Warum immer diese Wiederholungen im Fernsehen?

22.04.2019 •

«Die Bedürfnisse des Publikums sind vielfältig. Und es ist eines dabei, das in den Mediendiskursen regelmäßig unterschätzt wird: die Sehnsucht nach Stabilität, Konstanz und Wiederkehr des Gleichen. Ja, so ist es, und diese Sehnsucht gibt es sogar in der jungen Generation. Ohne sie erwürbe nämlich niemand, weder das Kind noch der Youngster noch die Oma, das, was man Medienkompetenz nennt – die wir alle brauchen, um mit den Angeboten aus dem Netz oder den Streaming-Diensten oder den Social Media oder dem Fernsehen irgendetwas anzufangen.

Die neuen Zeiten machen Werbung für sich selbst. Sie feiern die Sensation, das Noch-nie-Dagewesene. Sollen sie. Die Nutzer aber müssen alles Unerhörte in ein Muster eintragen, das sie mit der Zeit und in ihrer Zeit ausgeprägt haben. Ihre Neugier richtet sich zwar auf die Show mit dem Einmaligkeitswert, ihr Verständnis aber braucht ein Raster, dessen Elemente aus Ablagerungen alter Sachen bestehen. Das ist bei allen Altersstufen so, nicht nur bei Senioren. Die jungen Leute sind, während sie sich auf Neuigkeiten stürzen, immer auch damit beschäftigt, ihre Empfangsbereitschaft zu sichern, indem sie ihre Seherfahrungen sortieren und auf ihnen weiter aufbauen, und dabei hilft ihnen – genau wie den Alten – nichts so gut wie die Wiederholung.»

Barbara Sichtermann in einem längeren Text im „Tagessspiegel“ (Ausgabe vom 21.4.2019) über einen Grund für die Beliebtheit von Wiederholungen im Fernsehen

22.04.2019 – MK

Print-Ausgabe 17/2019

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