Hörspielpreis der Kriegsblinden 2018 für das SWR-Stück „Coldhaven“

17.05.2018 • Das Gewinnerstück des Hörspielpreises der Kriegsblinden 2018 ist „Coldhaven“ und stammt vom 63-jährigen schottischen Autor John Burnside. Produziert wurde „Coldhaven“ vom Südwestrundfunk (SWR), der das Stück am 16. Februar vorigen Jahres in seinem Programm SWR 2 ausgestrahlt hatte (vgl. MK-Kritik). Das Hörspiel wurde unter der Regie von Klaus Buhlert realisiert, der zusammen mit Bernhard Robben auch die Übersetzung des Textes aus dem Englischen besorgte. Neben „Coldhaven“ waren von der Jury noch die beiden Stücke „Gold. Revue“ (Deutschlandfunk/SWR) von Jan Wagner und „Geister sind auch nur Menschen“ (SRF) von Katja Brunner für den diesjährigen Hörspielpreis der Kriegsblinden nominiert worden. Den Sieger gab die Film- und Medienstiftung NRW, die den Wettbewerb zusammen mit dem Bund der Kriegsblinden Deutschlands (BKD) ausrichtet, am 17. Mai bekannt. Insgesamt hatten die Sender für den diesjährigen Wettbewerb 22 Stücke eingereicht; zudem gab es eine nachnominierte Einreichung durch die Jury. Der Preis wurde jetzt zum 67. Mal vergeben.

Schauplatz des Originalhörspiels „Coldhaven“ ist ein fiktives schottisches Küstendorf, das im Bann des geheimnisvollen Verschwindens der 15-jährigen Cari steht, die seit einem Jahr vermisst wird. Cari wurde zuletzt am Tag des traditionellen „Lammas-Festes“ mit dem 17-jährigen, grüblerisch veranlagten Martin gesehen, der allerdings von der Polizei entlastet wurde. Ein Jahr später ist wieder „Lammas-Fest“, doch Martin, den das Dorf weiterhin für schuldig hielt, ist tot. Ein namenloser Erzähler blickt auf die Geschichten im Dorf und verknüpft seine Erzählung mit subjektiven Monologen der Bewohner, unter anderem auch des toten Martin, der als Geist die Geschichte von damals erzählt. Mitwirkende in der Hörspiel (Redaktion und Dramaturgie: Manfred Hess/SWR) sind Felix Goeser, Johannes Silberschneider, Corinna Harfouch, Astrid Meyerfeldt, Christoph Heisler und Moritz Kienemann.

Eine Parabel auf das Gerücht

Zur Begründung ihrer Entscheidung, den Preis an „Coldhaven“ zu verleihen, schrieb die Jury des Wettbewerbs unter anderem, das Stück von John Burnside fasziniere „durch schwebende Ambiguität, sprachliche Präzision und akustische Lebendigkeit. Es ist gleichzeitig ein zupackendes Hörspiel über das Verschwinden zweier junger Menschen in einem fiktiven schottischen Dorf“. Das Hörspiel zeichne sich aus durch „ein vielschichtiges, dichtes Sprachgewebe, das dem Urgefühl des Mediums Radio nahekommt: dem Gefühl von Unbestimmtheit, Ungewissheit und Unheimlichkeit.“ Man frage sich: „Was ist hier wahr?“ In „Coldhaven“ werde die Geschichte eines Mordes „zur hautnah erlebten Parabel auf das Gerücht“.

Der Jury des Hörspielpreises der Kriegsblinden gehörten 15 Mitglieder aus dem Kreis des BKD und den Bereichen Kultur, Journalismus und Wissenschaft an. Der Peis wird am 29. Mai im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung beim Deutschlandfunk in Köln dem Gewinner überreicht. Im vorigen Jahr war die Auszeichnung übrigens an den 1990 geborenen belgischen Autor Lucas Derycke gegangen für sein Debütstück „Screener“ (WDR), in dem es um einen jungen Mann geht, der für ein großes Unternehmen aus dem Internet unangemessene Videoinhalte herausfiltert und sperrt (vgl. MK-Meldung). Der Hörspielpreis der Kriegsblinden wird seit 1952 jährlich an ein für einen deutschsprachigen Sender konzipiertes Originalhörspiel vergeben, das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert. Zu den früheren Preisträgern zählen unter anderem Christoph Schlingensief, Elfriede Jelinek, Ingeborg Bachmann, Milo Rau, Ror Wolf, Sibylle Berg und Paul Plamper. Das Stück „Coldhaven“ war von der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste im Januar bereits zum „Hörspiel des Jahres 2017“ gewählt worden (vgl. MK-Meldung).

Mitglieder der Jury des 67. Hörspielpreiseses der Kriegsblinden waren: Blinde Juroren: Hans-Dieter Hain, Paul Baumgartner, Joachim Günzel, Dietrich Plückhahn, Thade Rosenfeldt, Siegfried Saerberg und Christa Schmidt; Fachkritiker: Gaby Hartel (Kulturwissenschaftlerin), Diemut Roether („epd medien“), Eva-Maria Lenz (freie Journalistin), Thomas Irmer (freier Journalist), Doris Plöschberger (Suhrkamp-Verlag), Isabel Zürcher (Kritikerin und Lektorin), David Denk („Süddeutsche Zeitung“) und Jenni Zylka (freie Journalistin und Moderatorin).

17.05.2018 – da/MK