Sparkurs beim WDR führt zu Einschnitten im Programm

04.07.2014 •

Der vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) angekündigte Sparkurs wird von 2015 an auch im Programm sichtbar werden. Ab Januar 2015 werden die insgesamt elf „Lokalzeit“-Ausgaben nur noch von montags bis freitags in der Zeit von 19.30 bis 20.00 Uhr im Dritten Programm WDR Fernsehen zu sehen sein. Die Samstagsausgabe der „Lokalzeiten“, die im Jahr 2000 eingeführt worden war, entfällt dann. An ihrer Stelle wird es ab dem 3. Januar 2015 die landesweit ausgestrahlte Sendung „Lokalzeit Weekend“ geben, in der nach WDR-Angaben über aktuelle Themen, aber vor allem über „das Wochenend- und Freizeitgefühl“ in Nordrhein-Westfalen berichtet werden soll.

Der seit dem 1. Mai 2014 amtierende WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn nannte für die Einstellung der samstäglichen „Lokalzeit“-Ausgaben finanzielle Gründe. Diese Ausgaben hätten nur erhalten werden können, wenn die Anzahl der elf Landesstudios – die die „Lokalzeit“-Ausgaben jeweils produzieren – verringert worden wäre. Schönenborn äußerte sich 1. Juli 2014 im Rahmen eines Pressegesprächs in Köln, an dem die gesamte sechsköpfige WDR-Geschäftsleitung unter Leitung von Intendant Tom Buhrow teilnahm.

Ende für „Plasberg persönlich“

Buhrow, der nun ein Jahr an der Spitze des WDR steht, hatte zuletzt mehrfach angekündigt, dass die Kosten gesenkt werden müssten, da dem Sender ab 2016 im Schnitt 100 Mio Euro jährlich im Etat fehlen würden. Mitte Juni 2014 hatte die größte ARD-Landesrundfunkanstalt bekannt gegeben, bis 2020 insgesamt rund 500 Planstellen abzubauen. Laut Buhrow werden in Produktion und Technik 220 Stellen gestrichen, in der Verwaltung 130, beim Hörfunk weitere 80 und beim Fernsehen 60. Der Stellenabbau soll ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstatten gehen. Wenn festangestellte Mitarbeiter in den Ruhestand treten, sollen ihre Stellen nicht wiederbesetzt werden. Außerdem will der WDR Mitarbeitern Modelle für Altersteilzeit und Vorruhestand anbieten, um den Stellenabbau zu beschleunigen (vgl. auch FK 25/14). Im Jahr 2014 hat der WDR 4461 Planstellen, von denen rund 4283 besetzt seien. Hinzu kommen rund 1900 feste freie Mitarbeiter und eine Vielzahl von gelegentlich für den WDR tätigen Personen.

Neben der Einstellung der „Lokalzeit“-Samstagsausgaben läuft Ende 2014 auch die Talksendung „Plasberg persönlich“ aus, die im WDR Fernsehen seit Oktober 2008 einmal im Monat ausgestrahlt wird. Gestrichen wird auch das vom WDR fürs Erste Programm der ARD zugelieferte Wissensmagazin „Kopfball“ (sonntags, 11.00 bis 11.30 Uhr). Nach eigenen Angaben will sich der WDR künftig „deutlich weniger an der Finanzierung von ARD-Unterhaltungsshows“ beteiligen. Der im WDR Fernsehen bisher mittwochs von 22.00 bis 22.15 Uhr gesendete „Bericht aus Brüssel“ entfällt zugunsten eines neuen Europa-Magazins, das einen anderen Sendeplatz erhalten wird.

Einen Teil der eingesparten Gelder will der WDR „in innovative Unterhaltungsformate“ im Fernsehen investieren, die auch ein jüngeres Publikum erreichen sollen. Dazu gehören neue Sendungen mit Olli Dittrich und die im Sommer startende Ensemble-Comedy im WDR Fernsehen. Der NRW-Landesverband des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) kritisierte die WDR-Sparpläne. Es handele sich um die „Methode Rasenmäher“. Die Arbeitsbelastung für fest angestellte Mitarbeiter werde immer höher, zugleich fielen die Honorare für Freie immer niedriger aus, hieß es weiter.

(MK; erschienen damals in „Funkkorrespondenz“ Nr. 27/2014)

04.07.2014 – FK

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