Gerhard Weis, früherer ORF‑Generalintendant

30.07.2019 •

Der frühere Generalintendant des Österreichischen Rundfunks (ORF), Gerhard Weis, ist am 26. Juli im Alter von 80 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Das teilte der ORF am 30. Juli mit. Weis wurde am 1. Oktober 1938 in Wien-Brigittenau geboren. Seine journalistische Laufbahn startete er 1958 als Zeitungsjournalist. 1967 kam er zum ORF, bei dem er zunächst als innenpolitischer Redakteur arbeitete und eine Karriere mit diversen Stationen bis zum Generalintendanten durchlief.

Ab 1973 leitete Weis die ORF-Hauptabteilung Öffentlichkeitsarbeit, von 1974 bis 1978 war er Intendant für das erste Fernsehprogramm. 1979 übernahm er die Leitung der Abteilung ‘Öffentlichkeitsarbeit, Koordination und Unternehmensplanung’ in der ORF-Generalintendanz. Zugleich wurde er auch Chefredakteur in der Generalintendanz. Die Verwirklichung des Gemeinschaftsfernsehprojekts 3sat (mit dem deutschen ZDF und der Schweizer SRG; später kam die ARD hinzu) und die Gründung des ORF-Teletexts fielen unter anderem in diese Periode. Im März 1992 wurde Weis Intendant des ORF-Landesstudios Wien. Dort sorgte er unter anderem dafür, dass das vom ORF betriebene Radio Wien zum Sender Neues Radio Wien ummodelliert und auf den Wettbewerb mit den Privatradios vorbereitet wurde. Ab Oktober 1994 war Weis als ORF-Hörfunkintendant tätig; seit Februar 1997 war er darüber hinaus Generalsekretär der Rundfunkanstalt.

Im September 1998 wurde Gerhard Weis dann ORF-Generalintendant. Bis 2001 hatte er diese Position inne (deren Bezeichnung dann nach einer Reform in ‘Generaldirektor’ geändert wurde). Weis wurde seinerzeit als ORF-Chef Nachfolger von Gerhard Zeiler, der zum 1. November 1998 als neuer Geschäftsführer bei RTL Television in Köln antrat und bei dem deutschen Privatsender Helmut Thoma ablöste (vgl. diese FK-Meldung und diese FK-Meldung). „In seiner Amtszeit als Generalintendant hat Weis das öffentlich-rechtliche Profil des ORF gestärkt“, so der Sender in seiner Mitteilung.

Dass Gerhard Weis Kunst und Kultur und deren Vermittlung an alle Bevölkerungsschichten ein besonderes Anliegen waren, spiegelte sich auch in seinem Engagement bei den Vereinigten Bühnen Wien wider, deren Aufsichtsratsvorsitz er bis zuletzt über zwei Jahrzehnte innehatte. Bis zuletzt war Gerhard Weis auch Vorsitzender des Kulturbeirats von ‘ORF III Kultur und Information’. Er habe in den vergangenen Jahren wesentlich zur Erfolgsgeschichte dieses Fernsehprogramms beigetragen, so der ORF. Ehrenamtlich war Weis ab 2003 als journalistischer Leiter der österreichischen Katholischen Medien-Akademie (KMA) tätig.

„Der Tod von Gerhard Weis macht mich tief betroffen“, sagte der amtierende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Er würdigte das umfangreiche Schaffen des Verstorbenen: „Gerhard Weis war einer der großen Architekten eines modernen, vielfältigen und relevanten ORF. Er hat nicht nur die Regionalisierung und ‘Verösterreicherung’ vorangetrieben, sondern den ORF auch als Fenster zur Welt etwa mit der Teilnahme an 3sat aufgebaut. Er hat Info-, Kultur- und Wissenschaftssäulen errichtet, auf denen das ORF-Programm heutzutage noch ruht. Und er hat in einer Zeit der schnell wachsenden Konkurrenz die Grundsteine für die erfolgreiche Flottenstrategie des Unternehmens gelegt. Ohne Gerhard Weis wäre der ORF heute nicht einer der erfolgreichsten öffentlich-rechtlichen Sender Europas. Er war ein Kämpfer für einen starken ORF und hat sich immer aufrecht für zukunftsorientierte Rahmenbedingungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit voller Energie eingesetzt.“

30.07.2019 – MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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