Neuer Rundfunkstaatsvertrag: ZDF verkleinert Online‑Angebot

29.05.2009 •

Das ZDF wird in den kommenden Monaten einen Großteil seiner bisher noch online abrufbaren Inhalte aus dem eigenen Internet-Angebot herausnehmen. Das bestätigte ZDF-Sprecher Alexander Stock auf Nachfrage. Demzufolge wird der öffentlich-rechtliche Sender seine online verfügbaren Inhalte um rund 80 Prozent reduzieren. Hintergrund für diese Depublizierungsmaßnahme ist, dass der 12. Rundfunkänderungsstaatvertrag am 1. Juni 2009 in Kraft tritt und damit zahlreiche Begrenzungen für die Internet-Auftritte der öffentlich-rechtlichen Sender wirksam werden.

Dazu gehört beispielsweise, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio nun im Internet ihre Fernseh- bzw. Radiosendungen grundsätzlich nur bis zu einer Dauer von sieben Tagen nach deren Ausstrahlung zum Abruf bereitstellen dürfen. Angekaufte Spielfilme und angekaufte Folgen von Fernsehserien dürfen sie nicht online zugänglich machen. Ferner haben die Anstalten bei sendungsbezogenen Internet-Angeboten den jeweiligen „zeitlichen und inhaltlichen Bezug zu einer bestimmten Sendung“ anzugeben. Nicht sendungsbezogene Online-Angebote sind unzulässig. Mit diesen beiden Vorschriften soll verhindert werden, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den Verlagen und deren Internet-Auftritten zu starke Konkurrenz machen.

Zehntausende Dokumente betroffen

Das ZDF muss jetzt seine Online-Mediathek so einrichten, dass Nutzer dort Fernsehsendungen nur noch bis maximal sieben Tage nach ihrer Ausstrahlung abrufen können. Ausnahmen von dieser Vorschrift sind allein möglich, wenn dem ZDF wie auch den ARD-Anstalten und dem Deutschlandradio von ihren Aufsichtsgremien durch einen Drei-Stufen-Test für bestimmte Sendungen ein längerer Abrufzeitraum zugestanden wird. Aus dem Angebot der ZDF-Mediathek sind inzwischen bereits die zuletzt noch verfügbaren Folgen der britischen Krimireihe „Inspector Barnaby“ entfernt worden. Mit dieser Maßnahme erfüllt der Sender die neue Vorgabe, dass Lizenzware nicht via Internet verbreitet werden darf. Das ZDF plant außerdem, weitere 4000 Sendungen sowie 6500 Bilderserien aus seiner Mediathek zu nehmen. Nach eigenen Angaben wird die Fernsehanstalt ferner innerhalb ihres Portals zdf.de insgesamt 46.800 Dokumente löschen. Bei heute.de fallen 28.000 Textdokumente weg, bei sport.zdf.de sind es 18 700. Insgesamt etwa 3000 der rund 4000 abrufbaren Kochrezepte werden demnächst auf der ZDF-Webseite nicht mehr nachzulesen sein.

Das ZDF hat gemäß dem neuen Rundfunkstaatsvertrag in den kommenden Monaten das bestehende Online-Angebot durch den Fernsehrat in einem Drei-Stufen-Test untersuchen zu lassen. Auch die Gremien der ARD-Anstalten und des Deutschlandradios haben solche Prüfverfahren einzuleiten. Insgesamt wird für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit rund 40 Drei-Stufen-Tests gerechnet, deren Kosten sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag summieren. Die ZDF-Geschäftsleitung hat dem Fernsehrat ein Konzept für den Online-Auftritt des Senders vorzulegen, das dann in dem dreistufigen Verfahren geprüft wird. In dem Konzeptpapier werde auch die Beschreibung der Angebote 3sat.de und phoenix.de enthalten sein, sagte ZDF-Sprecher Stock gegenüber der FK. Insgesamt beinhalte das Online-Konzept des ZDF sieben Bereiche. Dazu gehörten beispielsweise die Portale zdf.de, heute.de, zdf.sport.de und tivi.de, so Stock.

• Text aus Heft Nr. 22-23/2009 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

29.05.2009

Print-Ausgabe 15/2020

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