ARD/ZDF-Jugendangebot: Konzept bis Ende April

20.03.2015 •

Bis Ende April wollen das ZDF und die ARD ein gemeinsames Konzept für das neue Online-Jugendangebot erstellt haben, das zu betreiben die Ministerpräsidenten die öffentlich-rechtlichen Anstalten beauftragen werden. Er werde das Konzept dann in der Fernsehratssitzung am 29. Mai „zur Abstimmung vorlegen“, erklärte ZDF-Intendant Bellut am 13. März in Mainz. Arbeitsgruppen kümmerten sich darum, die Konzeption zu entwickeln. „Wir selbst haben schon relativ klare Vorstellungen“, so Bellut. Der Intendant äußerte sich auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung des ZDF-Fernsehrats, die erstmals öffentlich war.

Mitte Oktober vorigen Jahres hatten die Ministerpräsidenten der Bundesländer nach rund zweijährigen Beratungen beschlossen, ARD und ZDF den Start eines Online-Jugendangebots zu ermöglichen. Im Gegenzug werden die digitalen Fernsehkanäle Eins Plus (ARD) und ZDFkultur eingestellt. Das von den Anstalten vorgelegte Konzept für ein crossmediales, auf Basis eines linearen TV-Programms betriebenen Jugendangebots hatten die Regierungschefs damals abgelehnt. Teil ihres Beschlusses von vor sechs Monaten war auch, dass das vorgesehene Online-Projekt von ARD und ZDF jährlich maximal 45 Mio Euro kosten darf (vgl. FK 43-44/14). Vom Gesamtbudget wird die ARD zwei Drittel tragen, also bis zu 30 Mio Euro; das ZDF wird ein Drittel und somit maximal 15 Mio Euro beisteuern. Die Sender wollen das neue Projekt aus dem Bestand finanzieren, so dass dafür keine neue Rundfunkbeitragsmittel beantragt werden müssen. Die Federführung für das Projekt hat der Südwestrundfunk (SWR), der zweitgrößte ARD-Sender.

Prüfverfahren zum Online-Projekt?

Gestartet werden könnte das neue Angebot, das auch mit den ARD-Jugendradios vernetzt werden soll, frühestens im Lauf des Jahres 2016. Die Länder müssen für das neue Projekt zunächst die rechtliche Grundlage schaffen und dabei auch den Auftrag für das Angebot festschreiben. Alle 16 Länder müssen einer entsprechenden Änderung des Rundfunkstaatsvertrags zustimmen. Vorgesehen ist, dass die Länder den Staatsvertrag so überarbeiten, dass ARD und ZDF das Online-Jugendangebot direkt in Betrieb nehmen können, ohne dass sie zuvor noch einen Drei-Stufen-Test von ihren Aufsichtsgremien durchführen lassen müssen.

Mit einem solchen Verfahren müssen die Gremien von ARD und ZDF seit Juni 2009 prüfen, ob die Sender neue Online-Angebote starten dürfen. Dabei ist laut Rundfunkstaatsvertrag unter anderem zu untersuchen, ob das vorgesehene Angebot „den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht“ und „in welchem Umfang durch das Angebot in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beigetragen wird“.

Dass dieses Testverfahren für das Jugendangebot nicht gelten soll, stößt vor allem bei den kommerziellen Radios und den Zeitungsverlegern auf Kritik. Sie sehen sich durch das geplante Angebot in ihren Geschäftsaktivitäten zum Teil deutlich beeinträchtigt. Nach Auffassung des Kölner Medienrechtlers Karl-Eberhard Hain ist es nötig, dass die Länder das Jugendangebot von ARD und ZDF, wenn sie es direkt beauftragen wollen, in einem öffentlichen Konsultationsverfahren prüfen. In diesem Verfahren müssten dann auch die Auswirkungen des neuen Angebots auf den Markt untersucht werden. Ein solcher Weg sichert laut Hain ab, dass das Beihilferecht der Europäischen Union berücksichtigt werde.

Gründungsgeschäftsführer Florian Hager

Für das neue Jugendangebot haben ARD und ZDF nun konkret eine Lenkungsgruppe und eine Konzept-Arbeitsgruppe gegründet. Der Lenkungsgruppe gehören vier Vertreter der ARD und zwei des ZDF an, darunter beispielsweise ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Die Konzept-AG hat neun Mitglieder; sechs davon entsendet die ARD, drei das ZDF. Intendant Bellut zufolge wird das ZDF in Kürze eine Beauftragte für das Jugendangebot berufen. Um wen es sich dabei handelt, wurde noch nicht bekannt gegeben. Der Gründungsgeschäftsführer steht hingegen schon fest: In dieses Amt beriefen die Intendanten von ARD und ZDF Florian Hager.

Der 38-Jährige Hager arbeitet seit Juli 2009 beim deutsch-französischen Kulturkanal Arte in Straßburg. Zunächst war er dort als Projektleiter für den Aufbau der Internet-Plattform „Arte Creative“ zuständig. Anfang Januar 2011 wurde er Hauptabteilungsleiter Neue Medien. Seit September 2012 ist er bei Arte stellvertretender Programmdirektor und Hauptabteilungsleiter Programmplanung TV+Web.

Hager hat Medientechnik, Informatik und Multimedia in Stuttgart studiert. Seine berufliche Laufbahn begann er im Oktober 2002 als Redakteur beim damaligen ZDF-Dokukanal im Bereich Dokumentationen und Kurzfilme (das Programm wurde im November 2009 in ZDFneo umgewandelt). Parallel zu seiner beruflichen Arbeit studierte er Publizistik und Filmwissenschaft in Mainz und Paris. Von Juli 2006 bis Juni 2009 war Hager Referent von Gottfried Langenstein, der seit dem Jahr 2000 beim ZDF als Direktor Europäische Satellitenprogramme amtiert und von 2007 bis 2010 zusätzlich Präsident von Arte war (seit 2011 ist Langenstein Vizepräsident von Arte).

20.03.2015 – vn/MK