USA: Netflix an der Spitze der Emmy‑Nominierungen

30.07.2018 • Mit einem eindeutigen Urteil kommentierte die US-Fachzeitschrift „Variety“ die jüngst erfolgten Nominierungen für die Emmy Awards: „Die Bekanntgabe macht offiziell, was schon einige Zeit allgemein vermutet wird: Netflix ist gegenwärtig die dominierende Kraft im Fernsehen.“ Der Videostreaming-Anbieter hat sich mit 112 Nominierungen beim Emmy 2018 an die Spitze aller TV-Unternehmen gesetzt und damit auch den Kabelsender HBO überrundet, die langjährige Nummer 1 in diesem Wettbewerb. HBO musste sich diesmal mit 108 Nennungen zufriedengeben.

Dass Netflix den Spitzenplatz erreichte, ließ alle anderen Neuigkeiten zu den am 12. Juli bekannt gegebenen Nominierungen für die Verleihung der 70. Emmy Awards, die am 17. September in Los Angeles stattfinden wird, in den Hintergrund treten. Zu wichtig und zu herausfordernd ist es für die traditionelle TV-Branche, dass ihr der Marktführer im Videostreaming nun auch bei der bedeutendsten Preisverleihung für Fernsehprogramme den Rang abläuft, nachdem die Fernsehsender aufgrund der Streaming-Konkurrenz bereits seit einiger Zeit mit sinkenden Zuschauer- bzw. Abonnentenzahlen zu kämpfen haben.

Vom Außenseiter zum Vorreiter

Welche Serien und welche Künstler bei den diesjährigen Emmys letztlich im Einzelnen mit den begehrten Preisen geehrt werden, steht in diesem Sommer weniger im Mittelpunkt der Diskussion als vielmehr die Tatsache, dass Netflix innerhalb von nur fünf Jahren vom einstigen Außenseiter unter den TV-Anbietern zum Vorreiter avanciert ist. Im Jahr 2013 hatte Netflix erstmals Emmy-Nominierungen erhalten, und zwar insgesamt 14, die vor allem auf die Serie „House of Cards“ entfielen (vgl. FK-Heft Nr. 30/13).

Dass nun der Pay-TV-Kanal HBO bei den Emmy-Nominierungen auf den zweiten Platz abgerutscht ist, bedeutet Wasser auf die Mühlen seines neuen Eigentümers AT&T. Der Telekommunikationskonzern hat angesichts des vor allem durch Netflix ausgelösten Wettbewerbsdrucks bereits gefordert, HBO solle die Anzahl der Produktionen erhöhen. Das Hervorstechende bei HBO ist, dass der Kabelkanal die vielen Nominierungen und Preise, die der Sender regelmäßig erhält, mit einer geringen Zahl von Produktionen erzielt. Deshalb muss sich das Network eigentlich nicht grämen, diesmal auf dem zweiten Platz gelandet zu sein; denn Netflix hat seine Führungsstellung nur mit einem Vielfachen der von HBO angebotenen Serien und Filme erreicht.

Was die Rangliste bei den Emmy-Nominierungen anbelangt, versammeln sich hinter Netflix und HBO die US-amerikanischen Networks und die beiden weiteren großen Streaming-Anbieter Hulu und Amazon Prime in folgender Reihenfolge: NBC mit 78 Nominierungen, FX mit 50, CBS mit 34, ABC mit 31, Hulu mit 27, Amazon Prime mit 22, Showtime mit 21, National Geographic mit 17, Fox mit 16, VH1 mit 12 und CNN mit 10 Nominierungen. In der Kategorie „Beste dramatische Serie“ wurden nominiert: „The Handmaid’s Tale“ (Hulu), „Game of Thrones“, „Westworld“ (beide HBO), „This Is Us“ (NBC), „The Crown“, „Stranger Things“ (beide Netflix) und „The Americans“ (FX).

Für die amerikanische Presse steht jetzt schon so gut wie fest, dass sich der Wettkampf um den Hauptpreis für die beste dramatische Serie zwischen „Game of Thrones“ (HBO) und „The Handmaid’s Tale“ (Hulu) abspielen wird. Beide sind Favoriten bei Publikum und Kritik und beide stehen nicht zum ersten Mal im Mittelpunkt der Emmy Awards. Es ist allerdings das erste Mal, dass „Game of Thrones“ und „The Handmaid’s Tale“ gegeneinander antreten. Die Emmy-Nacht im September verspricht spannend zu werden.

30.07.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2018

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