SWR-Intendant Peter Voß fordert engeren Verbund von ARD und ZDF

18.11.2005 •

SWR-Intendant Peter Voß will eine engere Kooperation von ARD und ZDF. Das sagte er am 9. November 2005 auf einer Veranstaltung des 10. Mainzer Medien-Disputs (vgl. Wortlaut hier). Voß schwebt „eine gemeinsame öffentlich-rechtliche Marke“ vor, nur unter einem solchen Dach hätten beide Rundfunkanstalten künftig in der Welt des vielgestaltigen digitalen Fernsehens noch eine Chance, wahrgenommen zu werden, sagte er zur Begründung.

Den Wunsch von ZDF-Intendant Markus Schächter, der künftig von deutscher Seite wieder alleine das bisher gemeinsam mit der ARD produzierte Kulturspartenprogramm 3sat veranstalten will (vgl. FK-Heft Nr. 41/05), lehnt Voß deswegen ab. Für ihn sei dieser Plan illusorisch. Der SWR hat auf Seiten der ARD die Federführung für 3sat. An dem Sender sind außerdem der Österreichisches Rundfunk (ORF) und die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) beteiligt. Voß sagte, es werde sich im übrigen immer ein Ministerpräsident finden, der dem Ausbooten der ARD bei 3sat nicht zustimmen werde.

Das ZDF und die Dritten Programme

Beim ZDF beruft man sich dagegen auf eine Protokollnotiz zum 8. Rundfunkänderungsstaatsvertrag vom April 2005. Darin forderten alle Bundesländer – bis auf Baden-Württemberg – ARD und ZDF zu Vorschlägen auf, wie das ZDF künftig wieder alleine für 3sat die Zuständigkeit erhalten könne. Da dies von der ARD aber abgelehnt wird, tritt das Vorhaben des ZDF bislang auf der Stelle. Mittelfristig, so wird gemutmaßt, wolle das ZDF 3sat in eine Art ZDF 2 umwandeln, um – ähnlich wie die ARD mit den Dritten Programmen – eine zusätzliche Abspielfläche zu haben, die beispielsweise auch für Experimente genutzt werden kann. Was dies dann für die bisherige Beteiligung von ORF und SRG bedeutet, ist die Frage.

Was Peter Voß unter einer „gemeinsamen öffentlich-rechtlichen Marke“ versteht, dazu sagte er in Mainz nichts Konkretes. Er bot seinem Intendantenkollegen Schächter freilich an, das ZDF könne sich möglicherweise an den Dritten Fernsehprogrammen der ARD-Anstalten beteiligen. Der Leiter der Unternehmenskommunikation des ZDF, Alexander Stock, meinte dazu am 16. November auf FK-Nachfrage, diesen Vorschlag habe der SWR-Intendant sicherlich nicht ganz ernst gemeint. Stock: „Wir bewerben uns jedenfalls nicht um Sendeplätze in den Dritten Programmen der ARD.“ Stock betonte aber auch Gemeinsamkeiten: „Die Interessen von ARD und ZDF liegen dicht beieinander.“ Daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern.

Über eine Aufteilung der bisher gemeinsam von ARD und ZDF – sowie zum Teil anderen Partnern – veranstalteten Spartenkanäle (3sat, Kinderkanal, Phoenix, Arte) wurde schon vor einigen Jahren in einigen Staatskanzleien diskutiert. Bereits Dieter Stolte hatte als ZDF-Intendant ein eigenes Programmbouquet für das ZDF gefordert. Damals hatte Peter Voß seinen Vorschlag, dass ZDF könne bei den Dritten Programmen der ARD mitmachen, erstmals ins Gespräch gebracht und war damit beim Zweiten auf Ablehnung gestoßen.

Text aus Heft Nr. 46/2005 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

18.11.2005 – FK

Print-Ausgabe 24/2019

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