Eine Produzentin sieht Rot

23.04.2018 • «Da wir auf einem Bauernhof lebten, war auch in dem schlimmen Hungerwinter nach Kriegsende unser Überleben gesichert. Zu kaufen gab es nichts, also hat man dem kleinen Baby statt einem Schnuller eine Speckschwarte in den Mund gesteckt. An das kleine Dorf Allrode erinnere ich mich kaum. Als mich meine Schwester Barbara in Obernkirchen täglich in den Kindergarten brachte, war ich fasziniert von einem roten Knopf an diesem Gebäude. Doch während die Größeren darüber rätselten, was wohl passieren würde, wenn man da draufdrückte, und es dann auch wieder vergaßen, ließ mich die Sache nicht los. Der rote Knopf zog mich magisch an. Wann immer ich mich unbeobachtet fühlte, umkreiste ich diesen leuchtenden Punkt, genoss die Versuchung und drückte schließlich drauf. Sofort brach die Hölle los. Sirenen tönten, aus  allen Ecken rannten Menschen herbei, und das rote Feuerwehrauto kam angefahren. Als sich herausstellte, dass kein Brand zu löschen war und die kleine Regina nur mal den roten Knopf gedrückt hatte, bekam ich ordentlich Schelte. Und hatte meine erste Lektion gelernt: Die Farbe Rot garantiert jede Menge Aufmerksamkeit. Heute ist das Ziegler-Rot nicht nur meine Haarfarbe, sondern unser Markenzeichen.

In unserem Büro am Lietzensee ist im vierten Stock für die Gäste immer ein roter Teppich ausgerollt, der vom Eingang über das Konferenzzimmer bis in mein weiter hinten gelegenes Büro führt. Auch sonst sehe ich gerne Rot: rote Teetasse, rote Thermoskanne und rotes Schreibzeug. Viel Rot in den Bildern von Elvira Bach und Gustavo. Rot symbolisiert für mich Kraft und Leidenschaft. Rot ist auch die Farbe der Liebe und die Farbe des Herzens. Wer sich rot schmückt und kleidet, will sich nicht verstecken. Wer Rot liebt, handelt aus dem Herzen und aus dem Bauch heraus. So wie ich.»

Die Filmproduzentin Regina Ziegler in ihrer Autobiografie „Geht nicht gibt’s nicht. Mein filmreiches Leben“ (S. 18/19)

23.04.2018 – MK