AGF will auch die Nutzung von YouTube-Videos messen

22.05.2015 •

Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) will künftig auch die Nutzung von Videos erfassen, die über YouTube abrufbar sind. Insbesondere aufgrund der zunehmenden Verbreitung von mobilen Endgeräten würden die Abrufe von Online-Videos kontinuierlich relevanter, begründete die AGF am 27. April ihr neues Vorhaben. Hinzu komme, dass es neben den klassischen Fernsehprogrammen immer mehr Video-Portale und Streaming-Kanäle gebe. Angesichts dieser ständig wachsenden Vielfalt drängte laut AGF die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) auf einen einheitlichen crossmedialen Standard. Im AGF-Vorstand ist die OWM mit ihrem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Uwe Storch (Ferrero Deutschland) repräsentiert. Vor dem Hintergrund der heutigen Kampagnenplanung sei es für die Werbetreibenden unumgänglich, die Nutzungszahlen von Online-Videos in das AGF-System zu integrieren, erklärte Storch.

Gesellschafter der in Frankfurt am Main ansässigen Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung sind die ARD, das ZDF, die Pro Sieben Sat 1 Media AG und die RTL-Gruppe. Die AGF beauftragt die in Nürnberg ansässige Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit der Erhebung der Einschaltquoten der Fernsehsender hierzulande, inklusive der zeitversetzten Nutzung aufgezeichneter Sendungen. Dazu wird ein TV-Panel mit insgesamt 5000 Haushalten unterhalten. Seit 2013 lässt die AGF außerdem vom Marktforschungsunternehmen Nielsen messen, wie oft Sendungen über die Online-Mediatheken von ARD und ZDF sowie von Pro Sieben Sat 1 und der RTL-Gruppe angesehen werden (vgl. auch FK 47/13). In ihrem Internet-Angebot veröffentlicht die AGF die wöchentlich meistgenutzten zehn Sendungen der Streaming-Portale, die von den AGF-Gesellschaftern betrieben werden (unter anderem ZDF-Mediathek und RTL Now).

Mit ihrem neuen Vorhaben hat sich die AGF nun zum Ziel gesetzt, künftig „konvergente Netto-Reichweiten für TV und Online-Video unter Einbeziehung von YouTube und anderen Online-Bewegtbild-Anbietern auszuweisen“. Erste Ergebnisse des Projekts von AGF und YouTube, das im Besitz von Google ist, soll es noch in diesem Jahr geben. Um einen einheitlichen Standard bei der TV-Bewegtbild-Nutzung einführen zu können, plant die AGF, die wichtigsten Messelemente in diesem Bereich methodisch miteinander zu vereinen. Neben dem bestehenden AGF-Fernsehpanel gehört dazu Nielsens Panel zur Messung der Mediatheken-Abrufe und das von der GfK betriebene Crossmedia-Panel mit zirka 19.000 Haushalten, über das unter anderem Google die Mediennutzung auswerten lässt. Über das Crossmedia-Panel erhebt die GfK die Nutzung von Fernsehen, Internet und auch Print. Bei den beiden ersten Bereichen werden die Abrufe über Computer und mobile Endgeräte erfasst (die Print-Nutzung wird einmal jährlich über einen Fragebogen erhoben).

„Ein extrem ambitioniertes Projekt“

Für den Bereich Online-Video will die AGF ein sogenanntes „virtuelles ‘Mega-Panel’“ schaffen, in dem dann die erhobenen Daten aus dem Nielsen-Panel und dem Crossmedia-Panel der GfK vereint werden. Die Zusammenführung der Paneldaten wird durch einen weiteren Dienstleister erfolgen, dessen Namen die AGF nicht bekannt gab. Das „Mega-Panel“ soll so konzipiert werden, dass es möglich ist, künftig noch weitere externe Datenquellen einzubinden.

Aus Sicht der AGF-Vorstandsvorsitzenden Karin Hollerbach-Zenz (Pro Sieben Sat 1 Media AG) ist das aktuelle Vorhaben „ein extrem ambitioniertes Projekt“. Nur mit der Einbeziehung von Marktteilnehmern jenseits der TV-Sender lasse sich ein crossmedialer Standard schaffen, der auch zukünftig den komplexen Marktanforderungen gerecht werde. Lars Lehne, der bei Google Deutschland als Direktor das Agenturgeschäft verantwortet, verwies darauf, dass Online-Inhalte und klassisches Fernsehen „von den Nutzern schon lange und selbstverständlich ergänzend oder parallel genutzt“ würden: „Uns ist es wichtig, eine Beurteilungsgrundlage für Werbetreibende zu schaffen, die dem massiven Anstieg der Nutzung von Online-Bewegtbildinhalten gerecht wird.“

22.05.2015 – vn/MK

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