Kein Jugendschutz-Verstoß bei „Germany’s Next Topmodel“

16.11.2015 •

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) der Landesmedienanstalten hat bei einer erneuten Prüfung der vom Privatsender Pro Sieben ausgestrahlten Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ keinen Verstoß gegen jugendschutzrechtliche Vorschriften festgestellt. Das teilte die KJM am 3. November mit. Den entsprechenden Beschluss fasste die Kommission auf ihrer Sitzung am 28. Oktober in München. Die Kommission sei nach der Prüfung von mehreren Folgen der 10. Staffel zu dem Schluss gekommen, dass diese Ausgaben gemäß den Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) nicht entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder und Jugendliche seien, so die KJM. Die 10. Staffel der von Heidi Klum präsentierten Show hatte Pro Sieben von Februar bis Mai dieses Jahres ausgestrahlt. Insgesamt gab es diesem Zeitraum 15 Ausgaben der Sendereihe.

Die KJM verwies in der Begründung für ihre Entscheidung darauf, dass „Germany’s Next Topmodel“ zwar eine Berufsrealität darstelle, in der ein kritikwürdiges Schlankheitsideal vorherrsche; die mediale Darstellung dieser in der Modewelt vorhandenen Anforderungen sei jedoch nicht als entwicklungsbeeinträchtigend oder gefährdend für Kinder und Jugendliche zu bewerten. Auch seien problematische Szenen ausreichend relativiert worden, indem kritische Kommentare (zum Beispiel „Du bist zu dick“) ausdrücklich auf die beruflichen Anforderungen an ein Laufsteg-­Model bezogen worden seien. So habe Moderatorin Heidi Klum im Lauf der Sendung den Kandidatinnen auch verdeutlicht, dass Hungern kein Weg sei, erklärte die KJM.

„Limitierende Geschlechterrolle“

Grund für die Prüfung von „Germany’s Next Topmodel“ durch die Kommission war, dass die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) die Sendung der KJM zur genaueren Untersuchung vorgelegt hatte. Die MABB ist die lizenzgebende Behörde des Senders Pro Sieben, der die 10. Staffel der Show – wie auch die vorangegangenen neun Staffeln – in seinem Hauptabendprogramm ausstrahlte (ab 20.15 Uhr). Anlass für das Vorgehen der MABB war eine Online-Petition, die die in Hamburg ansässige Organisation ‘Pinkstinks Germany’ im Frühjahr 2015 gestartet hatte. Die Organisation wendet sich nach eigener Darstellung gegen Produkte, Werbe- und Medieninhalte, „die Mädchen eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen“.

In der Online-Petition forderte ‘Pinkstinks’, dass „Germany’s Next Topmodel“ nicht mehr ausgestrahlt wird oder zumindest nur noch im Spätprogramm. Ihre Forderung begründete die Organisation mit der Veröffentlichung von ersten Ergebnissen einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI). Laut diesen ersten Studienergebnissen wurde ein Zusammenhang zwischen Essstörungen und „Germany’s Next Topmodel“ hergestellt. Für die Studie war 241 Menschen, vorwiegend Mädchen und junge Frauen, befragt worden, die zum Zeitpunkt der Befragung wegen einer Essstörung in Behandlung waren. „Besonders ‘Germany’s Next Topmodel’ kann die psycho­somatische Krankheit verstärken. Für fast ein Drittel der Betroffenen war die Sendung entscheidend für die eigene Krankheitsentwicklung“, hieß es in einer am 23. April veröffentlichten Presse­mitteilung des IZI und des Bundesfachverbands Essstörungen. Das IZI, das zum Bayerischen Rundfunk (BR) gehört, führte die Studie in Kooperation mit dem Bundesfachverband Essstörungen durch.

Die KJM hat sich mit der seit 2006 von Pro Sieben ausgestrahlten Show „Germany’s Next Topmodel“ in den vergangenen Jahren mehrfach beschäftigt. Bei ihren Prüfungen stellte die Kommission bisher stets fest, dass die Sendung nicht als entwicklungsbeeinträchtigend oder gefährdend für Kinder und Jugendliche einzustufen sei. Einen Verstoß gegen die Jugendschutzbestimmungen konnte die Kommission somit bisher nicht erkennen. Diese Auffassung vertrat die KJM erstmals im Februar 2006, wenige Wochen nachdem Pro Sieben die Show neu ins Programm genommen und die Sendung eine kritische öffentliche Debatte ausgelöst hatte.

16.11.2015 – MK

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