USA: Emmy-Hauptpreis für Streaming-Anbieter Hulu 

22.09.2017 •

Am 17. September wurden in Los Angeles zum 69. Mal die Primetime Emmy Awards verliehen. Die Überraschung des Abends war nicht die Tatsache, dass der Kabelsender HBO mit insgesamt 29 Preisen die meisten Auszeichnungen erhielt, sondern dass HBO beim Hauptpreis, dem Emmy Award für die beste dramatische Serie der TV-Saison 2016/17, vom Streaming-Anbieter Hulu ausgestochen wurde. Hulu gewann die begehrte Trophäe für seine Adaption des Margaret-Atwood-Romans „The Handmaid’s Tale“ („Der Report der Magd“). Außerdem konnte Elisabeth Moss, die Protagonisten der Serie, den Preis als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaproduktion entgegennehmen.

Niemand hatte damit gerechnet. Es war das erste Mal, dass beim Emmy ein Streaming-Anbieter den Spitzenpreis kassierte. Und der Gewinner war nicht der große Konkurrent Netflix, der im Vorfeld der Emmy Awards 2017 extrem viel Geld in das Marketing für seine Eigenproduktionen gesteckt hatte. Doch an einem Abend, an dem bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ernste oder ironische Verweise auf Donald Trump im Vordergrund standen, war halt alles möglich. Zum Beispiel auch, dass die spätabendliche politische Satiresendung „Saturday Night Live“ (NBC), die bisher bei Emmy-Verleihungen weitgehend links liegengelassen worden war, diesmal gleich neun Emmy-Preise gewinnen konnte.

Schwere Zeiten für Broadcast-Networks

Erwartungsgemäß ging HBO wieder einmal mit den meisten Statuetten nach Hause. Der Pay-TV-Kabelsender gewann insgesamt 29 Emmy Awards. Auf Platz 2 in der Gesamtbilanz folgte Netflix mit 20 Auszeichnungen vor NBC mit 15 und Hulu mit 10 Preisen. Das Network ABC gewann sieben, der Kabelsender FX sechs, das Fox-Network fünf und das Network CBS vier Emmys. Die Zahlen beweisen, wie schwer die Zeiten für die alteingesessenen Broadcast-Networks geworden sind. Schon seit Jahren machen ihnen die Kabelsender ihre Position streitig. Ihre einstige Domäne auf dem Sektor der Serien ist ihnen bei der Kritik und den jährlichen Preisverleihungen weitgehend verlorengegangen. Doch die jetzt verliehenen Emmy Awards haben den Networks nun auch in aller Deutlichkeit klargemacht, dass sie künftig noch größere Konkurrenz von den immer zahlreicheren Streaming-Diensten zu erwarten haben. Nicht einmal eine Serie wie „This Is Us“ (NBC), die beim Publikum derzeit ganz oben steht (vgl. MK-Artikel), hat es an die Spitze der Emmy Awards geschafft.

Neben dem Preis für Elisabeth Moss gingen die populärsten Darstellerpreise an Sterling K. Brown dann doch für „This Is Us“, an Nicole Kidman für die Miniserie „Big Little Lies“ (HBO), Riz Ahmed für die Miniserie „The Night of“ (HBO), Julia Louis-Dreyfus für die Komödienserie „Veep“ (HBO) und an Danny Glover für die Komödienserie „Atlanta“ (FX). Margaret Atwoods Roman „The Handmaid’s Tale“, dessen Umsetzung als Fernsehserie nun Hulu den Emmy-Hauptpreis einbrachte, ist übrigens schon einmal verfilmt worden: 1990 entstand eine gleichnamige deutsch-amerikanische Kinoproduktion unter der Regie von Volker Schlöndorff. Das Drehbuch schrieb Harold Pinter und die Hauptrolle spielte Natasha Richardson. Der deutsche Titel lautete „Die Geschichte der Dienerin“.

22.09.2017 – Ev/MK

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