USA: 50 Mio Haushalte empfangen Baby-TV

29.05.2015 •

Amerikanische Kinderärzte halten es nicht für angeraten, Kinder im Alter von unter zwei Jahren vor den Fernseher zu setzen. Die Ärzte sind der Überzeugung, dass Kleinkinder vom Umgang mit Eltern und Geschwistern mehr Anregungen empfangen. Doch beim Thema Kleinstkinder und Fernsehen sieht die Wirklichkeit anders aus.

Die Kaiser Family Foundation, eine gemeinnützige Forschungseinrichtung zur öffentlichen Gesundheitsaufklärung, hat in einer Studie festgestellt, dass die meisten Babys beträchtliche Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Dabei ist das traditionelle Fernsehen das bevorzugte Medium. Für amerikanische Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren gibt es genauere Erhebungen. Für sie wurde eine TV-Nutzungszeit von wöchentlich 25 Stunden ermittelt. Viele Sendungen der Kinderprogramme Disney Channel, Nickelodeon und Nick Jr. sowie neuerdings auch von Netflix und Amazon konkurrieren täglich um die Aufmerksamkeit von Kleinkindern.

Überwiegend Animationsendungen

Schon seit dem Jahr 2006 gibt es in den USA überdies den speziell auf Kinder unter vier Jahren orientierten Sender Baby First TV, der inzwischen über 90 verschiedene Programmformate anbietet und seit kurzem allein in den Vereinigten Staaten in 50 Mio Haushalten empfangbar ist. In den ersten Jahren seiner Existenz war die Verbreitung von Baby First TV ziemlich begrenzt auf die direkt empfangbaren Satelliten-Networks DirecTV und Dish Network. Inzwischen haben die Eigentümer des Baby-Senders jedoch Eingang bei mehreren Kabelfernsehbetreibern gefunden, insbesondere bei Time Warner Cable und bei Comcast. Auch weltweit hat sich Baby First TV ausgedehnt: Es ist derzeit in 35 Staaten und in zehn Sprachen zu empfangen.

Die von Baby First TV angebotenen Programmbeiträge sind in ihrer Länge der Aufmerksamkeitsspanne von Kleinstkindern angepasst und bestehen überwiegend aus kurzen Animationssendungen. Der Hauptakzent liegt auf der Vermittlung rudimentärer Fähigkeiten im Umgang mit Zahlen, Vokabular, Formen und Farben. Viele Sendungen sind rein visuell orientiert. Da sie wenig oder gar keine Dialoge enthalten, lassen sie sich auch leicht auf dem internationalen Markt verwenden, ohne große Kosten zu verursachen. In einem Gespräch mit dem „Wall Street Journal“ sagten Guy Oranim und Sharon Rechter, die beiden Gründer des Networks, die jährlichen Betriebsausgaben von Baby First TV seien geringer als die Kosten für eine einzige Episode der HBO-Serie „Game of Thrones“. Das sind rund 7,5 Mio Dollar (6,7 Mio Euro).

29.05.2015 – Ev/MK

Print-Ausgabe 6-7/2020

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