Öffentlich-rechtliche Verrenkungen

14.12.2017 •

«Einen ARD-Intendanten gibt es, der heute nicht mit einer Google-Beschimpfung zitiert wird, Jan Metzger von Radio Bremen. Er war beim Medienpolitischen Colloquium in Köln zu Gast und habe dort, so Oliver Jungen in der FAZ, den „bohrenden Nachfragen“ Lutz Hachmeisters standgehalten.

„Metzger setzt sich seit längerem für eine starke eigene Plattform ein, wozu die Auflösung des Mediatheken-Durcheinanders gehört. Einstweilen aber sei das Ausspielen öffentlich-rechtlicher Inhalte bei Facebook oder YouTube (Google) geboten, weil die Sender – darin steckte eine Bankrotterklärung – viele Menschen nur noch über diesen Umweg über amerikanische Privatunternehmen erreichten.“

Eine eigene Plattform – das wäre was. Denn, da hat Jungen mit „Bankrotterklärung“ Recht, der Status quo folgt wirklich einer eigenwilligen Logik: Die Öffentlich-Rechtlichen nutzen YouTube und Facebook exzessiv als Vertriebsweg, stellen ihren eigenen Jugendkanal bei YouTube ein, der deshalb von vielen gar nicht als öffentlich-rechtliches Angebot wahrgenommen werden dürfte, wundern sich dann, dass die jungen Leute nicht aufs lineare Programm anspringen, und dann bekämpft man gemeinsam mit den Verlegern „die wahren Gegner aus Übersee“, die, evil, wie sie sind, „unsere Inhalte kannibalisieren“.

Wenn es als Paartherapie für das duale System hilft – schön. Aber aus der Halbdistanz gesehen kommt man bei diesen Verrenkungen einfach nicht mit.»

Klaus Raab in der Online-Medienkolumne „Das Altpapier“ vom 14. Dezember 2017

14.12.2017 – MK

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