Die NDR-Produktion „SIREN_web_client.exe“ ist Hörspiel des Monats März

09.04.2021 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „SIREN_web_client.exe“ von Christine Nagel zum Hörspiel des Monats März benannt. Die Ursendung erfolgte am 10. März um 20.05 Uhr im Programm NDR Kultur (vgl. MK-Kritik). Bei dem 55-minütigen Stück führte Christine Nagel auch Regie (Komposition: Peter Ehwald). Realisiert wurde das Hörspiel vom NDR (federführend) in Koproduktion mit dem Deutschlandfunk; für die Dramaturgie war Michael Becker (NDR) verantwortlich. Die Produktion des Hörspiels wurde gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Akademie:

«„Willkommen in der Welt der Sprachsynthese“: Die Radiomoderatorin Marie nutzt Computer-Tools, um ihre persönliche KI-Stimme zu entwickeln. Das soll Zeit sparen im schnellen Rhythmus der digitalen Arbeitswelt. Aus Marie wird SIREN – eine exakte Kopie ihrer Stimme. Doch was, wenn sich diese Stimme selbständig macht und eigenständige Entscheidungen trifft?

Ein Hörspiel über das Thema Stimme – was naheliegend klingt, wurde doch bisher selten verwirklicht. Christine Nagel hat den Versuch gewagt. Ihre semidokumentarische Spurensuche nach dem markantesten Element des Radios eröffnet zugleich einen spannenden Blick in die digitale Welt von heute und morgen.

Bilden Person und Stimme eine unverbrüchliche Einheit und was bleibt von der eigenen Identität übrig, wenn sich die dazugehörige Stimme nur mehr aus Algorithmen speist? Philosophische Fragen, die Christine Nagel von verschiedenen Seiten beleuchtet und mit charmanten Details versieht. Wenn etwa Marie ihr digitales Ich mit Merseburger Zaubersprüchen überfordert. Oder ihre Seelenstimme, gesprochen von Ilse Ritter, so gar nichts mit der raumlosen KI-Stimme SIRENS anfangen kann.

Die Auswirkungen synthetischer Sprachprogrammierung und unendlicher Datenspeicherung auf Arbeit und Alltag sind vielfältig. Wird alles besser? Wird alles schlechter? Oder einfach nur anders? Christine Nagel vermeidet es, uns eindeutige Antworten zu geben. Vielmehr zeigt sie durch die geschickte Verschränkung so vieler Bedeutungsebenen – von Philosophie, Hörspielkunst, Radiopraxis über Computertechnologie und Digitalität – die ungelösten Herausforderungen gegenwärtiger Entwicklungen auf. Ein gelungenes Audio-Experiment über die Zukunft des Radios, das zugleich eine tönende Hommage an die Geschichte des Hörspiels ist.»

09.04.2021 – MK

Print-Ausgabe 14-15/2021

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