Drei Kandidaten für Intendantenwahl beim Bayerischen Rundfunk

29.09.2020 •

Für die bevorstehende Intendantenwahl beim Bayerischen Rundfunk (BR) gibt es drei Kandidaten. Dabei handelt es sich um Katja Wildermuth, beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) Programmdirektorin am Standort Halle, um Christian Vogg, beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) in Zürich Chief Data Officer und Bereichsleiter ‘Dokumentation und Archive’, und um BR-Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel. Die drei Namen gab der Rundfunkrat des öffentlich-rechtlichen Senders am 17. September bekannt. Das 50-köpfige Gremium wählt den Intendanten des BR für eine fünfjährige Amtsperiode.

Bis zum 15. September konnten die Rundfunkratsmitglieder Kandidaten für das Intendanten­amt vorschlagen. Nach Ablauf der Vorschlagsfrist wurden die benannten Personen gefragt, ob sie bereit sind, sich der Wahl zu stellen. Wildermuth, Vogg und Frenzel sagten zu. Das Intendantenamt beim Bayerischen Rundfunk, der viertgrößten ARD-Landesrundfunkanstalt, muss zum 1. Februar 2021 neu besetzt werden. Der 59-jährige Ulrich Wilhelm, der seit Anfang Februar 2011 an der Spitze des Senders steht, hatte im Juli erklärt, nicht für eine dritte Amtsperiode zu kandidieren (vgl. MK-Meldung).

Katja Wildermuth, Christian Vogg und Albrecht Frenzel

Die Intendantenwahl findet in der nächsten Sitzung des Rundfunkrats statt, die für den 22. Oktober angesetzt ist. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Intendantenwahl, die in nicht öffentlicher Sitzung stattfinden wird. Um vom Rundfunkrat, dem 16 Frauen und 34 Männer angehören, zum BR-Intendanten gewählt zu werden, muss ein Kandidat die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalten. So ist es im Bayerischen Rundfunkgesetz festgelegt, das die Rechtsgrundlage des BR ist. Eine einfache Mehrheit hat derjenige, der mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen bekommt. Das heißt, nähmen alle Rundfunkratsmitglieder an der Intendantenwahl teil, die dann allesamt gültige Stimmen abgäben, wären mindestens 26 Stimmen zu erreichen, um die Wahl für sich zu entscheiden.

Dass nun in der Nachfolge von Wilhelm eine Frau zur Chefin des Bayerischen Rundfunks gewählt werden müsse, dazu hatte schon im Juli das BR-Frauennetzwerk „Female for Future“ die Rundfunkratsmitglieder aufgefordert. Der BR-Rundfunkratsvorsitzende Lorenz Wolf erklärte ebenfalls im Juli, er habe für das Intendantenamt keine Präferenz, aber: „Ich würde mich über eine Intendantin freuen.“ Seit seiner Gründung vor über 70 Jahren wurde der Bayerische Rundfunk bislang stets von Männern geleitet. Unzufrieden zeigte sich jetzt das BR-Frauennetzwerk darüber, dass „es bei den vielen hochqualifizierten und bestens geeigneten Frauen, die für diese Position im Gespräch waren, nur eine auf die Wahlliste geschafft hat“. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Sanne Kurz, die dem BR-Rundfunkrat angehört, sagte der „Augsburger Allgemeinen“ (Ausgabe vom 18.9.2020), umso wichtiger sei es jetzt, dass sich die Reihen fest hinter Frau Wildermuth schlössen.

Erwartet wird, dass sich das Rennen um das BR-Intendantenamt zwischen Katja Wildermuth und Albrecht Frenzel entscheiden wird. Christian Vogg werden eher Außenseiterchancen zugeschrieben. Bei drei Kandidaten, die allesamt aus dem öffentlich-rechtlichen System kommen, dürfte es wahrscheinlich im ersten Wahlgang noch keine Entscheidung geben. Das weitere Wahlprocedere ist in der Geschäftsordnung des BR-Rundfunkrats geregelt: Erhält keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit, gibt es zwischen den beiden Bewerbern mit der größten Stimmenzahl eine Stichwahl.

Möglicherweise gibt es eine Stichwahl

Auch in der Stichwahl muss die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreicht werden, um zum Intendanten gewählt zu sein. Erhält auch hier keiner der Kandidaten die nötige Mehrheit, gibt es laut der Geschäftsordnung des Rundfunkrats maximal zwei weitere Stichwahlen. Ist dann immer noch kein Intendant gewählt, „ist die Wahl in der nächsten regulären Rundfunkratssitzung zu wiederholen, es sei denn, der Rundfunkrat entscheidet, dass ein neues Vorschlagsverfahren [...] einzuleiten ist“. In allen Wahlgängen gelten Enthaltungen als abgegebene Stimmen, ungültige Stimmen als nicht abgegebene Stimmen.

Katja Wildermuth, geboren 1965 in Berlin, studierte Deutsch, Geschichte und Sozialkunde an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort arbeitete sie nach ihrem Staatsexamen als Dozentin am Institut für Alte Geschichte, wo sie auch promovierte. Im Jahr 1994 kam Wildermuth als Journalistin zum MDR. Sie war bei der Drei-Länder-Anstalt für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zunächst als Autorin tätig, darunter für das Politikmagazin „Fakt“ und das Boulevardmagazin „Brisant“, die beide vom MDR fürs Erste Programm der ARD zugeliefert werden. 2001 wurde sie beim MDR fest angestellte Redakteurin im Bereich ‘Zeitgeschehen’, 2004 Chefin der Redaktion ‘Geschichte und Dokumentarfilm’.

Ende 2016 wechselte Wildermuth zum Norddeutschen Rundfunk (NDR) und übernahm dort die Leitung des Programmbereichs ‘Kultur und Dokumentation’. Anfang April 2019 kehrte sie zum MDR zurück. Sie wurde bei dem Sender Programmdirektorin mit Sitz in Halle; seither verantwortet sie die crossmedial aufgestellten Bereiche ‘Kultur’ und ‘Wissen’. Zuständig ist Wildermuth darüber hinaus für die ‘Jungen Angebote’ des MDR, für die Radiosender MDR Jump und MDR Klassik und für die Klangkörper der Rundfunkanstalt. Bei der europäischen Rundfunkunion EBU (Sitz: Genf) gehört sie dem Vorstand der Documentary Group an. 

Aus dem öffentlich-rechtlichen System kommend

Albrecht Frenzel, 1966 in Gießen geboren, begann seine berufliche Laufbahn 1986 als Volontär der „Schwäbischen Zeitung“ (Sitz: Ravensburg). Für das Regionalblatt arbeitete er noch zwei Jahre als Redakteur, bevor er ab 1990 an der Universität Konstanz Verwaltungswissenschaften studierte. Nach seinem Studium war er zwei Jahre lang wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Im Jahr 1998 promovierte er zum Dr. phil. an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg. Bereits Anfang 1998 war er als Trainee zum damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR) in Stuttgart gekommen. Im Oktober desselben Jahres wurde er beim Südwestrundfunk (SWR), der zu diesem Zeitpunkt aus der Fusion von SDR und Südwestfunk (SWF) entstanden war, Referent des Verwaltungsdirektors.

Im Oktober 1999 ging Frenzel zum deutsch-französischen Kulturkanal Arte nach Straßburg, wo er zuerst als Referent für Unternehmensplanung, anschließend als Leiter der Multimedia-Redaktion arbeitete. Im Jahr 2002 wechselte Frenzel als Leiter der Intendanz zum NDR. Dort wurde er 2006 Verwaltungsdirektor. Die gleiche Position übernahm Frenzel dann am 1. Januar 2015 beim Bayerischen Rundfunk. Im Mai 2019 wurde er vom BR-Rundfunkrat für eine zweite fünfjährige Amtsperiode als Verwaltungsdirektor wiedergewählt (bis Ende 2024).

Christian Vogg, geboren 1965 in Augsburg, volontierte nach dem Abitur beim „Kirchenboten“ in Osnabrück und beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München, der Journalistenschule der katholischen Kirche. Er studierte ab 1988 Politik, Islamwissenschaft und Ethnologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und promovierte dort zum Dr. phil. im Jahr 1993. Anschließend arbeitete er wieder für den „Kirchenboten“ und auch beim niedersächsischen Privatsender Radio FFN.

Im Jahr 1994 kam Christian Vogg zum Westdeutschen Rundfunk (WDR) nach Köln. Er wurde bei dem Sender Redakteur und Reporter, 2005 dann Referent des damaligen WDR-Intendanten Fritz Pleitgen. Im Jahr 2007 übernahm er die Leitung der von ihm mitaufgebauten WDR-Mediathek. Anfang 2012 wurde er Metadaten-Koordinator beim WDR und entwickelte ein Konzept zur Datenvernetzung von Redaktion, Technik und Verwaltung. Im September desselben Jahres wechselte Vogg zur EBU nach Genf und wurde Chef des Radiobereichs. Seit Januar 2017 leitet er beim SRF in Zürich den Bereich ‘Dokumentation und Archive’. Zugleich ist er bei der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt als Chief Data Officer für das Datenmanagement zuständig.

29.09.2020 – vn/MK

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