„Rheinischer Merkur TV” soll nun später kommen

07.11.1997 •

Unzufrieden zeigt sich Michael Rutz, Chefredakteur der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ (RM), mit der sich abzeichnenden Entscheidung der Landeszentrale für private Rundfunkveranstalter Rheinland-Pfalz (LPR) bei der Vergabe von Lizenzen an Drittanbieter nach dem Rundfunkstaatsvertrag, weil „Standortpolitik und politische Erpressung“ die Entscheidung bestimmt hätten und nicht die vom Rundfunkstaatsvertrag gewollte Stärkung der Pluralität. Die LPR in Ludwigshafen hatte die Lizenzen für die Drittsendezeiten bei Sat 1 den Anbietern DCTP (Alexander Kluge) und News and Pictures (Josef Buchheit) in Aussicht gestellt (vgl. FK-Heft Nr. 43/97).

Innerhalb des von Gruppierungen beider christlichen Kirchen gebildeten Konsortiums Astratel (vgl. FK-Heft Nr. 38/97) hatte der „Rheinische Merkur“ in seiner Bewerbung angeboten, im Sat-1-Programm ein 30- bis 45-minütiges Magazin – Arbeitstitel „RM Preview“ – zu produzieren. Dem Anschein nach wird es aber darauf hinauslaufen, dass der rheinland-pfälzische TV-Unternehmer Buchheit sowie die Produktionsfirma DCTP (Düsseldorf) den Zuschlag auch endgültig erhalten. Fensterprogramme von Drittanbietern müssen von Privatsendern ausgestrahlt werden, die regelmäßig über 10 Prozent Marktanteil erreichen. Das trifft außer auf Sat 1 nur noch auf RTL zu.

Niedersachsen berücksichtigen

Wie Michael Rutz am 5. November gegenüber der FK bestätigte, wird seine Zeitung nun versuchen, auf anderem Wege im direkten Kontakt mit einem Sender das geplante Magazin zu produzieren. Dabei strebt er einen Sendetermin am Montagabend an, an dem es um eine journalistisch aufbereitete und fernsehgerechte Vorschau auf Ereignisse der folgenden Woche gehen soll.

Die Auswahlvorentscheidung über die Drittanbieter bei RTL soll in diesem Monat fallen. Zuständige Lizenzbehörde ist die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) in Hannover. Der neue Vorstand des Film- und Medienbüros Niedersachsen hat dabei am 3. November in einem Pressekommuniqué die NLM aufgefordert, bei ihrer Entscheidung über die Vergabe der Drittsendezeiten bei RTL sollten „auch die über Jahre in Niedersachsen gewachsenen unabhängigen Produktionsstrukturen Berücksichtigung finden”. Insgesamt 28 Anbieter, darunter drei aus Hannover, haben sich für die Fensterprogramme bei RTL beworben (vgl. FK-Heft Nr. 43/97).

• Text aus Heft Nr. 45/1997 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

07.11.1997 – FK