Hörspiel des Monats Januar: „Blowback“ crossmedial

20.02.2015 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das crossmediale Stück „Blowback“ von Elodie Pascal zum Hörspiel des Monats Januar gewählt. Die Produktion besteht aus zwei Komponenten: dem Hörspiel „Blowback – Der Auftrag“ und der dazugehörigen Hörgame-App „Blowback – Die Suche“. Ausgestrahlt wurde das Hörspiel, bei dem Elisabeth Putz, die sich als Autorin Elodie Pascal nennt, auch Regie führte, am 19. Januar von 0.05 bis 1.00 Uhr im Programm von Deutschlandradio Kultur (vgl. MK-Kritik). Das Hörspiel wurde von Deutschlandradio Kultur produziert, die Hörgame-App entstand in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Creative Media der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury:

«Das Hörspiel ist keinesfalls vom Aussterben bedroht, wie es immer wieder gern behauptet wird. Für das Interesse einer jungen Generation an der akustischen Kunstform zeugt eine wachsende alternative Hörspielszene mit ihren unabhängigen Festivals, Verlagen und Internet-Plattformen. Altmodisch ist nicht das Hörspiel selbst als vielmehr die traditionellen Wege seiner Verbreitung. Denn die Generation der Digital Natives hört schon längst nicht mehr vor dem Radiogerat und zu festen Zeiten, sondern mobil auf ihrem Smartphone, per Stream, Podcast oder wieder vermehrt in Gemeinschaft. Umso wichtiger ist es, dass sich die Hörspielabteilungen mit diesen neuen Rezeptionsbedingungen auseinandersetzen und der technologischen Entwicklung durch neue Formate Rechnung tragen. Das ist dem Deutschlandradio Kultur mit seinem neuesten Experiment bestens gelungen.

Blowback – die Suche“ verbindet geschickt ein Science-Fiction-Hörspiel, das den Kampf um die letzten Trinkwasserreserven im Jahr 2047 zum Thema hat, mit einem modernen Game für das Handy. Besonders an dem Game ist: Es handelt sich um ein reines Hör-Game. Ausgestattet mit guten Kopfhörern und einem Interface, das visuell nur die wichtigsten Tools zur Navigation anzeigt, begibt man sich auf den virtuellen Audiowalk, navigiert durch die verschiedenen Levels, die verschiedenen Etagen des unterirdischen Hotels. Die Skills für das erfolgreiche Spielen sind konzentriertes Zuhören und ein guter akustischer Orientierungssinn.

Damit hat das Team von Deutschlandradio Kultur zusammen mit der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft nicht nur den Begriff „Hör-Spiel“ beim Wort genommen und neu interpretiert, es hat auch die schon fast vergessene Technik der Kunstkopf-Stereophonie wieder ins Leben gerufen und darauf aufmerksam gemacht, dass diese 40 Jahre alte Technik in Zeiten von mobilen Endgeräten ein Comeback erfahren kann: in der Game-Industrie, aber auch im Bereich der Audio-Guides und der akustischen Kunst überhaupt. Blowbackschlagt Brücken zwischen unterschiedlichen Medien und Szenen. Das Hörspiel wird an die Welt der Games herangeführt, während die Game-Industrie vielleicht von der Radiokunst lernen und eine ihrer typischsten Gestaltungsformen für sich entdecken kann: die Narration, die alleine durch Gestaltung von und dem Spiel mit akustischen Hörräumen gelingt.»

20.02.2015 – MK

Print-Ausgabe 6-7/2020

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