USA: Wettlauf zwischen Comcast und Netflix

25.01.2008 •

Je mehr für High Definition (HD) taugliche TV-Geräte von amerikanischen Konsumenten gekauft werden, umso größer wird die Nachfrage nach direkt auf den neuen Fernsehern empfangbaren Filmen. Obwohl die meisten Kabelgesellschaften heute schon 40 HD-Kanäle anbieten und der Satellitenservice DirecTV über 100 HD-Sender bereitstellt, lechzt das nun mit großformatigen digitalen Bildern verwöhnte Publikum nach Kinofilmen. Der Wunsch wird schon bald Wirklichkeit werden. Film-Downloads auf den Computer-Monitor waren der letzte Schrei des Jahres 2007, gehören aber fast schon dem alten Eisen an. Der Handelsriese Wal-Mart ist aus dem Download-Geschäft wieder ausgestiegen und eigentlich hatte bisher nur das Unternehmen Apple damit wirklichen Erfolg.

Der jederzeitige Zugriff auf Tausende von Filmen über das heimische Fernsehgerät ist freilich fällig und gilt als der nächste große Schritt. Deshalb hörte jedermann aufmerksam zu, als Brian Roberts, Chairman und CEO von Comcast, nun auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas geradezu revolutionäre Pläne seines Kabelunternehmens ankündigte. Das bestehende Video-on-Demand-Angebot von Comcast werde Anfang 2008 von derzeit 300 Filmtiteln auf rund 6000 ausgebaut werden, verkündete Roberts. Eine Website mit dem Namen Fancast werde über 3000 Stunden Fernsehprogramm von NBC, CBS, Fox und MTV anbieten, die sich bald über die Webseite automatisch in digitale Videorekorder einprogrammieren ließen. Und eine neuartige Technologie namens Wideband werde die Zeit, die es dauere, einen Film vom Internet herunterzuladen, dramatisch verkürzen. Zum Beweis demonstrierte Roberts in Las Vegas, wie sich der zweieinhalbstündige Spielfilm „Batman Begins“ mittels Wideband in knapp vier Minuten herunterladen lässt statt der mit einem normalen Broadband-Anschluss heute erforderlichen sechs Stunden. Comcast will die Wideband-Technologie noch im Jahr 2008 in mehreren Millionen Haushalten verfügbar machen.

„Project Infinity“ nennt Roberts sein großangelegtes Vorhaben, 4,5 Mrd Dollar jährlich für den weltweiten Ankauf von Film- und Fernsehrechten auszugeben. Was er nicht erwähnte, ist die Tatsache, dass Comcast ein Projekt wie dieses auch bitter nötig hat. Ein Rückgang der Abonnentenzahlen hat dazu geführt, dass die Comcast-Aktie Anfang 2008 auf ihren niedrigsten Stand der letzten 52 Wochen fiel. Weiteres Wachstum von Comcast ist dadurch eingeschränkt, dass die Firma heute bereits fast an die Decke der staatlich erlaubten 30 Prozent aller amerikanischen Pay-TV-Abonnenten stößt. Verbesserungen des Angebots sind deshalb ein notwendiges Mittel, um eine Abwanderung existierender Kunden zu verhindern.

Weiterhin DVD-Versand

Ernsthafte Konkurrenz dürfte Comcast und anderen Kabelunternehmen durch Netflix entstehen, das rasch populär gewordene Versandgeschäft für DVDs von Kinofilmen und Fernsehserien. Außer seinem von 7 Mio Kunden genutzten und hervorragend funktionierenden Versandhandel mit 90 000 DVD-Titeln bietet Netflix inzwischen einen Download-Service an, der es seinen Abonnenten ermöglicht, rund 6000 Filme und Fernsehformate kostenlos auf dem Computer-Monitor anzusehen. Doch einen richtigen Aufschwung verspricht sich Netflix nun von einer Partnerschaft mit dem südkoreanischen Elektronik-Unternehmen LG Electronics, deren Ziel es ist, Filme und andere Sendungen zum direkten Empfang über ein HD-Fernsehgerät zu programmieren. LG wird den Netflix-Service in die nächste Generation seiner DVD-Player integrieren, die ohnehin bereits eine Kombination der rivalisierenden HD-Systeme Blu-ray und HD-DVD anbieten (vgl. FK-Heft Nr. 35/07). Die Geräte könnten mit einer drahtlosen Verbindung zum Internet ausgestattet und über das Netflix-Angebot mit sofort verfügbaren Filmen und Fernsehsendungen wie etwa Serien gefüttert werden.

Offenbar vertraut Netflix dieser neuen Verbreitungsmethode, die möglicherweise nicht auf die Geräte von LG Electronics beschränkt bleiben wird, mehr als dem Bau und Angebot einer eigenen Set-Top-Box, die das Unternehmen im Frühjahr 2007 angekündigt hatte. Reed Hastings, CEO von Netflix, ließ bei der Ankündigung seiner Pläne keinen Zweifel daran, dass der jetzige Versandhandel von DVDs auch nach Einführung anderer Verbreitungsmethoden fortbestehen werde. Im Jahr 2007 lag der Umsatz von Netflix bei beachtlichen 1,2 Mrd Dollar.

• Text aus Heft Nr. 4/2008 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

25.01.2008 – Ev/FK

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