Deutscher Fernsehpreis 2016: ZDF mit sieben Auszeichnungen erfolgreichster Sender

15.01.2016 •

15.01.2016 • Am 13. Januar wurden in Düsseldorf die Auszeichnungen des Deutschen Fernsehpreises 2016 vergeben. Der von den Sendern ARD (WDR), ZDF, RTL und Sat 1 ausgerichtete Wettbewerb fand nun zum 17. Mal statt. Die Veranstaltung ging erstmals nach einem neuen Konzept über die Bühne, das heißt in kleinerem Rahmen in Düsseldorf statt wie früher in Köln-Ossendorf, mit erweitertem Kategoriensystem und ohne Fernsehübertragung der Preisgala (alle Nominierungen siehe diese MK-Meldung).

Erfolgreichster Sender war diesmal das ZDF, das insgesamt sieben Preise erhielt, davon ging einer auch an ZDFneo. Das Erste Programm der ARD lag mit fünf Auszeichnungen auf Rang 2. Dahinter folgte mit drei Preisen und damit als bester Privatsender Vox. Je zwei Preise gab es für RTL und Sat 1. Jeweils eine Auszeichnung ging an das Dritte Programm NDR Fernsehen, an Pro Sieben und an den Nachrichten- und Dokumentationskanal N 24, der damit bei diesem Wettbewerb erstmals überhaupt einen Preis erhielt. Der Schriftsteller und Investigativ-Journalist Günter Wallraff bekam den Ehrenpreis der Stifter. Am 14. Januar war im ARD-Spartenprogramm Eins Festival (WDR) ab 21.45 Uhr eine halbstündige Zusammenfassung von der Preisverleihung zu sehen.

Was RTL-Chef Frank Hoffmann nicht mehr lesen möchte

Federführender Sender für die Preisverleihung war in diesem Jahr RTL. Dessen Geschäftsführer Frank Hoffmann ging in seiner einleitenden Ansprache noch einmal auf das veränderte Konzept für den Deutschen Fernsehpeis ein. „Wir würden uns sehr freuen“, sagte Hoffmann, „wenn am Ende in Erinnerung bleibt, dass wir stolz sein können auf unser Programm und dass wir dabei gar nicht gestört werden von irgendwelchen Schlagzeilen im Nachhinein so nach dem Motto: ‘Der Fernsehpreis hat schon wieder Zuschauer verloren.’ Das wollen wir in Zukunft nicht mehr lesen.“ Die Interessen der Sender und die Interessen der Zuschauer seien nicht unter einen Hut zu bekommen gewesen, begründete der RTL-Chef den Entschluss zur Abschaffung der Fernsehübertragung der Gala.

Weiter sagte Frank Hoffmann in Düsseldorf: „Ich hab das ganz oft erlebt beim Fernsehpreis, dass ich rausgegangen bin und gedacht hab: ‘Mensch, ich muss den Fernseher noch öfter einschalten, denn es gibt so viel Schönes zu entdecken!’ Und wir möchten dazu beitragen, dass wir das alles in Erinnerung behalten. Wir möchten Impulse setzen, wir möchten ausloten: Was hat den Zuschauer bewegt und was sollte uns Fernsehmacher bewegen? Und in diesem Sinne ist der Fernsehpreis zu verstehen. Ein Fernsehpreis, der übrigens auch so ein bisschen Pilotcharakter hat, zumindest der Abend hier heute, denn das ist ein ganz neues Konzept: der erste Deutsche Fernsehpreis außerhalb eines Fernsehstudios. Und ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Konzept in Serie geht, wenn wir das öfters erleben.“

Die einzelnen Preisträger des Deutschen Fernsehpreis 2016 in den diversen Kategorien im Überblick:

1) Bester Fernsehfilm

• Nackt unter Wölfen (ARD/MDR/WDR/SWR/BR/Degeto)

2)  Beste Serie

• Club der roten Bänder (Vox)

3) Beste Schauspielerin

Ina Weisse für Ich will dich (ARD/WDR) und Ein großer Aufbruch (ZDF)

4) Bester Schauspieler

Jonas Nay für Deutschland 83 (RTL) und Tannbach – Schicksal eines Dorfes (ZDF)

5) Beste Comedy/Kabarett

• Die Anstalt (ZDF) mit Max Uthoff und Claus von Wagner

6) Beste Unterhaltung Primetime

• Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt (Pro Sieben) mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf

7) Beste Moderation Unterhaltung

Barbara Schöneberger für die Moderation von Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle (RTL)

8) Beste Unterhaltung Late Night

• Neo Magazin Royale (ZDF/ZDFneo) mit Jan Böhmermann

9) Bestes Factual Entertainment

Die Höhle der Löwen (Vox)

10) Beste Information

An der Grenze – 24 Stunden an den Brennpunkten der Flüchtlingskrise (N 24)

11) Beste Persönliche Leistung Information

Michel Abdollahi für seine Reportage Im Nazi-Dorf und seine Straßenaktionen im Kulturjournal (NDR Fernsehen)

12) Bestes Infotainment/Talksendung

Menschen bei Maischberger (ARD/WDR) mit Sandra Maischberger

13) Beste Dokumentation/Reportage

Asternweg – Eine Straße ohne Ausweg aus der Reihe Die große Samstagsdokumentation (Vox)

14) Beste Sportsendung

Geheimsache Doping – Im Schattenreich der Leichtathletik (ARD/WDR) und Wie Russland seine Sieger macht (ARD/WDR), zwei Dokumentationen von Hajo Seppelt

- Personalkategorien -

15) Beste Regie

Lars Becker für Zum Sterben zu früh (ZDF)

16) Beste Kamera

Ngo The Chau für Zum Sterben zu früh (ZDF)

17) Bestes Buch

Magnus Vattrodt für Ein großer Aufbruch (ZDF) und Das Zeugenhaus (ZDF)

18) Bester Schnitt

Ulf Albert für Altersglühen – Speed Dating für Senioren (ARD/WDR/NDR)

19) Beste Musik

Stefan Will und Marco Dreckkötter für Mordkommission Berlin 1 (Sat 1)

20) Beste Ausstattung

Max Wohlkönig (Kostüm) und Matthias Müsse (Szenenbild) für Mordkommission Berlin 1 (Sat 1)

Förderpreis (dotiert mit 15.000 Euro)

Hubertus Koch für seine zuerst im Internet (bei YouTube) zu sehende Reportage Süchtig nach Dschihad über ein Flüchtlingslager in Syrien; eine Fernsehversion der Reportage war dann unter dem Titel Syrien – ein schwarzes Loch und im Ersten Programm der ARD und im WDR Fernsehen zu sehen.

Ehrenpreis der Stifter

Günter Wallraff für sein Lebenswerk

15.01.2016 – MK
Keine TV-Übertragung mehr: Der Deutsche Fernsehpreis 2016
Nicht mehr in Köln-Ossendorf: Preisverleihung am 13. Januar in Düsseldorf in den Rheinterrassen
Ehrenpreis für Günter Wallraff (re.): Die Laudatio hielt NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (li.)
Im Zeichen von „Star Wars“: Show-Einlage beim Deutschen Fernsehpreis 2016
Und R2-D2 war auch da Fotos: da/MK