die Kalkulation war also derart klar und richtig, dass man wirklich von einer optimalen Planung sprechen kann. Wir alle waren selber ganz überrascht, dass dies alles eingelöst werden konnte. Wir fahren die Produktion knallhart nach unserem Plan, den wir entworfen haben. Also: Beim Punkt Refinanzierung hat der Sport seine Pflicht erfüllt. Und jetzt kommt es darauf an, dass die Verkaufsabteilung dieses Produkt „ran“, das funktioniert – man sieht es an den Quoten –, gut nach außen verkauft. Sicher ist „ran“ keine billige Sendung für den Werbekunden, aber eine äußerst attraktive, weil eben enorm viele Zuschauer dabei sind und weil es auch eine imageträchtige Investition ist. Es ist sicher kein Geheimnis, dass RTL im letzten Jahr mehr erwirtschaftet hat als Sat 1. Das ist aber allein nicht mit dem Programm oder den höheren Marktanteilen zu begründen. Wir müssen in der Serviceleistung, also bei der Betreuung der Werbekunden, besonders den Sportverkauf weiter aufstocken.

FK: Tennis wird inzwischen inflationär im Fernsehen gesendet. Tennis ist auch ein Hauptstandbein beim Sat-1-Sport. Lohnt sich das noch?

Eine Bauchentscheidung für Basketball

Beckmann: Wir engagieren uns nur für die ganz besonderen Ereignisse, denn die Lage im Tennis hat sich wirklich völlig verändert. Viele haben geglaubt, der Boom würde noch mehrere Jahre weiterwachsen. Der Deutsche Tennis-Bund hat zu seinem Glück einen neuen TV-Vertrag mit der Ufa vor einem Jahr abgeschlossen. Heute würde der DTB nicht einmal die Hälfte des Geldes erwirtschaften können, das die Ufa noch zu zahlen bereit war. Auf die Beteiligung deutscher Spieler kommt es an. Ein Endspiel Stefan Edberg gegen Michael Chang irgendwo auf dieser Tenniswelt lockt in Deutschland zu wenige vor den Fernseher. Ein Michael Stich aber hat in den letzten Wochen des Jahres 1993 kräftig an Image und Erfolg zugelegt. Halbfinale und Finale des „Compaq Grand Slam“ wurden bei Sat 1 von mehr Zuschauern gesehen als zuvor der Davis-Cup bei den Öffentlich-Rechtlichen.

FK: Sat 1 hat neben Fußball und Tennis als dritten Sportschwerpunkt inzwischen Basketball aus den USA im Programm: in der Sendung „jump ran“. Wieso strahlen Sie Basketball am frühen Sonntag aus? Was haben Sie langfristig mit Basketball vor?

Beckmann: Wir haben diesen Termin gewählt, weil wir aktuell sein wollen. Wir können Spiele, die in den USA von Freitag auf Samstag stattfinden, damit sofort umsetzen, redaktionell bearbeiten und bei uns am Sonntag zeigen. Als Vollprogramm, speziell als Bundesliga-Sender, können wir uns grundsätzlich nicht erlauben, mit Sportereignissen erst eine Woche später auf dem Bildschirm präsent zu sein. Das kann vielleicht ein Sportkanal machen, der sich die Kassetten mit dem Flieger zuschicken lässt, sie dann noch einmal bearbeitet und dann sieht man vielleicht sieben Tage später endlich das Spiel der Chicago Bulls gegen die Phoenix Suns. Deshalb unsere Entscheidung: Basketball schon am Sonntag. Die nächste Frage, die sich dann stellte: Wann sind die Kids zu Hause und aus den Betten? 10.00 Uhr, so die Erfahrung nach den ersten Wochen, war einfach zu früh. Deshalb haben wir jetzt unser Programmschema umgestellt. Seit dem 9. Januar gibt es „jump ran“ at high noon. Die Werbeindustrie übrigens hat die Basketball-Sendung toll angenommen. Sie war sehr froh, dass Sat 1 ein neues jugendliches Format auf die Schiene gesetzt hat. Die Einbuchungen sind dementsprechend gut.

FK: Basketball ist noch stärker von seinen Stars abhängig als Fußball. Hat es Sat 1 nicht sehr getroffen, als nach „Magic“ Johnson auch noch Michael Jordan seinen Rücktritt bekanntgab?

Beckmann: Zuerst haben wir natürlich einen Schrecken bekommen und gedacht: Oh nein, das darf doch nicht wahr sein! Die Entscheidung, Basketball ins Programm zu nehmen, war eine absolute Bauchentscheidung. Im Sommer 1993 war ich mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zusammen in den Vereinigten Staaten und hatte die Gelegenheit, das Play-off Chicago Bulls gegen Phoenix Suns zu sehen. Ich bin am nächsten Tag sofort nach New York gefahren und habe mit den Verantwortlichen des amerikanischen Basketball-Verbands NBA gesprochen. Vier Wochen später hatten wir die Rechte zur Übertragung des amerikanischen Basketballs in Deutschland. Als dann aber der Rücktritt auch in Deutschland richtig zum Thema wurde, war mir klar: Basketball hat hierzulande einen echten News-Wert bekommen. Das kann nur gut für unser Programm sein. Die NBA hat solche Rücktritte immer wieder gut ausgleichen können. Als damals mit „Magic“ Johnson und Larry Bird zwei Kultfiguren des Basketballs ausstiegen, haben viele gedacht: Wo ist unser Michael Jackson des Basketballs? Aber nach „Magic“ Johnson kamen Michael Jordan und, etwas später dann, Charles Barkley. Und jetzt wird vielleicht Shaquille O’Neal oder gar Detlef Schrempf der neue Star des amerikanischen Basketballs.

FK: In den Fußballpausen im Sommer und Winter hat Sat 1 Sportlücken im Programm. Warum versuchen Sie es dort nicht mit anderen Sportarten, die sonst gerade von den Privaten immer ignoriert werden?

Fußball gehört zur Lebenskultur dieses Landes

Beckmann: Ich würde sehr gerne auch im Sommer und im Winter Sport programmieren. Die Vierschanzen-Tournee zum Beispiel ist ein tolles Ereignis, ein richtiges Kultereignis für Österreich und Deutschland. Das Neujahrsspringen im ZDF wurde am Nachmittag diesmal von über 7 Millionen Zuschauern gesehen. Fliegende Menschen zum Neujahrstag, das ist seit Jahren ein Fernsehritual. Ich glaube, dass man Ereignisse wie das Skispringen auch noch viel besser fotografieren, viel attraktiver umsetzen kann. Aber man braucht die Rechte. Und man kann sich nicht alles leisten.

FK: Sie setzen darauf, dass Sport im Fernsehen auch einen Ereignischarakter hat und es nicht nur auf einen durchgestrippten Fahrplan ankommt.

Beckmann: Na klar. Fußball zum Beispiel gehört zur Lebenskultur dieses Landes. Ein Stück klassenloser Unterhaltung vom Aufsichtsrat bis hin zum Türsteher. Ein Europapokalabend am Dienstag oder Mittwoch ist ein Stück Fußballoper, ein ganz besonderes Ereignis. Nehmen wir zum Beispiel die nächste Europapokalrunde mit UEFA-Cup-Spielen wie Borussia Dortmund gegen Inter Mailand oder in der Champions League Werder Bremen gegen AC Milan. Mit diesem Ereignisprogramm darf man das gestrippte ruhig verdrängen.

FK: Vom Sport zum anderen Programm: Gibt es konkret einen Tag bei Sat 1, an dem die Mischung derart stimmt, dass man von optimaler Programmplanung sprechen könnte?

Beckmann: Ich will es allgemeiner sagen: Die Primetime-Programmierung bei Sat 1 ist oft erfolgreicher als bei RTL. In den vergangenen Monaten haben wir in der Abendzeit häufig bessere Ergebnisse erzielt als die RTL-Kollegen in Köln. Die One-Man-Show vom Rhein hat aber einen Riesenvorteil, denn sie ist uns in der Tagesprogrammierung weit voraus, so zum Beispiel bei den Vormittagsprogrammen. RTL holt die ersten großen Marktanteile schon morgens zwischen 9.00 und 12.00 Uhr. Dann besonders zwischen 12.00 und 16.00 Uhr. RTL hat klugerweise alle seine Programme, die früher nachmittags oder am Vorabend erfolgreich liefen, in den Vormittag geschickt. Nachmittags dann die Eigenproduktionen, wie Hans Meiser oder jetzt Ilona Christen, die bereits am frühen Nachmittag ein Vertrauen und Zugang zum Sender aufbauen. Hier müssen wir aufholen. Tagsüber verlieren wir zu viele Marktanteile. Während unsere Primetime-Angebote, also von 19.30 bis 23.00 Uhr, häufig viel besser dastehen als die von RTL. Nehmen wir den Montag: mit Eigenproduktionen, zum Beispiel der „Bayer auf Rügen“ oder der erfolgreiche „Bergdoktor“; danach Jörg Wontorra mit der Eigenproduktion „Bitte melde dich!“. Oder der Donnerstag: mit „Wolffs Revier“, ausgezeichnet mit dem Adolf-Grimme-Preis; danach „Schreinemakers live“, ob sie nun bis 23.00 oder 24.00 Uhr oder jetzt bald bis zum Frühstücksprogramm durchsendet, ein Riesenerfolg, ein Stück Ereignisfernsehen. Margarethe schafft es, durch ihre Themen und ihre Vorgehensweise eine Programmidentifikation beim Zuschauer herzustellen.

FK: Ja, aufgrund des konzerneigenen Verbundes mit Springers „Bild“-Zeitung.

Beckmann: Letztlich will jeder, der eine Sendung oder ein Blatt macht, in erster Linie so eigenständig wie möglich sein Produkt zum Erfolg bringen und nicht abhängig sein von zwanghaften Synergie-Aktionen. Wenn eine Sendung gut ist und Erfolg hat, dann läuft der Medienverbund von selbst – ob mit Gruner+Jahr, mit Bertelsmann oder mit den Zeitungen des Axel-Springer-Verlags.

FK: Was wäre ein ideales Nachmittagsprogramm? Eines speziell mit Eigenformaten?

Journalistisches Handwerk beweisen

Beckmann: Ja, durchaus. Wir müssen vor allem dahin kommen, unser journalistisches Handwerk zu beweisen. Uns fehlt eine Vertrauensperson für den Zuschauer im Nachmittagsprogramm. Diese Rolle haben Hans Meiser und Ilona Christen bei RTL blendend übernommen.

FK: Und was passiert bei mehr Eigenproduktionen mit den Konserven aus dem Kirch-Keller?

Beckmann: Sat 1 hat nunmal ein hohes Maß an Programmverbindlichkeiten. Man kann nicht alles, was man früher an Filmen gekauft hat, heute einfach in den Keller werfen. RTL hat es da leichter. Durch RTL 2 und Vox können schnell mal große Programmverbindlichkeiten weggeparkt und dafür kann noch gutes Geld verlangt werden. Aber davon abgesehen wäre ich sehr dankbar dafür, sobald wie möglich am Nachmittag eine Eigenproduktion bei uns zu installieren. Aber keinen geklonten Meiser.

FK: Wie sollte ein echtes Gegenangebot zu RTL denn aussehen?

Beckmann: Priorität ist journalistische Glaubwürdigkeit, versehen mit einer eigenen Figur, die man selber gefunden hat. Und das ist unser Problem. Wir haben schon seit einem Jahr keinen neuen Typ mehr bei Sat 1 herausgebracht.

FK: Das jüngste Format ist „Schreinemakers live“.

Beckmann: Margarethe Schreinemakers, Ulrich Meyer und ich sind fast parallel gestartet in Sat 1. Alle drei stehen für ein neues Sat-1-Produkt. Diese Arbeit müssen wir wieder in Gang bringen. Wir müssen Formate entwickeln, die sich mit den gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen, und wir müssen natürlich den Mut haben, neue Gesichter, neue Figuren herauszubringen.

FK: Genau da ist Sat 1 alles andere als führend. Aber woher kommen neue Ideen? RTL orientiert sich Richtung USA.

Beckmann: Das ist nun mal deren Arbeitsweise. Das ganze RTL-Programm ist ein imitierter amerikanischer Warenkorb aus erfolgreichen Programmen von CBS, NBC und ABC. Aber RTL ist damit erfolgreich. Selbst das alte „Saturday Night Live“ haben sie jetzt übernommen, den Titel ebenfalls. Ein bisschen mehr Mut zur Eigenständigkeit täte RTL ganz gut.

FK: Gibt es gute Ideen, die nicht aus den USA stammen?

Beckmann: Klar. Aber über Programmideen redet man nicht coram publico, das wäre töricht. Wir werden auf alle Fälle unsere Laborarbeit verstärken, experimentieren, neue Formate ausprobieren. Nehmen wir die eigenproduzierten Serien von Sat 1. Ein unglaublicher Erfolg. Ein Verdienst von Thomas Teubner und Peter Gerlach. Die beiden arbeiten seit vielen Jahren mit Produzenten, Autoren und Regisseuren zusammen.

FK: Das Sat-1-Programm spricht insgesamt vor allem älteres Publikum an.

Beckmann: Moment mal! Da hat irgendwer die These erfunden, dass die Werbeindustrie angeblich nicht mehr dort bucht, wo ältere Zuschauer gucken, weil wiederum irgendein Wissenschaftler einmal behauptet hat, die Älteren würden keine neuen Marken mehr ausprobieren. Aber dafür gibt es inzwischen auch Gegenbeispiele aus den USA. Oder nehmen wir unsere Serie „Der Bergdoktor“. Eine Sat-1-Serie, die eher ältere anspricht, aber die Werbeindustrie bucht liebend gerne den Montagabend in Sat 1. „Ein Bayer auf Rügen“ oder auch „Wolffs Revier“ sind sicherlich jugendlicher angelegt. Aber zugegeben, wir haben im vergangenen Jahr unser Programm ganz wesentlich verjüngt. Nun muss man nicht den Fehler machen, auf einmal alle deutschen oder älteren Sachen aus dem Programm zu nehmen, nur weil RTL das irgendwann vorgemacht hat. Wir machen ein Vollprogramm.

Die älteren Zuschauer bei Sat 1, die jüngeren bei Pro Sieben

FK: Sat 1 gehört zum Beispiel mit Pro Sieben zu einer Senderfamilie, die offiziell nicht existiert, nämlich zu der von Kirch. Könnte es nicht sein, dass Kirch gar nicht will, dass Sat 1 zu sehr auf jugendorientiert getrimmt würde, weil dann speziell die hausinterne Konkurrenz für den Spielfilmsender Pro Sieben größer würde, der vor allem Jugendliche anvisiert?

Beckmann: Nein, überhaupt nicht. Es wird in Leo Kirchs Fernsehmanagement immer hineininterpretiert, dass er als der große „Medienmogul“ überall seine Hand draufhalten würde. Er ist natürlich interessierter Zuschauer unseres Programms und dazu ein großer Cineast mit einer großen Liebe fürs Kino. Es ist ein Vergnügen, mit ihm über alte und neue Produktionen zu diskutieren. Er weiß alles über Produktion, Schauspieler, Regisseure. Pro Sieben, um darauf zurückzukommen, spricht ganz zielgruppenorientiert junge Leute an. Und der wirtschaftliche Erfolg gibt dem Sender Recht. Aber Pro Sieben ist kein Vollprogramm.

FK: Wird über die Qualität von Sendungen überhaupt in der Geschäftsführung und der Programmdirektion von Sat 1 diskutiert?

Beckmann: Zugegeben, als ich vor zwei Jahren zu Sat 1 kam, war ich zu Beginn sehr erschrocken. Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein! Wir können doch nicht nur über Zahlen und Geld reden. Wir müssen mehr über das Produkt sprechen. Wir alle haben eine Verantwortung dafür, ob Sendungen gut gemacht sind oder nicht, das heißt, wir müssen uns auch handwerklich mit unseren Produkten auseinandersetzen: War die Regie schlecht, war der Moderator vielleicht der falsche, sind die Beiträge misslungen? Inzwischen aber wird in der Sat-1-Geschäftsleitung viel mehr über das Fernsehmachen diskutiert als noch vor geraumer Zeit.

Der Kanzler muss noch an Einschaltquoten zulegen

FK: Sat 1 gilt als politisch rechter Sender. Spielt das eine Rolle für Programm und Zuschauerakzeptanz? Sat 1 liegt ja zum Beispiel klar hinter RTL, das als sozialdemokratisch, als liberaler gilt.

Beckmann: RTL kokettiert ein wenig mit der Sozialdemokratie. Aber als Vollprogramm muss man ein pluralistisches Meinungsverständnis haben. Das Flirten mit irgendwelchen Parteien ist da total fehl am Platze.

FK: Was sagen Sie zur Bundeskanzlersendung von Sat 1, die das rechte Image unterstützt?

Beckmann: Auf alle Fälle hat der Sender dadurch eine publizistische Bedeutung hinzugewonnen. „Zur Sache, Kanzler“ ist eine Sendung, über die sehr viel diskutiert und aus der auch sehr viel zitiert wird. Jetzt muss der Kanzler natürlich noch an Einschaltquoten zulegen. Aber 1994 im Wahljahr sollte das kein Problem sein. Für den Fall, dass Helmut Kohl und Rudolf Scharping sich nicht zu einem gemeinsamen Fernsehduell trauen, gibt es bei uns schon eine Alternatividee: Kohl und Scharping im gemeinsamen Wettstreit in „ranissimo“. Beide sind erklärtermaßen Anhänger des 1. FC Kaiserslautern. Kohl gegen Scharping im gemeinsamen Elfmeterschießen und Fritz Walter als Schiedsrichter: Das wär's doch, oder?

• Interview aus Heft Nr. 3/1994 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

21.01.1994/MK