Alexander Adolph/Eva Wehrum/Rainer Kaufmann: Schwartz & Schwartz – Mein erster Mord (ZDF)

Starkes Duo, schwacher Krimi

02.11.2018 • Mads Schwartz (Golo Euler) arbeitet für den Berliner Kriminaldauerdienst. Welche Routinearbeit der Polizist dabei verrichten muss, zeigt das stimmungsvolle Intro der Pilotfolge der neuen Kriminalfilmreihe „Schwartz & Schwartz“, mit der das ZDF auf seinem Samstagskrimi-Sendeplatz um 20.15 Uhr für zusätzliches Profil sorgen will. Das Konzept scheint zunächst aufzugehen. Man schaut diesem akribisch vorgehenden Gesetzeshüter gerne über die Schulter, als er in die Villa des prominenten Frauen- und Kinderarztes Robert Jasper (Ulrich Noethen) gerufen wird, dessen Ehefrau Giulia (Petra van de Voort) während einer rauschenden Party plötzlich gestorben ist. Offenbar erlag sie an einem allergischen Schock.

Die gewissenhafte Arbeitsweise von Mads Schwartz beeindruckt seine Vorgesetzte Petra Steinle (Lisa Martinek) offenbar so sehr, dass sie den fähigen jungen Polizisten kurzerhand befördert. Das frisch gebackene Mitglied der Mordkommission soll nun gegen Robert Jasper ermitteln, der verdächtigt wird, seine Frau ermordet zu haben. Für Mads Schwartz ist es die titelgebende erste Mordermittlung. Doch schneller als erwartet wendet sich das Blatt. Als Schwartz den Gynäkologen entsprechend den Anweisungen seiner Vorgesetzten Steinle verhört, wird ihm genau das nachher als so ungeschickt ausgelegt, dass er gleich wieder degradiert wird. Schwartz ist irritiert.

Nein, diese unausgegorene Geschichte, die hier beginnt, ist nicht wirklich prickelnd. Glücklicherweise hat dieser ZDF-Samstagskrimi aber noch eine Überraschung parat. Wie sich herausstellt, ist auch Mads’ Bruder Andi Schwartz (Devid Striesow) in den Fall verwickelt. Der halbseidene Privatdetektiv hatte eine Affäre mit der Frau von Robert Jasper, den er jetzt auf eigene Faust des Mordes überführen will. Um dabei auch an Informationen aus den polizeilichen Ermittlungen zu gelangen, verwanzt er kurzerhand das Handy und den Dienstcomputer seines Bruders, den er dadurch in allergrößte Schwierigkeiten bringt.

Nun ja, das wirkt alles ziemlich fahrig. Doch wenigstens die Grundidee dieses neuen Formats ist nicht uninteressant. Die Krimireihe spielt mit dem Reibungspotenzial zwischen zwei gegensätzlichen Brüdern. Golo Euler, trotz zahlreicher TV-Auftritte ein angenehm unverbrauchtes Gesicht, und der trotz seiner Megapräsenz immer wieder überraschende Devid Striesow sind ein starkes Duo. Leider entbehrt die Inszenierung von Rainer Kaufmann, der mit dem Kinofilm „Die Apothekerin“ (1997) bekannt wurde, daraufhin viel Durchschnittsware ablieferte und lediglich mit den Kluftinger-Krimis Akzente setzen konnte, jeglicher Eleganz. Schauplätze wie die Villa und die Praxis des angesehenen Frauenarztes Robert Jasper sollen mondän und trendy erscheinen, strahlen hier aber keine Atmosphäre aus.

Die Geschichte stammt aus der Feder von Alexander Adolph und Eva Wehrum, die für das ZDF in gewisser Weise auch Kriminaldauerdienst leisten: So zeichnen die beiden Autoren verantwortlich für teilweise interessante Reihen wie „Unter Verdacht“, „Marie Brand“ und „München Mord“. Der Auftakt zum neuen Format erscheint von der handwerklichen Ausarbeitung allerdings recht grob gestrickt und vorhersehbar. Tritt beispielsweise Mads’ neue Kollegin bei der Mordkommission, Iris Doppelbauer (Brigitte Hobmeier), zunächst als abweisende Zicke auf, so kann man die Uhr danach stellen, dass gerade sie sich später als hilfsbereit erweisen wird.

Das Hauptproblem bei diesem Film (5,86 Mio Zuschauer, Marktanteil: 19,7 Prozent) ist die defizitäre Zeichnung des Bösewichts. Ein PR-Video der Praxis stellt ihn als prominenten Gynäkologen vor. Später entpuppt er sich dann als perverser Mad Scientist, der im verschlossenen Hinterzimmer seiner Villa Frauen betäubt und sich dabei filmt, wie er sie missbraucht. Dabei benutzt er martialisch aussehende, chromblitzende medizinische Instrumente, wie sie auch der psychotische Frauenarzt in dem Horror-Meisterwerk „Die Unzertrennlichen“ (1988) verwendet hat. Diese abgründige Phantasie des kanadischen Horror-Feinmechanikers David Cronenberg erscheint in der verwursteten ZDF-Version allerdings ziemlich prätentiös. In dieser schlecht abgekupferten Rolle des übergriffigen Mediziners kann selbst ein profilierter Darsteller wie Ulrich Noethen nur chargieren.

Ein gewisses Potenzial hat immerhin auch die zweite Hauptfigur Andi Schwartz. Das ist auch kein Zufall, denn dieser chaotische Privatschnüffler, der mit skurrilen Methoden ans Ziel kommt und dabei lügt, dass sich die Balken biegen, ähnelt dem einst von James Garner gespielten Detektiv Rockford – dessen Name nicht zufällig auch im Film genannt wird. Trotz dieser Verbeugung vor einer humorvollen amerikanischen Krimiserie ist der Witz in „Schwartz & Schwartz – Mein erster Mord“ (Produktion: Bavaria Fiction) eher plump. So versucht Andi, nachdem er bei seinem Bruder Unterschlupf gefunden hat, sich nützlich zu machen und montiert ein Bücherregal an die Wand – das aufgrund der nicht sehr gründlichen Arbeitsweise dann auch prompt zusammenbricht.

Die Hauptdarsteller dieses neuen ZDF-Samstagskrimis sind gut, sie können aber in diesem uninspirierten und teilweise kruden Auftaktfilm nicht zeigen, was in ihnen steckt. Die Nebenfiguren erscheinen unausgegoren. Nicht glaubhaft ist beispielsweise, dass die schwäbelnde Chefin der Mordkommission den zwielichtigen Arzt Robert Jasper wie eine Sektenanhängerin deckt, weil der ihrem kranken Kind geholfen hat. Da knirscht es heftig im Getriebe dieser hingeschluderten Krimigeschichte, die zuweilen an eine mediokre Vorabendserie erinnert. Fazit dieses Auftaktfilms: Starkes neues Duo, schwacher Krimi.

02.11.2018 – Manfred Riepe/MK

Print-Ausgabe 23/2018

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